Unterwanderung in Filzpantoffeln
Metzingen. Er ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er deckt die Aktivitäten islamischer Netzwerke auf und informiert über deren Ziele. Peter Mokwa, profunder Kenner in Sachen Islam, war zu Gast in der VHS.
Man hätte diesem Vortrag viel mehr Zuhörer gewünscht, auch wenn sogar aus Tübingen und Singen Besucher angereist waren, um den Referenten zu hören und mitzudiskutieren. Denn Peter Mokwa, Politologe und Historiker aus Ludwigsburg, recherchiert nicht nur seit Jahrzehnten über islamische Netzwerke, Gruppierungen und Moscheevereine in Deutschland, sondern präsentiert seine Erkenntnisse auch ohne Furcht. Dabei ist Mokwa immer wieder Anfeindungen während seiner Veranstaltungen oder Denunziationen beim Veranstalter ausgesetzt. "Meine Ausführungen sind nicht immer wohlgelitten."
Kein Wunder, denn kaum ein Thema ist seit Jahren so umstritten wie "Islam und Islamismus", so der Titel der Veranstaltung im Haus der VHS. Mokwa ist Referent an Volkshochschulen, bei der Bundeszentrale für politische Bildung und hält auch Vorträge bei der Bundeswehr. "Schon vor 20 Jahren habe ich aufgezeigt, dass sich da etwas zusammenbraut", sagt Mokwa. Und zusammengebraut hat sich inzwischen einiges. Denn zahlreiche extremistische islamische Gruppierungen von den Muslimbrüdern bis zu der türkischen Milli Görüs agieren in Deutschland und versuchen, ihren Machtbereich auszubauen. Zwar beobachtet vom Verfassungsschutz, andererseits aber das demokratische System ausnutzend, werden umfassende islamische und nationalistische Netzwerke aufgebaut. Berühmte Beispiele, wie der einstige "Kalif von Köln", sind laut Mokwa nur die Spitze eines Eisbergs. Inzwischen unterhält allein Milli Görüs in Deutschland 300 Moscheen und der führende Islamist in Deutschland, Ibrahim el-Zayat, Chef der Islamischen Gemeinschaft Deutschland (IGD), tauchte einst sogar als Gast bei der deutschen Islamkonferenz auf und verdeutlichte damit seinen Machtanspruch.
Es gehe um Re-Islamisierung und um Re-Türkisierung. Daran ließ vor wenigen Tagen auch der türkische Ministerpräsident Erdogan bei einem Auftritt vor zigtausenden seiner Anhänger in Düsseldorf keinen Zweifel. Nicht nur, dass er sich in die deutsche Integrationspolitik eingemischt habe, "er zeigte auch deutlich, was er unter Integration versteht", so Mokwa. Schließlich habe Erdogan in der säkularen Türkei selbst vorgemacht, wie man durch Unterwanderung eine Re-Islamisierung vorantreibe, "sozusagen in Filzpantoffeln". Zielgruppe dieser Politik seien zuvorderst die türkischen Muslime hier im Land, die sich auf Islam und Nationalismus rückbesinnen sollen, sagt Mokwa. Und er ist sich sicher: "Erdogan hat das Patronat auch über Milli Görüs in Deutschland."
Mokwa, der sich als Schüler des bekannten Politikwissenschaftlers Bassam Tibi bezeichnet, ging in seinem Vortrag zurück in die Historie, zeichnete die Gründung der Muslimbrüder in Ägypten als direkte Folge der Atatürkschen Säkularisierung der Türkei, präsentierte das Gedankengut der drei Hauptideologen des Islamismus Al-Banna, Qutb und Maududi und ging auch auf die engen Kontakte der Nazis zu muslimischen Führern ein.
Der Islam habe bereits in den 30er Jahren in Deutschland Fuß gefasst. Schließlich habe der Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, als persönlicher Gast Hitlers seit 1941 in Berlin residiert. Laut Historikern war Husseini in zahlreiche Pläne Hitlers eingeweiht und drängte vor allem auf die völlige Vernichtung der Juden auch in Palästina, wo Husseini einen Staat ohne Juden gründen wollte. Hitler und viele Nazis waren begeistert vom Islam. Etliche Nazi-Funktionäre stellten sich nach ihrer Flucht aus dem besiegten Nazi-Deutschland in den Dienst arabischer Staaten, um ab 1948 den neu entstandenen Staat Israel zu bekämpfen. "Hitler war der bekannteste Islamophile. Und das gilt für alle Nazis bis heute."
Laut Mokwa geht es heute nicht nur um kleine Splittergruppen, die extremistisches Gedankengut verbreiten. Denn islamische Organisationen wie Milli Görüs seien meist Massenbewegungen, die über soziale Strukturen und ein weit verzweigtes Netz von Unternehmen und Vereinen verfügen. "Der Islamismus ist ein Massenphänomen." Und laut Mokwa würde das Gedankengut, das in fast allen Moscheen in Deutschland verbreitet werde, ausreichen, um diese wegen Verfassungswidrigkeit zu schließen. "Schauen Sie einfach mal, welche Bücher in einer Moschee auf dem Büchertisch liegen."
Heftige Kritik übte das einstige FDP-Mitglied Mokwa an dem Umgang von Behörden mit dem Islamismus. Und auf die Frage einer Zuhörerin, wieso denn nicht gehandelt werde, wenn der Verfassungsschutz ganz offensichtlich entsprechende Erkenntnisse gesammelt habe, antwortete Mokwa gelassen: "Das müssen Sie den Innenminister fragen."
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Autor: CAROLA EISSLER | 03.03.2011
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Peter Mokwa sprach bei der VHS über "Islam und Islamismus"
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