Pädagogik spielt erste Geige
Metzingen. Die Aufregung ist stets groß, wenn Jugendliche ihr oft außergewöhnliches musikalisches Können vor einer Jury präsentieren. Aber: Es winkt vielleicht das Sprungbrett für eine Musikkarriere.
Nein, einen Typen wie Dieter Bohlen wird man vergeblich in einer Jury bei "Jugend musiziert" suchen. Als Bruno Seiz das sagt, lacht er laut heraus. Vielleicht wird ja einer der Nachwuchs-Musiker, die sich am vergangenen Wochenende in Metzingen präsentierten auch mal ein Superstar. Für den Stadtmusikdirektor steht immer eines an der ersten Stelle - die Pädagogik. Aber auch Empathie, Einfühlungsvermögen.
Die jungen Menschen, die bei "Jugend musiziert" mit ihrem Instrument auftreten, sollen auf keinen Fall verheizt werden. Oder bloßgestellt. Es geht also tatsächlich um musikalische Begabungen, um Können und Musikalität. Was von DSDS, also "Deutschland sucht den Superstar" nicht behauptet werden kann.
250 bis 300 Kinder und Jugendliche haben in diesem Jahr an dem Regional-Wettbewerb "Jugend musiziert" von Ende Januar bis Anfang Februar in Rottenburg, Balingen, Tübingen und eben Metzingen teilgenommen. Auf die vier Orte waren die unterschiedlichen Instrumente verteilt worden - in Metzingen spielten die Nachwuchs-Solokünstler auf dem Horn, der Trompete, Posaune und der Tuba am vergangenen Freitag und Samstag vor. Etwa 40 junge Musiker zwischen 8 und 27 Jahren (Ältere sind laut Definition nicht mehr jugendlich) waren nach Metzingen gekommen, um dort vorzuspielen.
"Die Teilnehmerzahlen steigen seit Jahren immer mehr an", berichtet Bruno Seiz als Organisator für die Metzinger Musikschule. Und diese Zunahme sei doch sehr erfreulich - vor allem angesichts der ständigen Verknüpfung der Begriffe "Labilität" und "Jugend".
Einmal mehr waren die Ergebnisse am Freitag und Samstag erstaunlich, wie Bruno Seiz hervor hob. Zahlreiche Jugendliche hatten mehr als 22 Punkte in der Bewertung durch die fünfköpfige Jury erhalten. Damit werden genau diese Musiker zum Landeswettbewerb fahren, der in diesem Jahr am 24. und 25. März in Schwäbisch Gmünd ausgetragen wird. Mit mehr als 2000 jungen Menschen rechnet Seiz bei dieser Veranstaltung, er selbst wird auch vor Ort sein, als Jury-Mitglied für "das dunkle Blech". Beim Bundeswettbewerb am Pfingstwochenende werden es voraussichtlich sogar mehr als 2300 Nachwuchsmusiker sein, die dann zusammen kommen. Im vergangenen Jahr hatte Berlin gelockt, zwischen dem 25. und 31. Mai geht die Reise dieses Mal gerade mal bis Stuttgart.
Wer es schon mal bis zum Bundeswettbewerb geschafft hat und da auch noch gut abschneidet, "dem stehen hinterher alle Türen offen", sagt Metzingens Stadtmusikdirektor. Will heißen: Wer danach eine berufliche Karriere als Musiker starten will, der hat zumindest die besten Voraussetzungen, um auf diesem Gebiet ganz weit nach vorne zu kommen. "Dieser Wettbewerb ist ein gutes Sprungbrett." Und offensichtlich lockt diese Aussicht immer mehr Jugendliche - trotz der Anstrengungen und all der Probezeiten, die sie dafür auf sich nehmen müssen.
Noch einmal bringt Bruno Seiz die Pädagogik ins Spiel: Allein die musikalischen Fähigkeiten seien nicht ausreichend - "wenn wir denken, dass jemand mental noch nicht weit genug ist, wenn dem jungen Menschen ersichtlich Ehrgeiz und Stabilität fehlen, dann werden wir ihn auch nicht zum Landeswettbewerb weiterleiten". Das sei zwar nicht erfreulich - "vor allem für die Lehrer und die Eltern nicht" - aber die Juroren seien sich ihrer Verantwortung sehr wohl bewusst.
Info Preisträger-Konzert: Am kommenden Freitag, 10. Februar, werden die vier Nachwuchsmusiker, die von der Musikschule Metzingen an der Regional-Ausscheidung zu "Jugend musiziert" teilgenommen hatten, um 19 Uhr 30 im Pavillon der Musikschule ein "Preisträger-Konzert" geben. Dort stellen sich ein Posaunist, zwei Querflötisten und ein Pianist dem Publikum vor.
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Autor: NORBERT LEISTER | 06.02.2012
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Am Samstag in der Musikschule: "Jugend musiziert" begeistert immer mehr Jugendliche. Foto: Norbert Leister
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