Albverein unterwegs in Oberschwaben

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Die Mitglieder des Metzinger Albvereins haben ihre Wanderstiefel geschnürt. Der Ausflug führte nach Oberschwaben.  Foto: 

Eingeladen hatte der Metzinger Albverein zu einer Fahrt nach Oberschwaben: Bei klarem Himmel ging es über Bad Urach, Münsingen, Ehingen, Bad Saulgau und Weingarten zu einem kleinen Ort namens Hannober, dem ersten Ziel. Dort gibt es eine gerade für Erms­täler interessante Manufaktur. Denn verarbeitet werden die Erträge von Streuobstwiesen der näheren Umgebung. Was man daraus alles an Obst- und Beerenessigen, Direktsaft und alkoholhaltigen Getränken machen kann und wie die Produkte hergestellt werden, wurde bei einer Betriebsbesichtigung demonstriert. Die Produkte durften auch immer wieder auf ihren Geschmack hin geprüft werden. Keines fiel durch.

Interessant war auch zu erfahren, wie die Manufaktur entstanden ist. Außerdem arbeitet sie absolut energieneutral zahlt ihren Lieferanten auskömmliche Preise fürs Obst, sodass es sich für diese lohnt, ihre Streuobstwiesen zu erhalten.

Nach kurzer Mittagspause mit Rucksackvesper ging es zu Fuß weiter durch die von der Würm­eiszeit geformte oberschwäbische Landschaft zur gut sieben Kilometer entfernten Waldburg.

Man kam vorbei an einigen der genannten Streuobstwiesen (mit gutem Behang, begründet in der Höhenlage und der dadurch späten Blütezeit), an Weilern, einem Moor und einem ebenfalls von der Eiszeit hinterlassenen Findling. Und das alles bei schönstem Wanderwetter. Der Weg war so abwechslungsreich wie das ganze Tagesprogramm.

Der letzte Abschnitt der Wanderung war steil und schweißtreibend. Denn die Waldburg liegt auf einem „Drumlin“, einer natür­lichen Erhebung aus der Eiszeit in 772 Meter Höhe. Diese Burg, gegründet ums Jahr 1000 nach Christus, ist Stammsitz des Geschlechts der Fürsten von Waldburg. Sie war einmal der Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Denn die Herren waren Truchsesse. Sehr viel höher als bis zu diesem Amt konnte man es im Kaiserreich nicht bringen. Unter Kaiser Friedrich II. wurden von 1220 bis mindesten 1240 die Reichsklein­odien auf der Burg aufbewahrt, ehe sie auf den Trifels kamen. Repliken der Heiligen Lanze und des Reichsapfels sind in der Burgkapelle zu sehen.

Dem Truchsessenamt ihrer Herren ist auch der gute Erhaltungszustand der Burg zu verdanken. Denn für die Verpflichtungen, die damit verbunden waren, wurde sie schnell zu klein. Die Truchsessen behalfen sich mit einem größeren Haus in Wolfegg. So war die Waldburg zum Beispiel zu Zeiten des 30-jährigen Krieges unbewohnt und leer. Und weil da nichts zu holen war, war sie für schwedische und andere Truppen uninteressant, keines mühevollen Angriffs wert.

Bei einer stimmgewaltigen Führung sah man vielen der Herren ins Antlitz, vorweg Georg III. von Waldburg, dem „Bauernjörg“, der den Bauernkrieg 1525 auf seine Art beendete.

Ein weiterer Höhepunkt war die Kopie der einzigen noch verbliebenen und auf der Waldburg gefundenen ersten Weltkarte, auf der Amerika abgebildet ist, und zwar mit der Bezeichnung „Amerika“. Damals wurde fälschlicherweise die Entdeckung diese Erdteils Amerigo Vespucci zugeschrieben – daher bis heute der Name. Das Original der Karte wurde vor knapp 20 Jahren in die USA verkauft und ist dort unentgeltlich (Verkaufsbedingung) zu besichtigen, was jährlich zwei Millionen Besucher tun.

Zum Schluss der Führung wurden im obersten Stockwerk der Burg die Fenster geöffnet. Bei fantastischer Fernsicht lag nach der einen Seite hin die Schwäbische Alb, zur zweiten Seite hin der Bodensee, dahinter die Schweizer Berge, darüber ein Zeppelin, zur dritten Seite hin die Österreichischen Berge. Und am Abend wurde die Sicht von Minute zu Minute klarer – bis bei der Abfahrt dann alles gestochen scharf bewundert werden konnte.

Meter hoch liegt die Waldburg. Im Heiligen Römischen Reich hatte sie einen besonderen Stellenwert, die Herren der Burg waren die Truchsesse des Reiches.

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