Frühe Feile schrubbt den Stahl

Der Arbeitgeberverband Südwest Metall und seine ihm angeschlossenen Unternehmen haben eine Kampagne gestartet, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Berufswahlkompass Metall heißt das Projekt.

PETER KIEDAISCH |

Wenn Realschüler am Ende der neunten Klasse mit dem Zeugnis in der Hand gedanklich schon an Mallorcas Sandstrand und der dortigen gastronomischen Erlebniswelt weilen, sollten sie sich nochmals kurz aufraffen, um einen wichtigen Schritt ihres Lebens nicht zu versäumen: Zwischen der neunten und der abschließenden zehnten Klasse werden heutzutage Bewerbungen um eine Lehrstelle abgeschickt: „Es wird immer früher“, sagt Jürgen Scherrmann, der bei der Firma Sauter in Metzingen Ausbildungsmeister ist.

Als Grund gelten der Fachkräftemangel und die zurückgehenden Zahlen der Schulabgänger, die einen regelrechten Wettstreit unter den Branchen und ihren Betrieben um die besten Nachwuchskräfte ausgelöst haben. Die Unternehmen strecken früh ihre Fühler aus, was allgemein zu einer Art Unruhe und damit einhergehend zu einem immer früheren Bewerbungsschluss führt. Wenn sich Schüler am Ende der neunten Klasse aber für ihren beruflichen Werdegang festlegen sollen, brauchen sie vorab Informationen. Am besten Praktika, die den von ihnen anvisierten Beruf möglichst unverfälscht widerspiegeln.

Die Tübinger Gesellschaft „BBQ Berufliche Bildung“ vermittelt seit Jahren zwischen Schulen und Firmen. Dieser Tage ermöglicht sie 18 Schülern der Schönbein-Realschule ein Berufsorientierungsprojekt, das vom Arbeitgeberverband Südwestmetall, der Agentur für Arbeit sowie den beteiligten Unternehmen finanziert wird. Im vorliegenden Fall sind das die Sauter Feinmechanik in Metzingen und das Dettinger Unternehmen Elring-Klinger.

Bei der Firma Sauter konnten die Jungs und Mädchen gestern kleine Männchen aus Metall herstellen. „Klar“, räumt Sauter-Ausbildungsmeister Scherrmann ein, „wir hätten sie auch U-Stahl feilen lassen können.“ Aber das hätte wenig mit dem Berufsbild des Feinmechanikers zu tun. Also durften die Praktikanten ran an die großen Maschinen, freilich unter Aufsicht des Meisters und einiger erfahrener Lehrlinge. Dann hieß es anreißen, fräsen, bohren und Werkstücke mit der Handbügelsäge auf die richtige Länge bringen. Umweht vom authentischen Geruch der Schmiermittel, die in der metallverarbeitenden Industrie Bohrer, Fräser und Drehstähle vor dem Ausglühen bewahren. Drei Tage zu je vier Stunden durften die Schüler in den beiden Unternehmen Metaller-Luft atmen. Zum Abschluss des noch laufenden Projekts erhalten alle ein Zertifikat. Das dient nicht nur zum Einrahmen und überm Bett Aufhängen, erläutert Anette Beeh von BBQ, die den Praktikanten auch einen für Unternehmen ausgefeilten Knigge-Kurs an die Hand gibt: „Mit dem Zertifikat haben die Schüler später etwas vorzuzeigen und können es ihren Bewerbungsunterlagen beifügen.“

Auch Jürgen Scherrmann hält ein solches Praktikum für eine gute Sache. Manch einen Praktikanten hat er später wieder auf seinem Schreibtisch entdeckt: in Form einer schriftlichen Bewerbung um einen Ausbildungsplatz.

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