Als Buschpilot durch Madagaskar

|
Vorherige Inhalte
  • Starts und Landungen auf den Pisten im Busch gestalten sich auf Madagaskar schwierig. Zum einen ist die Sicht schlecht, zum anderen sind die Bodenverhältnisse eine Herausforderung. 1/2
    Starts und Landungen auf den Pisten im Busch gestalten sich auf Madagaskar schwierig. Zum einen ist die Sicht schlecht, zum anderen sind die Bodenverhältnisse eine Herausforderung. Foto: 
  • Michael Kässer mit Familie im engen Ultraleichtflugzeug. Dass Ehefrau und Kinder mit nach Madagaskar gehen konnten, war für den leidenschaftlichen Flieger und Familienvater eine Bereicherung. 2/2
    Michael Kässer mit Familie im engen Ultraleichtflugzeug. Dass Ehefrau und Kinder mit nach Madagaskar gehen konnten, war für den leidenschaftlichen Flieger und Familienvater eine Bereicherung. Foto: 
Nächste Inhalte

Als Zimmerer und technischer Leiter von Bauprojekten, war Afrika für Michael Kässer durchaus kein unbekannter Kontinent. Doch was von September 2015 bis Anfang August 2016 auf den heute 54-Jährigen zukam, war dann doch etwas Neues. Er war auf Madagaskar als Buschpilot im Einsatz, flog mit einem Ultraleichtflugzeug Hilfseinsätze. Michael Kässers fliegerische Heimat ist der Luftsportverein Roßfeld in Metzingen. Dort hat er sich vor seinem Auslandseinsatz durch viele Übungsflüge mit erfahrenen Fluglehrern auch die letzte Sicherheit antrainiert.

Herr Kässer, wie wird man eigentlich Buschpilot?

MICHAEL KÄSSER: Der Verein Mobile Hilfe Madagaskar ist an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, das zu machen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Das lief über den Christlichen Piloten- und Modellfliegerverband per E-Mail.

Mussten Sie lange überlegen, um zuzusagen?

Nein. ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen und die war sofort begeistert.

Anschließend haben Sie sich wahrscheinlich ausgiebig über die Angelegenheit informiert?

Wir sind im Jahr 2014 für drei Wochen dort hingeflogen, um mit den zuständigen Menschen Kontakt aufzunehmen und um zu sondieren.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie zum ersten Mal die holprigen Start- und Landepisten im Busch sahen?

Also, ich war schon öfter in afrikanischen Ländern als Bauleiter, ich bin ja Zimmerer und Berufsschullehrer an der Steinbeisschule in Stuttgart. Daher wusste ich ungefähr, was auf mich zukommt.

Was hat sie dabei besonders beeindruckt?

Das waren tatsächlich die gigantischen Ausmaße dieser Insel, was stundenlange Flüge über fast unbesiedeltes Terrain bedeutet. In diesem großen Land gibt es wirklich nur vier einigermaßen ausgebaute Straßen über Land. Madagaskar ist immerhin die viertgrößte Insel der Welt.

War das eine besondere Herausforderung?

Für mich als Amateurflieger auf jeden Fall. Ich bin ja bis dahin mit dem Ultraleichtflugzeug lediglich über die Schwäbische Alb und über den Schwarzwald geflogen.

Wie war denn Ihre erste Landung auf einer Piste im Busch?

Die war äußerst spannend. Ich wusste nicht wirklich, was mich erwartet. Laut GPS hätte die Landebahn längst auftauchen müssen, doch ich konnte aus dem Cockpit der gelben Wild Thing einfach nichts Pistenähnliches erkennen. Hinter einer Baumgruppe war schließlich ein langgezogenes Feld ausfindig zu machen.

Waren Sie überrascht?

Das kann man sagen. Im Gegenanflug sah ich Büsche, Fahrspuren und hohes Gras. Und die Piste war von grasenden Kühen bevölkert. Während meines tiefen Überflugs kamen sofort aus allen Richtungen Menschen herbei, die ihre Tiere in Sicherheit bringen wollten. So konnte ich mich immerhin voll auf die Landeeinteilung konzentrieren.

Offenbar hat es geklappt?

Ja, ich versuchte, das beste Stück der Piste zu erwischen. Der Wind war stark böig und kam von schräg rechts vorne

Wem gehört das Ultraleichtflugzeug, mit dem Sie unterwegs waren?

