"Wir tun, was wir können"

In Neuhausen herrschte vor den Sommerferien viel Unmut über die Sperrungen und die große Baustelle an der Salonkreuzung. Sorgen machen sich zudem die Einzelhändler und der Supermarkt um ihre Zukunft. Wir sprachen mit Ortsvorsteherin Lilli Reusch über den derzeitigen Zustand in dem Metzinger Stadtteil.

|

Frau Reusch, wie haben Sie die letzten Wochen, vor allem die Zeit vor den Sommerferien erlebt?
LILLI REUSCH: Wir haben im Vorfeld der Baustelle unglaublich viel informiert, haben mit den Leuten gesprochen und gesagt, weshalb eine Vollsperrung absolut notwendig ist. Aber als es soweit war und die Baustelle eingerichtet wurde, haben wir doch viel Ärger und viel Frust abbekommen. Das Schlimmste war, als dann auch noch die Noyon-Allee in Metzingen gesperrt war. Wir konnten nichts dafür, haben aber den ganzen Frust abbekommen.

Das Thema halbseitige Sperrung ist abgehakt?
REUSCH: Über eine Teilsperrung wurde sehr lange und sehr kontrovers diskutiert. Die Baustelle würde sich in die Länge ziehen. Übrigens würde eine halbseitige Sperrung dem Einzelhandel gar nichts nützen, weil erfahrungsgemäß Autofahrer an einer Baustelle eben nicht halten.

Wie geht es denn den Einzelhändlern in der Neuhäuser Ortsmitte?
REUSCH: Die Einzelhändler sind enorm besorgt. Der Nahkauf hat ganz große Probleme. Wir tun was wir können, um zu helfen. So wurde zum Beispiel am Rathaus ein Einkaufswagendepot eingerichtet, damit die Leute dort ihre Autos parken können. Es würde mich unheimlich treffen, wenn einer der Einzelhändler die Bauzeit nicht durchhalten würde. Die Situation der Einzelhändler ist eine ganz große Sorge für uns.

Hat sich nach der ersten Protestwelle die Lage jetzt etwas beruhigt?
REUSCH: Im Moment schon, aber ich befürchte, dass mit Ende der Sommerferien wieder eine neue Beschwerdewelle auf uns zukommt. Dabei muss man doch sehen, dass die Bauarbeiten absolut notwendig sind. Die Brücke war marode und musste schon aus Sicherheitsgründen erneuert werden. Und wir wollen zum zweiten doch eine schöne Ortsmitte haben.

Macht es Ihnen noch Spaß als Ortsvorsteherin?
REUSCH: Ja klar, auf jeden Fall. Und dennoch hat man auch Zeiten, die schwer sind. Im vergangenen Sommer wurden Neuhausen die vielen Flüchtlinge zugewiesen. Es war ein riesiger Einsatz, ein riesiger Kraftakt und wir haben alles mit so vielen ehrenamtlichen Helfern wunderbar hingekriegt. Aber das alles war ein Klacks gegen das, was wir jetzt mit der Baustelle erlebt haben.

Dabei sollte man doch die positiven Aspekte einer neuen Ortsmitte hervorheben...
REUSCH: So ist es. Wir können nach den Bauarbeiten aus dieser Ortsmitte wirklich etwas machen. Das ganze Gebiet rund um die Salonkreuzung wird nach dem Umbau eine hohe Aufenthaltsqualität aufweisen, dort werden Begegnungen stattfinden. So, wie es ja bereits jetzt schon ist. Der persönliche Kontakt ist gerade in einer anonymer werdenden Welt so wichtig. Und wenn ich in Neuhausen unterwegs bin sehe ich, wie viele Leute ein Schwätzchen halten. Das ist es doch, was die Qualität von Neuhausen ausmacht. Ich bin überzeugt, dass es nach Ende der Bauarbeiten ein neu erlebbares Stück Neuhausen geben wird.

Welche Themen werden denn die Ortschaftsräte in den nächsten Monaten beschäftigen, abgesehen von der Baustelle an der Salonkreuzung?
REUSCH: Wir müssen einen Konsens finden, wie es mit dem Rathaus weitergehen soll. 2018 wird das Notariat wegfallen, nur die Verwaltungsstelle wird bleiben. Wie können dann die leeren Räume im Rathaus genutzt werden? Mit dieser Frage werden wir uns beschäftigen müssen. Es gab ja bereits Vorschläge seitens der Verwaltung, so zum Beispiel die Einrichtung eines Cafés und die Schaffung neuer Räume für die Diakonie-Sozialstation (Wir haben darüber berichtet, Anm.d.Red.). Aber wir werden als Ortschaftsrat dem Gemeinderat eine Empfehlung abgeben und der Gemeinderat wird mit Sicherheit die richtige Entscheidung treffen.

Hoffentlich im Einvernehmen mit den Neuhäuser Räten...
REUSCH: Da bin ich mir sicher.

Neuhausen wächst durch die vielen Baugebiete und hat inzwischen rund 4500 Einwohner. Da wird es eine große Aufgabe der Zukunft sein, die Infrastruktur zu erhalten und sogar auszubauen. Das dürfte nicht ganz einfach sein.
REUSCH: Genau dies wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Bei der Kinderbetreuung sind wir gut aufgestellt. Ein Ärztehaus wäre jedoch wichtig für Neuhausen. Die ärztliche Versorgung muss aufrecht erhalten bleiben. Das ist gar nicht so einfach, es sollte heute alles barrierefrei sein. Außerdem mache ich mir Gedanken über eine Ortskernsanierung III.

Gibt es ein Thema, das für Sie persönlich wichtig ist?
REUSCH: Ja. In Neuhausen sollte es ein Wohnen für Ältere geben, sei es ein Mehrgenerationenhaus oder ähnliches. Aber natürlich bräuchten wir dazu erst einmal ein Grundstück im Ort oder einen geeigneten Standort, um ein solches Projekt zu verwirklichen.

Obwohl Neuhausen zu Metzingen gehört, hat es doch ein ganz eigenes Dorf- und Vereinsleben. Kann dies auf Dauer aufrecht erhalten werden?
REUSCH: Davon bin ich überzeugt. Auch wenn natürlich jeder Verein kämpfen muss, um Engagierte und Ehrenamtliche zu motivieren. Die Situation ist heutzutage für alle Vereine wesentlich schwieriger als noch vor Jahrzehnten. Aber ich bin überzeugt, dass unsere Vereine in Neuhausen auch in der Zukunft gut aufgestellt sind.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Weitere Vollsperrung auf der Bundesstraße 28

Autofahrer müssen sich weiter in Geduld üben: Zwischen Bad Urach und Böhringen wird gebaut. Die B 28 wird daher neben der Sperrung bei Neuhausen auch auf der Steige voll gesperrt werden. weiter lesen