Verteidiger des wahren Blödsinns
Stuttgart. Erlangen hat die Welt nicht nur Lothar Matthäus und Heinrich von Pierer zu verdanken. Nein, auch einige begnadete Rockmusiker kann die Frankenmetropole zu ihren Kindern zählen - die Spaß-Metaller von J.B.O..
Die Schwaben haben ja bekanntlich ein großes Herz. Vor allem für andere Minderheiten Deutschlands, die genauso wenig des Hochdeutschen mächtig sind, wie sie selbst. Von daher versteht es sich, dass Vito C, Hannes "G. Laber" Holzmann, Ralph Bach (eigentlich ein Nürnberger) und Wolfram Kellner hierzulande eine große und treue Anhängerschaft finden.
So sind die Konzerte von J.B.O. im Südwesten der Republik stets gerammelt voll - und im Jahre des 20. Bestehens der Band sowieso. Im ausverkauften Stuttgarter Longhorn feierten denn auch dieses Mal 1500 Headbanger ein Fest - und das, so weiß man aus der gleichnamigen "Go West"-Coverversion der vier Franken, ist nie verkehrt. Vor allem, wenn man dabei Krüge leert. Und deshalb wissen die Fans auch ganz genau: "Heut ist nicht nur der Himmel blau."
Auch die Band blieb diesem Motto während ihres fast zweistündigen Auftritts treu. Was freilich zur Folge hatte, dass die Roadies in regelmäßigen Abständen frisches J.B.O.-Pils einer allen Fans bestens bekannten Erlanger Brauerei - Nee, kein "Pariser Bier" - auf die Bühne reichen mussten, das von Vito, Hannes und Ralph fachmännisch in der Halterung am Mikroständer verwahrt wurde.
Als Support hatten J.B.O. die Jungs von Beatallica mit dabei, die in ihrem dreiviertelstündigen Auftritt - der Name lässts bereits erahnen - eine etwas ungewohnte Synthese aus Songs der kalifornischen Hardrocker von Metallica und der Liverpooler Pilzköpfe darboten.
Aber auf die Verbindung unterschiedlichster Stilrichtungen verstehen sich ja schließlich auch die fränkischen Spaß-Metaller. Beispielsweise mit ihrer im Rammstein-Sound gehaltenen Version von Nicoles "Ein bisschen Frieden". Vor allem den humorvoll gewendeten Cover-Versionen im Stile des Heavy Metal verdankt die Band ja schließlich den Erfolg ihrer Anfangszeit nach 1989.
Der Durchbruch kam fünf Jahre später aber mit einer Eigenkomposition. Nach wenigen Akkorden auf der Akustik-Gitarre haben die Fans "Ein guter Tag zum Sterben" bereits erkannt und Vito kann sich den Gesangspart folglich erstmal sparen. Aber auch bei Klassikern wie der Manowar-Adaption "J.B.O." oder "Bolle" hat sich das Publikum sicher ganz köstlich amüsiert. Denn jedes Mal, wenn Vito und Hannes sich mit "Danke, Stuttgart" für den Applaus erkenntlich zeigen, schallt ihnen umgehend aus 1500 Kehlen ein "Bitte, J.B.O." entgegen.
Satte 21 Songs voller Witz und fränkischem Akzent sind der Lohn für die Fans, die sich selbst bei Songs des neuen Langspielers, wie "I dont like Metal - I love it" oder "M.E.T.A.L." textsicher zeigen. Erst nach zwei Zugaben und dem abschließenden "Verteidiger des wahren Blödsinns" verabschieden sich die Metaller in Schwarz-Rosa-Gold - bis zum nächsten Mal.
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Autor: MICHAEL BANHOLZER | 23.12.2009
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