Eine Chance und ein Risiko

Was wird aus dem Vereinsheim des Turnerbundes? Nach dessen Brand 2014 muss sich der Verein entscheiden, ob es in dieser vorzüglichen Lage bestehen bleibt und welche Kosten dann zu veranschlagen sind.

WIELAND LEHMANN |

Im vorigen Jahr gab es keine Jahreshauptversammlung. Das ist ungewöhnlich, doch der Brand im November 2014 setzte andere Prioritäten. Wie könnte es weitergehen mit dem Vereinsheim, das das beliebte "Schlemmerstüble" beherbergt? Der Vorstand des Turnerbundes hatte also alle Hände voll zu tun, auf das Gutachten der Versicherung zu warten, sich über die Richtung des Vorgehens klarzuwerden. Da überraschte es die Mitglieder schon, dass einen Tag vor der Jahreshauptversammlung am Donnerstag ein Artikel in unserer Zeitung erschienen war unter dem Titel "Turnerbund: Vereinsheim auf der Kippe". Da hat es also gehörig an der Kommunikation zwischen Vorstand und Mitgliedern gehapert. So traten die gewöhnlichen Regularien einer Hauptversammlung diesmal verständlicherweise in den Hintergrund.

Klar ist, dass das Gutachten bescheinigt, die Versicherungssumme deckt in keiner Weise die Kosten einer Sanierung oder eines Neubaus. Ohnehin ist eine Sanierung wohl kaum machbar, das Haus wurde immerhin schon 1912 gebaut. Die Bausubstanz ist mehr als marode. Die Kosten eines Neubaus dürften sich auf rund 400 000 Euro beziffern, und ein Abriss schlägt mit rund 15 000 Euro zu Buche. Dazu gesellt sich eine weitere Frage: Soll der Neubau als Vereinsheim oder als Gaststätte errichtet werden? Bei letzterem sind ganz andere Vorschriften zu beachten. Und es kommen weitere Fragen hinzu.

Das Heim steht auf einem Gelände der Stadt, der Erbpachtvertrag sieht gegenwärtig noch eine Laufzeit von 50 Jahren vor. Der Verein hat das "Schlemmerstüble" verpachtet, gewinnt daraus also Einnahmen. Braucht der Verein überhaupt ein eigenes Vereinsheim? Der Verein sei eigentlich nur Hobbypächter, merkte Stefan Leibfarth, zweiter Vorsitzender des Vereins, an. Das ergebe für ihn keinen Sinn. Markus Riedlinger, Erster Vorsitzender, konterte: "Man kann darin aber auch eine neue Chance sehen." Natürlich sei damit auch ein Risiko verbunden.

In der Diskussion der Mitglieder zeichnete sich dann auch ab, dass der Verein sein Heim durchaus erhalten will. "Wir sind ein Verein mit Wirtschaft", merkte Markus Riedlinger an. Nur wie wird es nun finanziert? Und wie hoch soll der Kredit sein, der aufzunehmen ist? Sind es 100 000 Euro oder noch mehr? Wie wird die Laufzeit und wie werden die Ratenzahlungen dafür sein? Kann die Pachteinnahme für die Gaststätte dafür auch ausreichen? Fällt die Pächterin einmal aus, wie kommt man dann bis zu einem neuen Pächter über die Runden? Fragen über Fragen.

Die sind nun also zu klären. Markus Riedlinger stellte klar: "Wir werden es ohne Fremdkapital nicht schaffen." Die Aufnahme eines Kredits ist unausweichlich, Sponsoren in dieser Größenordnung sind nicht in Sicht. Da wird es Gespräche mit der Stadt geben. Ein Angebot für einen Neubau hat man schon eingeholt, zwei weitere stehen noch aus.

Auf den Vorstand kommen also erhebliche Herausforderungen zu. Die Mitglieder jedenfalls bekundeten bei der Wahlhandlung, dass sie hinter ihm stehen. So hat sich auch Torsten Koch von der Tischtennis-Abteilung bereit erklärt, die Wahl zum zweiten Vorsitzenden anzunehmen, nachdem Stefan Leibfarth erklärt hatte, nicht mehr dafür zu kandidieren. Und die beiden Ehrungen von Roswitha Sulz, die bereits für ihr Wirken im Verein Ehrenmitglied ist, und Michael Ebert für ihre 25-jährige Mitgliedschaft waren ein ermunterndes Zeichen für die Mitglieder, die neuen Aufgaben zu stemmen.

So wurde nach dieser Meinungsermittlung der Mitglieder der Vorstand in die Lage versetzt, die weiteren Schritte zur Erhaltung des Vereinsheims zu unternehmen. Es muss ein sich lohnendes Objekt werden, da ist langfristiges Denken gefordert. Es wird eine weitere Hauptversammlung in diesem Jahr geben, denn die Kreditaufnahme muss vom Verein beschlossen werden.

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