Das Flugzeug gehört dem Verein Mobile Hilfe Madagaskar, der im Jahr 2010 in Deutschland gegründet wurde. Das Ultraleichtflugzeug wurde bereits im Jahr 2012 angeschafft, wurde damals jedoch beim Transport von Deutschland nach Madagaskar schwer beschädigt, sodass es nicht einsatzfähig war.

Was haben Sie daraufhin gemacht?

Ich habe es Instand gesetzt und umgebaut.

Wie lange haben Sie dafür gebraucht?

Sage und schreibe fünf Monate. Das hätte ich vorher nie gedacht. Ich hatte mit vier Wochen gerechnet.

In welchem Auftrag waren Sie mit dem Ultraleichtflugzeug unterwegs?

Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die medizinische Versorgung ist praktisch nicht vorhanden. Also müssen Ärzte, Zahnärzte und Hebammen mit dem Flugzeug in den Busch geflogen werden.

Ist die Not in Madagaskar wirklich so groß?

Die Not ist tatsächlich überall unbeschreiblich groß. Vor allem in den ländlichen Regionen, die schwer erreichbar sind.

Was hat sie persönlich besonders motiviert?

Mein Glaube an einen persönlichen Gott, der alle Menschen gleich liebt. Und das Privileg, in einem so reichen Land wie Deutschland aufgewachsen zu sein und leben zu dürfen.

Und dies mit der Fliegerei verbinden zu können, war dann der besondere Antrieb?

Ja genau. Fliegen ist für mich ein Hobby, das ich mit Leidenschaft betreibe. Und diese Leidenschaft mit meinem Engagement als Christ verbinden zu können, ist die Erfüllung eines Traums für mich.

Wie haben Sie sich auf den Einsatz in Madagaskar vorbereitet?

Da muss ich jetzt den Luftsportverein Roßfeld in Metzingen nennen, der für mich zu einer fliegerischen Heimat geworden ist und dessen Fluglehrer mir den letzten Schliff gegeben haben.

Sie haben auch über Ihre Erlebnisse in Madagaskar ein Buch geschrieben.

Das stimmt. Im Buchhandel ist es leider nicht erhältlich, Interessenten können es nur bei mir bestellen ($(LEmailto:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de)$:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de:www.gelberfliegermadagaskar@gmx.de)$|_blank)$).

Sie waren nicht alleine in Madagaskar?

Das stimmt. Meine Frau Christa und unsere beiden Mädchen, Ameli (drei Jahre alt) und Jule (ein Jahr), waren natürlich mit dabei.

Mussten Sie für diesen Einsatz in Madagaskar ein Jahr Urlaub nehmen?

Nein, das nicht. Ich habe ein so genanntes Sabbath-Jahr genommen. Auf diese Weise konnten wir uns selbst finanzieren.

Würden Sie dieses Abenteuer noch einmal auf sich nehmen?

Ja, auf jeden Fall. Allerdings ist es manchmal ganz gut, im Vorfeld nicht zu wissen, was alles auf einen zukommt.

Seine Leidenschaft fürs Fliegen hat Michael Kässer in den Dienst einer guten Sache gestellt und den Verein Mobile Hilfe Madagaskar als Buschpilot unterstützt.

Hierzu tauschte er das bekannte weiß-rote Flugzeug vom Roßfeld gegen ein „buschtaugliches“ Ultraleichtflugzeug ein und flog Ärzte und Hebammen an abgelegene Orte.

Was sich so locker anhört, entpuppte sich als eine gewaltige Herausforderung: Unzählige Hürden galt es im Vorfeld zu nehmen, bürokratische wie technische, bis das Flugzeug zugelassen und die erste Landung im Busch erfolgen konnte.

Von atemberaubenden Landschaften, seinen oft abenteuerlichen Einsätzen über unwegsamen Geländen und besonderen Begegnungen wird der Roßfelder Pilot am kommenden Dienstag, 30. Mai, mit Bildern berichten.

Der Vortrag beginnt um 20 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Neuhausen, der Eintritt ist frei.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Interview am Dienstag

Hier finden Sie alle Interviews unserer Reihe „Interview am Dienstag“.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gesucht: Ideen und Investoren

Die Stadt will das Areal rund um den Ulrichsturm neu gestalten. Am Montag startet deswegen ein Architekten- und Investorenwettbewerb. weiter lesen