Stuttgarter Einblicke
Metzingen. Die S-Bahn-Wanderungen der Ortsgruppe Metzingen des Schwäbischen Albvereins gehören mit zu den beliebtesten Veranstaltungen. Auch dieses Mal waren wieder 60 Teilnehmer mit von der Partie.
Die Fahrt führte zunächst nach Bad Cannstatt, den größten und ältesten Stadtbezirk Stuttgarts. Beim Gang durch die Altstadt erfuhr man, dass sich bereits vor Jahrtausenden steinzeitliche Jäger, Kelten, Römer und Alemannen niedergelassen hatten. Der Wasen ist sicher seit der Stiftung des Cannstatter Volksfests durch König Wilhelm I. und seine Gemahlin Katharina im Jahr 1818 ein Begriff und heute ist dort mehr los als je zuvor. Wer Cannstatt hört, denkt an den Botanisch-Zoologischen Garten Wilhelma (erbaut 1842 bis 1853) und das Schloss Rosenstein (1830), aber auch an seine 19 Mineralwasserquellen, denen das "Bad" im Ortsnamen zu verdanken ist. Viele auch heute noch denkwürdige Ereignisse sind mit Cannstatt verbunden: 1713 Einweihung des Neckarhafens durch Herzog Eberhard Ludwig, 1845 fuhr die erste württembergische Eisenbahn von Cannstatt nach Untertürkheim und dank Gottlieb Daimler ist Cannstatt der Geburtsort von Motorrad (1885) und Automobil (1886).
Weiter ging es über den Neckar und mit der Straßenbahn nach Neckargröningen Remseck. Am Neckar entlang - auf dem Neckarweg - führte der Weg der Rems entgegen. Die aufmerksamen Wanderer erhielten Informationen über die Stadt Remseck, die erst 1975 aus sechs Ortsteilen entstand und mit der Einwohnerzahl Metzingen vergleichbar ist. Dazu gehört Pattonville, das bis zum Abzug der Alliierten 1993 eine rein amerikanische Siedlung war. Das Gelände hat lange militärische Traditionen und war ein alter königlich-württembergischer Exerzierplatz.
Nach einer schönen Aussicht ins Neckartal wanderten die Teilnehmer am Waldrand des Hardt und gelangten auch zur staatlichen Domäne Tennhof, einer Außenstelle der Wilhelma. In dieser speziellen Aufzuchtstation sind hinter hohen Hecken die Sorgenkinder der Wilhelma untergebracht. Bedrohte Tierarten wie zum Beispiel das Mesopotamische Damwild, das in seinem natürlichen Lebensraum längst ausgestorben ist, werden hier erhalten.
Über Fellbach-Oeffingen, eine ehemals alemannische Siedlung und Freigut der württembergischen Grafen mit interessanter Geschichte wurde die Burgruine Hofen erreicht. Das ist die größte auf Stuttgarter Gebiet erhaltene Burganlage mit hochragenden Mauerresten, die um 1260 von den württembergischen Grafen neben dem bestehenden Dorf Hofen erbaut wurde.
Am rechten Neckarufer erreichten die Wanderer den Max-Eyth-See, der künstlich angelegt wurde und zusammen mit seinem großzügigen Umfeld eines der beliebtesten Stuttgarter Naherholungsgebiete darstellt. Inzwischen ist die naturbelassene und geschützte Uferlandschaft Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen inmitten der Stadt geworden.
Nach abermaliger Querung des Neckars wurde über und durch Weinberge Freiberg erreicht und die letzte Strecke wieder mit der Bahn zurückgelegt, um dann in einer gemütlichen Besenwirtschaft in Stammheim den Tag ausklingen zu lassen. Die Wanderer stellten zufrieden fest, dass sie bei fast schönem Wetter eine interessante Gegend kennen gelernt haben, in die sie ohne die umsichtige Organisation der Wanderführer Wilhelm Mändle und Frieder Feucht nicht gekommen wären.
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20.03.2010
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Während ihrer S-Bahn-Wanderung kamen die Albvereinsmitglieder auch an der Burgruine Hofen vorbei. Foto: Privat
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