„Warum wir, warum nicht andere?“

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In der Uhlandschule gibt es nur noch zwei vierte Klassen.  Foto: 

Aus bislang drei vierten Klassen sind an der Uhlandschule in Neuhausen zwei geworden. Die Zusammenlegung und die damit einhergehende Zunahme der Schülerzahl pro Klasse ist eine Reaktion des Schulamts auf die derzeit angespannte Unterrichtsversorgung im Land. Weil an der Silcher-Schule in Sickenhausen Lehrer fehlen, hat die Uhlandschule eine Kollegin nach dorthin abgeben müssen, wie die Schulleiterin der Uhlandschule, Ulrike Kuhn, auf Anfrage bestätigt.

Große Begeisterung herrscht bei den Eltern der von der Klassenzusammenlegung betroffenen Schülern nicht. Ausgerechnet die vierten Klassen betrifft es, was allein schon deswegen als heikel angesehen wird, weil in diesem letzten Grundschuljahr die Weichen für den weiteren Bildungsweg der Kinder gestellt werden. „Warum ausgerechnet wir, warum nicht eine andere Schule?“ Das ist die Frage, die sich die Eltern derzeit stellen.

Antworten haben sie am Mittwoch während eines Informationsabends an der Schule erhalten. Als ein Grund führt das Schulamt die zum Schuljahresbeginn vorherrschende Überversorgung an, wie auch Ulrike Kuhn bestätigt: 55 Kinder konnten auf drei Klassen verteilt werden, weswegen der Klassenteiler bei unter 20 lag, die Obergrenze aber 28 beträgt. „Ab dem 29. Kind wird geteilt“, sagt Ulrike Kuhn, und wer jetzt nachrechnet, erkennt, dass zwei Uhlandschüler mehr die Klassenteilung hätten abwenden können.

Zu Beginn des Schuljahres war das noch der Fall, doch zwei Kinder sind mit ihren Familien weggezogen, weswegen jetzt die Silcher-Schule in Sickenhausen eine Lehrerin mehr hat. „Mit der Entscheidung sind unsere Eltern natürlich nicht zufrieden“, sagt Ulrike Kuhn, kann ihrerseits damit aber gut leben: „Bislang hatten wir es halt sehr komfortabel.“ Der geschäftsführende Schulleiter in Metzingen, Jürgen Grund (Rektor der Schönbein-Realschule), sieht es ebenfalls pragmatisch. „Das Schulamt ist dazu verpflichtet, die Versorgungslage stabil zu halten und muss im Zweifel Prioritäten setzen.“ Die tendenziell angespannte Lage im Land spiegele sich allerdings nicht in Metzingen wider. Zwar gibt es naturgemäß an allen Schulen krankheitsbedingte Ausfälle von Lehrern, aber in der Regel führen die nicht zu Unterrichtsausfällen, weil Kollegen einspringen.

Oft sind diese Vertretungsregelungen nicht ideal, denn ein Chemielehrer kann den Ausfall einer Englischlehrerin nicht eins zu eins ersetzen und umgekehrt, aber es ist allemal besser, als die Schüler in einer Hohlstunde sich selbst zu überlassen.

Um in solchen Situationen einen gewissen Handlungsspielraum zu haben, kalkulieren größere Schulen Krankheitsvertretungen mit ein, wenn sie den Personalbedarf fürs kommende Schuljahr planen.

Das können Lehrer im tarifvertraglich geregelten Angestelltenverhältnis sein, die noch ganz am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen und die noch nicht als Lehrer einer bestimmten Stammschule zugewiesen wurden.

Die sind nicht zu beneiden, denn ihr Deputat geht bis zum Schuljahresende, ihr neues beginnt aber erst mit dem neuen Schuljahr wieder. Während der Ferien verdienen sie also nichts. Die zweite Gruppe der Krankheitsvertretungen übernehmen verbeamtete Lehrer mit Stammschule, deren Deputat zu einem bestimmten Prozentsatz die Krankheitsvertretung vorsieht. Solche Lehrer müssen nicht zwangsläufig nur an der eigenen Schule erkrankte Kollegen vertreten.

Jürgen Grund hat Verständnis für den Unmut der von der Zusammenlegung in Neuhausen betroffenen Eltern. Andererseits, sagt er, ist es doch aber auch so: „Wenn mal viel Unterricht ausfällt, nimmt man gerne das Schulamt in die Pflicht und fordert, dass die jemanden schicken.“ Das allerdings sei wesentlich komplexer, als gemeinhin gedacht wird. Und für die Silcher-Schule in Sickenhausen ist die Entscheidung des Schulamts ein Gewinn.

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