Am Ufer der Unendlichkeit

Das KJT heißt jetzt "Junges LTT" und hat am Wochenende mit der Premiere von "Moglis Dschungel" und mit Theaterfest, Kinderfest und Festakt-Sause drei Tage lang seinen 30. Geburtstag gefeiert.

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Das Tübinger Kinder- und Jugendtheater feierte am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen - unter anderem mit Udo Zepezauer (links).  Foto: 

Zum offiziellen Festakt waren vor allem Lokalpolitik, Theaterprominenz und viele ehemalige Chefs und Ensemble-Mitglieder angereist, um dem Jungen LTT zu huldigen. Der neue LTT-Intendant Thorsten Weckherlin kann beispielsweise schon nach kurzer Amtszeit sagen: "Ihr seid wunderbar". Und Tübingens OB Boris Palmer steht ja auch immer "gern auf einer Bühne", vor allem im derzeitigen Wahlkampf. Und er weiß: "Je älter man wird, desto wichtiger wird wieder die Jugend." Jedenfalls sei es "großartig", dass sich das Tübinger Kinder- und Jugendtheater "immer wieder neu erfindet und weiterentwickelt".

Damit die kulturelle Bildung aber nicht nur bei den bildungsbürgerlichen Kindern und Jugendlichen ankommt, sondern auch bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund, hätten Stadt, LTT, Uni und die Schulen ja auch gemeinsam das Theatercamp organisiert. OB Stefan Neher aus Rottenburg wiederum freut sich, wenn das (Junge) LTT immer wieder in Rottenburg vorbeikommt. Er ist im Kreistag zuständig für die Theater(-Förderung), weshalb er immer gerne "vor Ort" vorbeischaut, um nicht ins Blaue hineinentscheiden zu müssen.

Jürgen Zielinski vom Theater der Jungen Welt Leipzig hat damals in Tübingen den Grundstein gelegt. Der "Anfang war offensichtlich so gut, dass es 30 Jahre lang gehalten hat", so sein Resümee. Damals sei es ein "kühnes Experiment" gewesen, das Jugendtheater als eigene Sparte zu etablieren, denn nur allzu oft gelten die Kinder- und Jugendabteilungen als eher zweitrangige Institutionen. Um die Selbständigkeit weiterzuentwickeln, schlägt Zielinski Palmer unter anderem vor, "perspektivisch ein selbständiges, autonomes Jugendstadttheater" zu schaffen. Und um die "kulturelle Bildung" wirklich ernst zu nehmen, fordert er, "jedem Kind der Stadt eine Hauptrolle zu beschaffen", zum Beispiel mit einer eigenen Theaterschule. Für Markus Süß von der Jungen WLB Esslingen wiederum steht die Tübinger Jungbühne vor allem für Qualität, Kontinuität und überregionale "Strahlkraft". Sie verknüpfe "Punk mit Inhalten" und das in einer Zeit, in der die "Jugendkultur in sich zusammensackt" vor lauter Sensationsmache in den neuen Medien. Und so habe das KJT noch nie irgendwelche "rassigen Musicals" und öde "Weihnachtsmärchen" als "Cash Cows" gebraucht, sondern sich auf "komödiantische Stücke, musikalische Experimente und anspruchsvolles Erzähltheater" spezialisiert. Dafür habe es sich ein entsprechendes Publikum herangezogen, von dem auch die anderen Kinder- und Jugendtheater der Region profitieren.

Jung-LTT-Chef Michael Miensopust selbst wiederum wird oft nach der Zukunft befragt: Was sie bringt, wisse er nicht, aber er wolle "sich auf keinen Fall mit Dingen beschäftigen, die wir in den 80ern eigentlich schon geklärt haben".

Viele Leute verlangen immer noch - oder schon wieder - "glattes, aufgeräumtes Theater", was es mit ihm nicht geben werde. Vielmehr "wollen wir uns immer noch ständig in Gefahr bringen", immer wieder "etwas machen, was wir noch nie gemacht haben", und weiterhin vielfältig bleiben und "das Lebendige im Theater" erhalten.

Schon zum 25. Geburtstag hat er einen Jubiläums-Film produziert, den es dann beim Festakt noch mal zu sehen gab und in dem viele ehemalige und heutige Chefs, Regisseure und Schauspieler zu Wort kommen: unter anderem Jürgen Zielinski, Volker Quandt, Gotthard Sinn, Klaus Cofalka-Adami, Heiner Kondschak, Monika Hunze, Jochen Fölster, Rupert Hausner oder auch Uschi Famers.

Weil Theater aber nicht nur Text ist, sondern vor allem Anschauung, gabs zum Jubeltag außerdem noch eine kleine Märchen-Impro-Show mit altbewährten Kräften (Zepezauer, Thun, Hausner, Blum, Kondschak, Quandt und, und ,und): Hänsel und Gretel suchen im LTT-Zuschauer-Wald die Vergangenheit, die Zukunft und den bösen Zauberer, der für was auch immer steht, und treffen dabei auf seltsame Gestalten und wohlfeile Sätze aus den Stücken der vergangenen Jahre, auf dicke Kaninchen, Inzestberater, Haar-Monster und eine wuschelige Stehlampe. Schließlich landen sie beim Dinner for "Miss KJT" und stehen am Ende "Hand in Hand am Ufer der Unendlichkeit".

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