Romantik is dead! Saisonstart am Zimmertheater
Die Saison 2010/11 am Zimmertheater Tübingen beginnt mit dem Doppelabend: "Romantik is dead!" Ein Gespräch dazu mit Regisseur Christian Schäfer.
NINA SCHMULIUS: "Romantik is dead!" Was verbirgt sich hinter diesem Schlachtruf?
CHRISTIAN SCHÄFER: Unter diesem Titel spielen wir an einem Abend zwei Stücke, die sich in verschiedenen Epochen mit den unterschiedlichsten Facetten des Themas Romantik auseinandersetzen: "Zastrozzi" vom kanadischen Erfolgsdramatiker George F. Walker und "Die Lieb-Haberin" von Joachim Zelter. Beides sind Romanadaptionen. Die Vorlage zu "Zastrozzi" lieferte Anfang des 19. Jahrhunderts der britische Romantiker Percy Bysshe Shelley, der übrigens mit Mary Shelley, der Autorin des "Frankenstein" verheiratet war, mit seinem gleichnamigen Schauerroman. Allerdings hat Walker den Roman Shelleys nur als Impuls benutzt. Herausgekommen ist ein schaurig-schöner und von Mantel- und Degen-Filmen inspirierter ironisch-grotesker Krimi.
"Die Lieb-Haberin" ist ein Stück im eher nüchternen Gegenwartston - wie passt das zusammen?
CHRISTIAN SCHÄFER: "Die Lieb-Haberin" von Joachim Zelter beschreibt ein Dilemma der Liebe: Was soll man machen, wenn die geliebte Person unerreichbar ist, sich aber eine andere Person aus Liebe der eigenen Biografie bemächtigt? Hier drängen sich die alten Motive der Romantik geradezu in das Werk hinein und man kann beobachten, was aus ihnen im Heute wird. Man kann es entweder als sich fortschreibenden Prozess oder als Gegenstück sehen.
Ist die Romantik denn so tot?
CHRISTIAN SCHÄFER: Uns geht es ja nicht allein um die Motive der literarischen und künstlerischen Epoche. Wir wollen auch das Romantische oder das, was jeder von uns darunter versteht, hinterfragen. Deswegen haben wir ja das deutsche Wort "Romantik" im ansonsten englischen Satz gewählt. Aber inwiefern unser Leben "romantisch" ist, muss jeder selbst beantworten.
Der Abend feierte bereits im Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen Premiere. Wie lösen Sie das jetzt auf der im Vergleich dazu eher kleinen Zimmertheaterbühne?
CHRISTIAN SCHÄFER: Hella Prokoph hat für uns ein Bühnenbild geschaffen, das Raum und Zeit quasi überdauert. Und das zugleich romantische Rüschen wie auch eine kahle Ästhetik zulässt. Bei den Ruhrfestspielen wurde es übrigens besonders romantisch: Während der Premiere, die in einem Zelt stattfand, schrie im angrenzenden Park ein Pfau. Wenn das kein Zeichen ist!
Info "Romantik is dead!" - Doppelabend mit den Stücken "Zastrozzi" (Deutschsprachige Erstaufführung) von George F. Walker und "Die Lieb-Haberin" (Uraufführung) von Joachim Zelter. Die Premiere am Freitag, 10. September, 19.30 Uhr, ist ausverkauft. Weitere Termine: 11. September, 15., 16. Oktober, 19.30 Uhr.
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09.09.2010
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