Große Chance für Tübingen "InzTanzSommer" startet am Sonntag

Tübingen.  Von 1. bis 15. August steigt erstmals das internationale Tanzfestival "InzTanzSommer". Es bietet insgesamt 20 Veranstaltungen, darunter Gastspiele, Vorträge, Workshops und Publikumsgespräche.

Tänzer, die nicht mit der Zeit gehen, sind schlechte Tänzer. Tänzer müssen sich aber auch in anderer Hinsicht anpassen, und vor allen Dingen sollten das die Ausbildungsinstitute tun, so sie nicht am Markt vorbei arbeiten wollen. Heute ist nicht nur gefragt, wer souverän diverse Stile zu bewältigen weiß, auch die Verknüpfung von künstlerischem Tanz und Wissenschaft, von Praxis, Reflexion und Forschung sind gefragt.

Genau in diese, in Deutschland unterrepräsentierte Lücke möchte Hollister Mathis-Masury stoßen. Die ehemalige Berufstänzerin, die das internationale Tanzfestival ins Leben gerufen hat, lehrt Tanz an der Universität Stuttgart und leitet in Tübingen das internationale Zentrum für Tanz (InzTanz). Ihr geht es darum, "aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen Tanz zu praktizieren, sehen, erleben und zu reflektieren". Dafür geht sie gerne das Risiko ein, "in einer Stadt, in der Tanz äußerst schlecht repräsentiert ist" ein Tanzfestival zu initiieren, das gleichermaßen auf Jung und Alt, auf Tanzprofis und Tanzinteressierte zugeschnitten ist. Zum Programm gehören neben den Gastspielen internationaler Künstler auch wissenschaftliche Seminare, Kurse sowohl für Berufstänzer als auch für Amateure und Kinder, (kostenlose) Vorträge, Workshop-Präsentationen und vieles mehr.

Das Festival startet am Sonntag, 1. August, um 20 Uhr mit einem Treffen aller Teilnehmer, Dozenten und Interessierten im Veranstaltungsort Sudhaus. Unter der Woche finden Praxis- und Theorie-Workshops, Seminare und Tanzkurse statt, die drei Hauptveranstaltungen folgen an den Wochenenden. Am 7. und 8. August (jeweils um 16.15 Uhr), wird zunächst Prof. Dr. Janet Landsdale, die Mitbegründerin der britischen Tanzwissenschaft, einen Vortrag über ihre Methode der Tanzanalyse halten.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion, und abends jeweils um 19.30 Uhr treten der preisgekrönte Tänzer Samir Akika und sein Ensemble Renegada Theater mit dem Stück "Extended Teenage Era" auf. Der "Quentin Tarantino des Tanztheaters" zeigt eine Hip-Hop-Tanztheater-Performance. Danach gibt es ein Publikumsgespräch mit den Künstlern und eine Aftershow-Party ab 22 Uhr. Der Abschluss des Festivals wird am Sonntag, 15. August, gefeiert: Um 11 Uhr treten 20 Tübinger Kinder in der afrikanischen Storytelling-Performance "Okoth the Raindancer" des kenianischen Choreografen Victor Mtendei auf, um 18.30 Uhr gibt es eine abschließende Diskussion mit Soirée.

Das erstmals ausgetragene Festival hat einen Etat von 60 000 Euro. Die Stadt Tübingen unterstützt das ambitionierte Projekt mit 5000 Euro, weitere Zuschüsse kommen von der NRW Kultur, der Stiftung Kinderland und weiteren Sponsoren. Angesichts des hohen Budgets und der relativ geringen Kursgebühren fragt man sich schon, wie das Festival die Verlustzone vermeiden will, aber Festivalleiterin Mathis-Masury versichert, "dass die Kosten gegenüber Dritten gedeckt sind". Daniela Rathe ist von dem Konzept überzeugt und hat sich für die städtische Förderung eingesetzt: "Tanz muss in einer Stadt wie Tübingen besser positioniert werden", fordert die Kulturamtsleiterin, "deshalb ist das Festival eine große Chance für die Stadt, die mit der Ausrichtung eine zukunftsweisende Position einnehmen und sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten kann".

"Das war seit langem der beste Projektantrag, der im Kulturamt eingegangen ist", lobt sie die in den USA geborene Festivalleiterin. Zudem sei das Festival mit seinem wissenschaftlichen Anspruch genau auf die Unistadt zugeschnitten. Nun wünschen sich die Veranstalter nur noch, "dass das Festival in Tübingen angenommen wird und noch ein paar Anmeldungen für die Kurse und Workshops eingehen". So oder so plant Mathis-Masury, "das Festival in Tübingen fest zu etablieren".

Info Anmeldungen für alle Kurse und Workshops sind noch möglich. Weitere Infos und ausführliches Programm unter www.inztanz.de.


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Autor: JÜRGEN SPIESS | 30.07.2010

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