"Unzumutbare" Avantgarde

Mit der Schau "Beuys, Warhol, Polke & Co." blickt die Kunsthalle ein zweites Mal auf ihre 40-jährige Geschichte zurück. Der ehemalige Leiter Götz Adriani bekam zum Start die Ehrenbürgerwürde verliehen.

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Sie wurden als "Narrenstreiche" betitelt und ihretwegen formierte sich sogar eine "Bürgerinitiative gegen den Missbrauch der Kunsthalle", berichtet der geschäftsführende Kurator Daniel J. Schreiber. In den 1970er Jahren fühlte sich so mancher Tübinger von Götz Adriani und seiner eher avantgardistischen Künstlerauswahl "verkohlt", die Besucher blieben aus.

Die Künstler hießen unter anderem Joseph Beuys, Andy Warhol, Sigmar Polke und Robert Rauschenberg. Die Künstler hätten es damals schwer gehabt, weiß Adriani. Er auch. "Ich wurde in der Presse zerrissen." Man solle die Kunsthalle schließen, hieß es damals, da Adriani den Tübingern "Unzumutbares zumutet".

"Aus heutiger Sicht stellt sich natürlich vieles anders dar", so Schreiber. Mittlerweile hat sich die Kunsthalle in 40 Jahren zu einer wichtigen Adresse für Kunst der Moderne und zeitgenössischer Kunst etabliert - gern im steten Wechsel. Die Tübinger scheinen sich dessen heute bewusst zu sein, wurde Götz Adriani doch mit Eröffnung der Ausstellung "Beuys, Warhol, Polke & Co." zum Ehrenbürger ernannt.

Die Ausstellung widmet sich mit einem ungewöhnlichen Blick als zweite Jubiläumsschau im 40. Kunsthallenjahr Zeitgenossen aus der Ära des Gründungsdirektors. "In einer Form, die es nur selten gab", so Adriani, der stets die Qualität vor die Quantität stellte, wie Schreiber seine Arbeit beschreibt.

90 Werke von 13 Künstlern, aus Privatsammlungen und von Institutionen wie Museum Burda, Daimler AG, Nationalgalerie oder aus der Sammlung Zundel der Kunsthalle liefern eine lebendige, abwechslungsreiche Schau mit Bekanntem und Neuentdecktem.

"Bestimmendes Element ist die Gegenüberstellung deutscher und amerikanischer Positionen", so Schreiber. Allen voran "der soziale Plastiker" Joseph Beuys mit 17 Arbeiten auf Papier aus 30 Jahren, sowie sein amerikanischer Gegenspieler Andy Warhol mit 27 Werken aus den Jahren 1953 bis 1986. Da dürfen natürlich seine Eyecatcher "Campell"s Soup Can" und "Six Self-Portraits" nicht fehlen.

Sigmar Polke, der im vergangenen Jahr starb, dominiert mit seinen vorwiegend großformatigen Arbeiten die Ausstellung. Zehn seiner Bilder waren auch Teil der ersten Retrospektive, die ihm 1976 in der Kunsthalle gewidmet wurde. Weiter sind die Pop-Art-Künstler Claes Oldenburg und Robert Rauschenberg sowie der Konzeptkünstler Bruce Naumann mit Werken vertreten, mit einer Zeichnung der deutsche Nachkriegssurrealist Konrad Klapheck. Sie gelten als Begründer der konzeptuellen Fotografie, Bernd und Hilla Becher und ihre "Förderturm"-Arbeiten.

Gezeigt wird außerdem eine serielle Arbeit des jung verstorbenen, von der Pop-Art inspirierten Konzeptkünstlers Peter Roehr. Vom Prozesskünstler Franz Erhard Walther, der sich im April unter dem Motto "Protest, Provokation, Revolution" einem Gespräch mit Christian Jankowski stellte, liegen ein Handlungsbuch und vier Körperformen aus Stoff aus. Komplettiert wird die Schau mit Werken von Anselm Kiefer, Piero Manzoni und Richard Hamilton.

Info Die Ausstellung "Beuys, Warhol, Polke & Co." in der Kunsthalle Tübingen, Philosophenweg 76, läuft noch bis zum 10. Juni und ist jeweils mittwochs bis sonntags von 10 bis 28 Uhr, dienstags bis 19 Uhr zu sehen. Sie wird begleitet von einem umfangreichen Programm mit Sonderführungen, Vorträgen und Künstlergesprächen.

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