Publikum klebt gebannt an ihren Lippen
Würzburg. Lange ist"s her, als Marianne Faithfull Teil der "swinging sixties" war, gemeinsam mit Mick Jagger um die Häuser zog. Jetzt trat sie in Würzburg auf.
Später entwickelte sich die Stil-Ikone der 60er zur ernsthaften Künstlerin.
Im Alter von 63 Jahren probiert die britische Sängerin und Schauspielerin lyrische Lesungen aus. Auf der Bühne des Würzburger Hafensommers rezitierte sie 22 Sonette aus der Feder von William Shakesbeare. In Verbindung mit dem Cellisten Vincent Ségal, der zwischen den gesprochenen Darbietungen sein Instrument auf kongeniale Weise bearbeitete, war das mit knapp 55 Minuten Spielzeit eine kurze, aber sehr intensive Erfahrung.
Mariane Faithfull hegt eine intensive Leidenschaft, die Sonette von Shakespeare, die für die Literaturgeschichte eine unschätzbare Quelle von Poesie, Raffinesse, klanglicher Schönheit und formaler Konsequenz darstellen. Die rauchige Stimme der Faithfull hat für eine Rezitation genau das richtige Timbre.
Dieses wollten sich zwar nur 150 Zuhörer anhören. Dieses Publikum wusste aber auch genau, auf was es sich einlässt, klebte gebannt an den Lippen der Künstlerin, ließ sich von Ségal auf so manche außergewöhnliche musikalische Reise entführen und beklatschte die Beiden am Ende eifrig. Was die Besucher allerdings nicht wussten: Marianne Faithfull verlangte ihnen einiges an Konzentration ab. Weder wurde auf der schwimmenden Bühne auf dem Main eingeblendet, um welches der 154 Sonette aus dem Jahre 1609 über Liebe, Lust und Leidenschaft es sich gerade handelt, noch wurden die schwierigen Zeilen übersetzt. Mit etwas mehr Unterstützung wäre der Abend sicherlich ein noch intensiverer geworden.
Info Das Programm kann man im Internet unter www.hafensommer-wuerzburg.de nachlesen. Karten gibt es in der Tourist-Information im Falkenhaus am Würzburger Markt, Telefon 0931/372398, Mo - Fr 10 - 18 Uhr; Sa, So und Feiertag 10 - 14 Uhr.
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Autor: TIMO LECHNER | 30.07.2010
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Die Stil-Ikone der 60er Jahre Marianne Faithfull gestaltete mit Cellist Vincent Ségal einen intensiven Abend beim Würzburger Hafensommer vor 150 Zuhörern. Foto: Timo Lechner
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