Apfel und Birne in die Presse

Der Hagel hat manche Hoffnungen zerschlagen: Tafelobst gibt es bei Äpfeln und Birnen in der Region relativ wenig. Aber es ist doch noch einiges auf den Bäumen, das sich auf jeden Fall vermosten lässt.

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Ortsvorsteher Andreas Seiz und Hans Ulrich an der Saftpresse im hinteren Teil des Glemser Obstbaumuseums. Foto: Archiv/Peter Swoboda

Das Mosten in der uralten Kelter in Glems ist eine Angelegenheit, die die Menschen einander näher bringt. Da bringt man nicht nur seine Äpfel und Birnen zum Mosten hin, nein, man bringt auch Zeit mit. Schaut zu, hilft mit, schwätzt, erneuert alte oder neue Bekanntschaften und freut sich schlussendlich, dass man mit seinem frischen, wohlschmeckenden Apfelsaft nach Hause kommt. Und auch Kinder sind hier willkommen, denn sie helfen begeistert mit.

Auch in diesem Jahr wird in der Presse, die dem Obstbaumuseum angeschlossen ist, wieder Saft gepresst, begonnen wird am Samstag, 14. September - dann jeden Samstag im Herbst. Eine Terminabsprache ist mit Andreas Seiz unter Telefon: (0 71 23) 2 18 48 möglich. Der Ortsvorsteher ist ein "alter Fuchs" wenn es um das Mosten geht, er macht es schon seit Jahren. Besonders gern natürlich, seit man vor zwei Jahren in eine neue Erhitzungs- und Abfüllanlage für Obst investiert hat, mit der der Apfelsaft wenige Sekunden bei 78 bis 82 Grad erhitzt wird und so haltbar gemacht und verpackt werden kann.

"Bag-in-Box" heißt die Methode, bei der der Saft dann in Beutel mit fünf oder zehn Liter Inhalt verfüllt wird. So bleibt der Saft ohne Qualitätsverlust bis zu drei Jahre haltbar - auch wenn die Box angebrochen ist, kann sie ungekühlt mehrere Wochen aufbewahrt werden. Die Kartons können im Übrigen wieder verwendet werden.

Nach dem Hagelschaden vor einigen Wochen erwarten die Obstbauern größtenteils eine schlechte Ernte, es wird vor allem sehr viel Mostobst geben. Und das kann man dann in der Glemser Kelter verarbeiten lassen, denn "wir nehmen auch kleine Mengen an". Allerdings, schränkt Andreas Seiz ein, "ein Zentner muss es schon sein." Aber auch daraus kann man immer noch rund 30 Liter leckeren Saft herstellen. So lohnt es sich einfach auch, kleinere Mengen zu sammeln und nach Glems zu bringen. Auch wenn das ein bisschen teurer ist, als wenn man viele Zentner anliefert und pressen lässt. Aber man weiß, dass man Saft von seinen eigenen Bäumen hat, total "Bio" also. Und ein Statement für den Erhalt der Streuobstwiesen ist es allemal.

In der Kelter kann jeder zuschauen, wie sein eigenes Obst vermostet wird - ein Durchgang dauert im Schnitt eine halbe bis eine dreiviertel Stunde. Wobei vor allem das Auspressen zeitintensiv und aufwendig ist: Das angelieferte Obst wird gewaschen, zerkleinert, abgepackt in so genannte Presstücher und dann gepresst. Andreas Seiz und seine Mannschaft mosten mit einer Pressanlage und nicht, wie oft üblich, mit einer Bandanlage. So wird der Saft klarer, weil er weniger Schwebstoffe hat, erklärt Seiz. Die alte Pressanlage wird schonend behandelt, weil heute keine mehr in dieser Größe gebaut wird und die Glemser damit beim Mosten und beim Aussehen des Saftes punkten können. Bei einem Pressgang können hier bis zu acht Zentner auf einmal abgepresst werden. Dann wird der Saft umgepumpt, erhitzt und abgefüllt.

Wer keinen reinen Saft möchte, sondern die Grundlage für einen vergärten Most, kann auch das erleben. Und weil man vor Ort dabei ist, kann man bestimmen, ob den Äpfeln beispielsweise Birnen beigemischt werden, und wenn, wie viel, was natürlich dem Most einen ganz eigenen Geschmack gibt. Im Übrigen wurden im vergangenen Jahr 44 000 Liter Obst für "Bag-in-Box" gepresst, das waren 80 Prozent des gesamten Press-Umsatzes. Die restlichen 20 Prozent wurde für den "richtigen", als vergärten Most genutzt.

Info Auskunft und Anmeldungen bei Andreas Seiz, Glems, Telefon: (0 71 23) 2 18 48.

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