"Seriös und immer gepflegt"

21 aufgeweckte Verwaltungs-Azubis im Workshop, im Landtag und an der Börse. Azubi-Workshop für den Rathaus-Nachwuchs erreicht im zweiten Jahr Kultstatus unter den Teilnehmern: "Das könnte man vertiefen".

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Exakt 21 Teilnehmer zählte der zweite Workshop für Verwaltungs-Azubis aus dem Ermstal und von der Alb im Dettinger Bürgerhaus.  Foto: 

Jeans oder Sakko? - Keine einfache Frage für einen Verwaltungs-Azubi im ersten Lehrjahr. Die passende Kleidung gehört beim Nachwuchs der Kommunalverwaltungen in Bad Urach, Dettingen, Grafenberg, Hohenstein, Hülben, Metzingen, Münsingen, St. Johann und Trochtelfingen eindeutig zum Wohlfühlfaktor beim Bürgerkontakt. Für die Erfahreneren ist sie „seriös, und immer gepflegt“. Im zweiten Jahr hatten Personal- und Hauptamt in Dettingen die Alb- und Ermstal-Azubis zum Workshop im Bürgerhaus am Anger versammelt: Keine großen Reden. Kein Frontalunterricht. Die knapp vier Stunden Seminar am Dienstagnachmittag waren gespickt mit Tipps, tausend Fragen, vielen Erfahrungen, Meinungsaustausch und der Vorfreude auf ein ganz besonderes Highlight.

Am heutigen Donnerstag erleben die 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Stuttgart Landespolitik hautnah. Der CDU-Wahlkreisabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm stellt sich den Fragen der Azubis. Die Gruppe soll mit eigenen Themen eine moderierte Landtags-Debatte simulieren. „Ein Blick über den Tellerrand hinaus“, erklärt Volker Brodbeck, Personalleiter im Dettinger Rathaus, „die Azubis sehen, wo die Gesetzte gemacht werden, mit denen wir es tagtäglich zu tun haben.“

Im Handumdrehen füllte sich die Pinnwand zur Vorbereitung der Exkursion mit Fragen: „Wie wird man Abgeordneter und was hat man da zu tun?“ Aber auch: „Ist die Abspaltung der AfD problematisch für den Landtag? Warum werden die immer stärker?“ Fragen zur Flüchtlings-Thematik und solche zur eigenen Situation: „Ist mein Arbeitsplatz gesichert? Wie werden Ausbildung und Bildung vom Landtag gefördert?“ Der Schwenk in den beruflichen Alltag: „Wie reagiert der Landtag auf hohe Mieten und fehlende Bauplätze?“ Als Sahnehäubchen obendrauf besuchen die angehenden Verwaltungsfachangestellten heute Nachmittag die Stuttgarter Börse. „Was ist das überhaupt, eine Börse?“ Fragt Workshop-Managerin Lisa Uebele in die Runde. Die ersten Antworten kommen zaghaft. Die wenigsten wissen, dass Stuttgart mit seinen vielen Privatanlegern einer der bedeutendsten Finanzplätze Deutschlands ist. „Handel und Finanzströme passen prima in die Ausbildung“, erklärt Volker Brodbeck, „ein Thema, an dem man im Verwaltungsalltag ganz nah dran ist“.

„Ganz nah dran“ war auch der Workshops im Bürgerhaus am Anger: Die Köpfe der 21 Azubis rauchten, die Jugendlichen waren parat und bei der Sache, egal ob es um die Kommunikation mit dem Bürger ging oder wie man am besten durch die Prüfungen navigiert. Der zweite zentrale Azubi-Workshop im Ermstal war ganz gezielt als Netzwerk-Plattform angelegt. Das eindeutige Feedback der Teilnehmer: „Man könnte gut und gerne einen ganzen Tag daraus machen, die Themen vertiefen und noch mehr ins Gespräch kommen“.

Lea Kurbjuhn, Azubi im dritten Lehrjahr aus Hülben war „super begeistert, wie gut das alles organisiert ist und wie sehr sich die Seminarleiter in unsere Situation hinein versetzen“. Eine Veranstaltung mit Folgen, erzählte Lea : „Im letzten Jahr war beim Feedback ein Azubi-Ausflug gewünscht. Das wurde gleich umgesetzt. Unsere Hauptamtsleiter treffen sich zweimal im Jahr und tauschen sich aus. Die Ergebnisse aus dem Workshop werden gut angenommen.“

„Unter Azubis ist es immer anders als am Arbeitsplatz“, erklärt Franziska Zehender (zweites Lehrjahr, Verwaltung Grafenberg), „man kann sich die Themen erarbeiten und offen Fragen stellen.“ Und in diesem Jahr wurde viel gefragt, hatte Ann-Kathrin Gross (zweites Lehrjahr in Dettingen) den Eindruck. Auf den Ausflug in den Landtag war die junge Verwaltungs-Aspirantin besonders gespannt: „Politik ist schon wichtig. Bei uns wird erwartet, dass wir die Sitzungsformen einmal komplett durchlaufen. Im nächsten Jahr ist vorgesehen, dass wir ein Projekt komplett begleiten.“ Wie das aussehen könnte: etwa der Werdegang vom Flächennutzungsplan über den Bebauungsplan bis zur Genehmigung des Einfamilienhauses. Ein zentrales Thema am Arbeitsplatz sind für Jessica Voigt (zweites Lehrjahr, Rathaus Bad Urach) die Flüchtlinge: „Da ist richtig viel los: Auszahlungen, Anschlussunterbringungen, Bürgeranliegen …“

Die vier Azubis sprechen an, was so manchem ihrer KollegInnen unter den Nägeln brennt: Fortbildungsmöglichkeiten und die Übernahme. „Man sollte mehr aufs Menschliche achten, wie sich der Azubi entwickelt“, meint Ann-Kathrin Gross, „das Berufsfeld ist so vielschichtig, man kann mit der Ausbildung alles machen: im Bürgeramt mit viel Kundenkontakt oder nur am Schreibtisch, wem das besser zusagt.“

Die guten Nachrichten kommen auf Nachfrage von Personalchef Volker Brodbeck: „Wir haben in der Verwaltung momentan einen Bewerbermarkt mit sehr guten Chancen für Auszubildende wie Studienabsolventen, insbesondere im Finanzbereich. Dort bekommt man vom Fleck weg Angebote in der End-Besoldungsstufe im gehobenen Dienst. Ich persönlich schätze es sehr, wenn Jugendliche aus eigenem Interesse ins Praktikum kommen“ - „Selbst in jungem Alter gibt es die Gelegenheit, Führungspositionen zu übernehmen“, erklärt Lisa Uebele. Die gebürtige Dettingerin absolviert derzeit im Rahmen ihres Bachelor-Studiums zum „Public Manager“ (früher Diplom-Verwaltungswirt) in Ludwigsburg ein viermonatiges Praxissemester im Rathaus ihrer Heimatstadt. Der diesjährige Azubi-Workshop war ihr Baby. Der direkte Draht zu den jugendlichen Teilnehmern an allen Ecken zu spüren.

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