Wo Töne aufblitzen

Metzingen.  Professor Otto Sauter, Startrompeter und künstlerischer Leiter des Wartburgfestivals, und Matthieu Carrière gastierten dieser Tage in der Martinskirche.

Viele Metzinger kennen ihn von seinen Auftritten in den vergangenen neun Jahren, viele lieben ihn und seine Kunst, und viele kamen auch in diesem Jahr wieder zu seinem Konzert zwischen den Jahren. Hatte er im vergangenen Jahr den Schauspieler Michael Mendel mitgebracht, so war es diesmal der von nicht weniger als 70 Filmen und 30 Fernsehproduktionen bekannte Schauspieler Mathieu Carrière, der den literarischen Teil des Konzertes in der Martinskirche übernommen hatte. Ganz klar, die Rede ist von Professor Otto Sauter.

Das Programm, durch das Gerhard Laib mit besinnlichen und einfühlsamen Worten führte, begann mit dem dreisätzigen Concertino G-Dur für Trompete und Orgel von Antonio Vivaldi. Otto Sauter brillierte schon im ersten Satz mit einem wahren Feuerwerk, das er aus seiner Piccolo-Trompete zauberte. Da blitzten die Töne wie strahlende Sterne auf, wieder und wieder trat aus seinem Spiel ein innerer Glutkern zutage, und von diesem, seinem Spiel ging eine so starke Leuchtkraft aus, dass es die Zuhörer in ihrem Innersten traf.

Nach einem von Mathieu Carrière vorgetragenen Gedicht des Lyrikers Friedrich Hölderlin erklang Präludium und Fuge BWV 532 von Johann Sebastian Bach, an der Orgel wunderschön gespielt von Christian Schmitt; da ging es die D-Dur-Tonleiter hinauf zu den drei Tonika-Akkorden und in der Fuge mit der vier Mal gleichen Figur und ihrer Durchführung wogte alles wie ein Ährenfeld im Sommerwind.

Bevor Trompeter und Organist die Sonate B-Dur für Trompete und Orgel von Georg Philipp Telemann zu Gehör brachten, las Carriére eine Geschichte von Heinrich von Kleist, die er auch im zweiten Teil des Konzertes fortsetzte.

In diesem zweiten Teil mit dem Konzert für Trompete und Orgel von Tomaso Albinoni stiegen die beiden Interpreten ganz weit auf den Olymp der Barock-Musik hinauf, wobei vor allem der in der Molltonart beginnende langsame Satz bestach, gefühlvoll und dennoch mit voller Kraft und fesselnder Musikalität vorgetragen, als schwebte die verlorene Feder eines farbenprächtigen Vogels leicht und sanft durch die Lüfte. Auf ganz eigenartige Weise verschmolzen die beiden Instrumente miteinander.

Einen Höhepunkt stellte auch die von Christian Schmitt gespielte Fantasie und Fuge von Franz Liszt über die Töne B.A.C.H. dar, beginnend mit den vier ostinaten Tönen in den Pedalen, dann viel Chromatik, geballten Akkorden und vor Kraft strotzenden Bögen.

Zum Schluss trugen alle drei Künstler aus dem Stundenbuch von Rainer Maria Rilke das erste Gedicht "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" vor, und konnten sich dabei des Beifalls der Zuhörer gewiss sein. Man darf jetzt schon auf das Konzert am Ende dieses Jahres gespannt sein.

Der Erlös dieses Benefizkonzert ist für das Ferientagheim gedacht.


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Autor: MANFRED FRISCHKNECHT | 03.01.2012

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