Neu in den Kinos
Renn, wenn du kannst
Ein Rollstuhlfahrer und sein Zivildienstleistender verlieben sich in das gleiche Mädchen. Dietrich Brüggemann gelingt mit seinem Kinodebüt ein Behindertendrama ohne politische Korrektheiten, das
durch seinen glänzenden Hauptdarsteller überzeugt. Mit seiner hageren, fragilen Erscheinung erweckt Robert Gwisdek den gebrochenen Charakter des Rollstuhlfahrers Ben zum Leben. Der ist verbittert, die ihm zugeteilten Zivildienstleistenden triezt er mit sadistischer Inbrunst. Doch in seinen Tiraden erweist sich Ben zugleich als
geschickter Wortakrobat, dem es tatsächlich gelingt, die schöne Cellospielerin Annika, auf die auch sein Zivi Christian ein Auge geworfen hat, zu verführen (Deutschland 2010, 116 Minuten, FSK 12).
Das Konzert
Ein noch zu Sowjetzeiten zum Putzmann degradierter Dirigent findet
durch Zufall ein Telegramm und sieht eine letzte Chance gekommen: Er gibt sich als Leiter eines Orchesters aus, um mit seinen Musikern von einst nach Paris reisen zu können. Das Unternehmen wird zum Hindernislauf, bis zuletzt bedroht von vorhersehbaren und weniger vorhersehbaren Verwicklungen. Der aus Rumänien stammende Regisseur Radu Mihaileanu ("Zug des Lebens") macht es sich in seinem neuen Film etwas zu leicht, die Idee vom "falschen Bolschoi-Orchester" in eine polternde Komödie umzusetzen und lässt dabei kaum ein Klischee über Juden, Zigeuner oder Russen aus. Das wunderbare, von Anfang an beschworene Tchaikowski-Konzert bleibt allerdings bis zuletzt das Bindeglied, das die großen Schwankungen des Films zwischen Burleske und feinfühliger Vergangenheitsbewältigung zusammenhält (Frankreich 2009, 122 Minuten, FSK 0).
Inception
Es heißt, man solle eine wichtige Sache überschlafen, bevor man Entscheidungen fällt. Christopher Nolan, das Superhirn hinter dem Batman-Kassenhit "The Dark Knight", hat angeblich zehn Jahre über der Idee zu seinem neuen Film geschlafen. Das lange Brüten hat sich gelohnt, denn der Sci-Fi-Thriller über Psycho-Gauner, die in den Träumen anderer herumstöbern, ist ein höchst anregendes Vexierspiel. Es geht um den berufsmüden "Extraktor" Dom Cobb (Leonardo DiCaprio), der sich mit seinem Assistenten Arthur darauf spezialisiert hat, mittels eines nicht näher erläuterten Apparates in die Psyche Schlafender einzudringen, um Geheimnisse zu stehlen. Dann verlangt ein Auftraggeber, diesen Prozess umzukehren: Cobb soll in das Hirn eines Konzernerben eine subversive Idee einpflanzen . . .Mit "Inception" inszeniert Christopher Nolan einen Actionfilm im Unterbewusstsein. Damit bringt der britische Regisseur seine Vorliebe für die Grenzregionen des Verstandes und für vielschichtige Erzählweisen, die er bereits in frühen Independent-Filme wie "Memento" ausagiert hat, mit seinen Erfolgskonzepten für das Mainstreamkino zusammen, wie sie sich zuletzt in seinem Blockbuster-Erfolg "The Dark Knight" bewährt haben. Herausgekommen ist ein hochkomplexes Stück Kino, das immer neue filmische Räume eröffnet, tief und visuell fassbar in die Psyche seiner Hauptfigur eindringt und trotzdem als rasantes Actionabenteuer auf der Leinwand besteht (USA, Großbritannien 2010, 142 Minuten, FSK 12).
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29.07.2010
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"Inception": Cobb (Leonardo DiCaprio) weiß, wie man Träume in den Köpfen von Menschen platziert. Verleihfotos
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