Eine Schlange im Haus und ein Frosch im Klärbecken
Metzingen. 182 Menschen sind bei Einsätzen der Metzinger Feuerwehr im vergangenen Jahr gerettet worden. 511 Mal sind die Männer und Frauen zum Einsatz gerufen worden. Am Montag hat die Wehr Bilanz gezogen.
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler bezeichnete die Feuerwehr als unverzichtbaren Bestandteil im Rettungssystem der Stadt. Gleichwohl wäre diese ohne die ehrenamtlichen Helfer nicht leistbar. Die Anforderungen seien in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen. Dem sei man dadurch begegnet, dass die technische Ausstattung auf hohem Niveau ist. Die räumliche Situation sei durchaus verbesserungsfähig. Weil aber ein Umzug mit hohen Investitionen verbunden sei, müsse man gut überlegen, wann und wo ein Neubau realisiert werden könne.
Sowohl der Oberbürgermeister, als auch Kreisbrandmeister Wolfram Auch sprachen von einer "beeindruckenden Bilanz". Gelobt wurde die professionelle Arbeit der Wehr, die zielgerichtete Hilfe, aber auch die qualifizierte Ausbildung. Durch schnelles und umsichtiges Verhalten sei viel Schaden von der Bevölkerung abgewendet worden.
Kommandant Hartmut Holder sprach bei der Hauptversammlung der Feuerwehr Metzingen von einem "durchschnittlichen Einsatzjahr". Was muss dann erst los sein, wenn er von viel spricht? Die Einsatzstatistik jedenfalls verzeichnet im vergangenen Jahr 511 Einsätze. 42 Mal galt es dabei einen Brand zu löschen. Bei Verkehrsunfällen war die Metzinger Wehr 29 Mal gefordert, bei 26 Alarmen galt es hilflose Personen aus Wohnungen zu befreien. In der Einsatzstatistik sind außerdem 35 technische Hilfeleistungen, 14 Öleinsätze und drei Gefahrstoffeinsätze vermerkt. Relativ glimpflich sind die Metzinger bei Unwettern davon gekommen. Hier musste die Feuerwehr "nur" acht Mal helfen.
Obwohl die Anzahl der automatischen Brandmeldeanlagen von Jahr zu Jahr steigt, ist die Anzahl der Fehlalarmierungen rückläufig. Zurückzuführen ist das auf eine immer ausgefeiltere Technik. Hinzukommen weitere 19 Fehlalarme, Einsätze also, bei denen beispielsweise fälschlicherweise von einem Notfall ausgegangen worden ist. Bei medizinischen Notfällen war die Feuerwehr 273 Mal gefordert. 182 Menschen sind im vergangenen Jahr aus lebensbedrohlichen Lagen gerettet worden, für elf kam jede Hilfe zu spät.
Jahr für Jahr bleiben Einsätze in Erinnerung. Kommandant Hartmut Holder erinnerte an den Arbeiter, der versehentlich Heizöl statt Wasser abpumpte und in den Kanal leitete, einige Brände und Rettungsaktionen, aber auch an Verkehrsunfälle, bei denen die Einsatzkräfte sowohl physisch als auch psychisch stark gefordert waren. Gerne wird man sich da noch an den Sprudellaster erinnern, der im Hochsommer seine Ladung verloren hatte, oder aber auch an den Frosch, der ins Klärbecken geraten war und die Ringelnatter, die sich in einem Wohnhaus verirrt hatte. Gefordert war die Feuerwehr im Hintergrund zudem bei den Großveranstaltungen "Race in the City" und "Fashion and Music".
Mit 133 Einsatzkräften, davon 69 in der Kernstadt und jeweils 32 in Neuhausen und Glems, habe man zwar eine ausreichende Personaldecke, dennoch werde es mittelfristig schwieriger, Feuerwehrleute zu gewinnen. In den Städten sei die Belastung inzwischen hoch, zudem gebe es immer wieder Probleme mit den Arbeitgebern, die ihre qualifizierten Mitarbeiter ungern zum Feuerwehreinsatz schicken. Obwohl sich die Jugendfeuerwehr nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, steige das Durchschnittsalter kontinuierlich an.
Da heißt es schon früh, die Buben und Mädchen für den Dienst in der Wehr zu begeistern. Viele Vereine und Institutionen buhlen um den Nachwuchs, wie der Leiter der Jugendfeuerwehr, Frank Stiefel, weiß. Er berichtete von 38 Dienstabenden, bei denen Technik, Spiel und Spaß nicht zu kurz gekommen sind. Höhepunkte im Jahr waren für die 32 Mitglieder die Beteiligung am Landesjugendfeuerwehrtag in Pfullingen sowie ein Ausflug nach München. In diesem Jahr feiert die Metzinger Jugendfeuerwehr ihren 30. Geburtstag. Geplant ist neben einem Jubiläumsabend die Beteiligung beim Tag der offenen Stadt. Es sei bemerkenswert, was die Jugendfeuerwehr in den letzten Jahren alles auf die Beine gestellt hat, meinte Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Gunther Hespeler, während Rettungsdienstleiter Wilfried Müller, wie auch Kriminaloberrat Heiko Kächele die Wichtigkeit der Jugendarbeit betonten.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: MUT | 08.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
Ehrungen bei der Feuerwehr Metzingen (von links): Kreisbrandmeister Wolfram Auch, Fritz Max Seiz, Kommandant Hartmut Holder, Herbert Stiefel, Werner Stiefel, Karl-Heinz Roller und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler. Foto: fwm
MEISTGELESENE ARTIKEL
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr
Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen
Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr

ZURÜCK
