Lauf des Wassers: natürlich
Metzingen. In jüngster Zeit wurde zur Renaturierung der Erms in Metzingen einiges getan. Im Vorgriff auf den Internationalen Tag des Wassers am Montag war gestern Regierungspräsident Hermann Strampfer vor Ort.
Zum zweiten Mal in dieser Woche stattete gestern Regierungspräsident Hermann Strampfer der Sieben-Keltern-Stadt einen Besuch ab. Anlass war der Internationale Tag des Wassers, der zwar erst am Montag begangen wird, allerdings genügend Gründe bietet, sich mehrere Stellen anzuschauen, an denen die Erms naturnah umgebaut wurde. In den vergangenen Jahren wurden in Metzingen in die Renaturierung der Erms rund 300 000 Euro investiert. Da das Land Baden-Württemberg einen ganz erheblichen Teil davon übernommen hat, wollte sich der Regierungspräsident einiges davon vor Ort anschauen. Hermann Strampfer betonte, dass der Regierungsbezirk Tübingen auf einem guten Weg sei, was die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie betrifft. Diese Richtlinie fordert bis zum Jahr 2015 eine naturnahe Umgestaltung der Gewässer, was sich positiv auf die Gewässergüte auswirken wird. Dies ist ganz im Sinne des Internationalen Tag des Wassers, der unter dem Motto steht: "Sauberes Wasser für eine gesunde Welt".
Dass der Landkreis Reutlingen diesbezüglich schon sehr weit ist betonte der Erste Landesbeamte, Hans-Jürgen Stede. Die Wasserrahmenrichtlinie verlange, dass die Gewässer mindestens Güteklasse II erreichen. "Das heißt konkret", so Stede, "dass die Gewässer wenig verunreinigt sind, über eine gute Sauerstoffversorgung und eine große Artenvielfalt verfügen." Dass die Gewässergüte im Landkreis Reutlingen ein "Topthema" ist, macht laut Stede schon allein eine Zahl deutlich. Rund 70 Prozent der Kreisbevölkerung, das sind ungefähr 190 000 Einwohner, werden mit Wasser aus Brunnen und Quellen des Landkreises versorgt.
Laut Hermann Strampfer ist das Grundwasser im gesamten Regierungsbezirk mengenmäßig in einem guten Zustand. Das bedeute, dass jetzt schon weniger Grundwasser entnommen werde, als sich neues bildet. Nun aber stünden die Oberflächengewässer im Mittelpunkt. Die Wasserrahmenrichtlinie sehe vor, systematisch die Durchgängigkeit herzustellen und die Gewässerstruktur zu verbessern.
"Naturnahe Gewässer", so der Regierungspräsident, "sind eine wichtige Investition in die Zukunft. Hier werden ökologisch intakte Lebensräume geschaffen und damit die biologische Vielfalt geschützt." Darüber hinaus können naturnah gestaltete Gewässer laut Strampfer Hochwassergefahren abmildern.
Hermann Strampfer wies darauf hin, dass an der Erms bereits 80 Prozent der landeseigenen Abstürze in fischfreundliche Rampen umgebaut wurden. "Dafür, so der Regierungspräsident, "wurden rund 700 000 Euro durch das Land eingesetzt." Er betonte freilich auch, dass erfolgreiche Renaturierungsmaßnahmen die Mitarbeit und Unterstützung aller voraussetzen, sollen sie einen Nutzen für die gesamte Region bringen. Beispielhaft sei da die Ermsverbund-Arbeitsgruppe (Eva) unter der Leitung von Rolf Rickborn. Dermaßen eingestimmt machte sich der Tross vom Rathaus auf an die Erms an der Südseite des Lindenplatzes, wo man laut Bauamtsleiter Konrad Berger aus einem Hinterhof ein grünes Ufer gemacht hat. Am Ermsufer an der Ulmer Straße konnte der Regierungspräsident in Augenschein nehmen, wie die Erms auf einer Länge von 300 Metern renaturiert wurde. Hier wurde das Gewässer geöffnet und eine nahezu natürliche Böschungsstruktur geschaffen. Gleichzeitig wurde das Ortsbild verbessert. Das Land hat hier rund 85 000 Euro investiert. Im Bereich der Mühlwiesenstraße wurde mittels einer Rauen Rampe in Setzsteinbauweise eine Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen geschaffen. Die Kosten in Höhe von 70 000 Euro teilten sich Stadt und Land. Die dritte Station war die Raue Rampe beim Freibad. Hier war die Renaturierung sehr aufwendig. Auf einer Länge von 100 Metern überwindet diese Rampe nun einen Höhenunterschied von fünf Metern. Kostenpunkt für das Land: 150 000 Euro.
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Autor: PETER SWOBODA | 20.03.2010
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Hermann Strampfer (dritter von links) lauscht Konrad Berger (rechts), der von den Renaturierungsmaßnahmen berichtet. Foto: Thomas Kiehl
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