Effizientes Energiesparen mit "Bewusstsein von unten"

Metzingen.  Eine Weinprobe der politischen Art hatte Martin Schadenberger vom Förderkreis Metzinger Keltern am Donnerstagabend zu leiten: FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny referierte über Energiepolitik.

Weder Wein noch Politik lockte die Massen ins Wengerter-Häuschen - letztlich waren die FDPler fast unter sich. Dabei hatte Skudelny durchaus Interessantes zu sagen, etwa über die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, die die Parteien im vergangenen Jahr in heftige kontroverse Debatten gestürzt hat.

"Kein Mensch ist der Meinung, dass wir die Atomkraftwerke länger laufen lassen sollten als nötig", betont Skudelny. "Wir hatten keine Wahl." Problem seien bestehende infrastrukturelle Unterschiede zwischen Nord- und Ostdeutschland und dem Südwesten hinsichtlich der Stromnetze: Der Strom, der im Norden etwa aus Windkraft gewonnen wird, so Skudelny, könne nicht in ausreichender Menge in den Südwesten transportiert werden. Die Atomkraftwerke trügen einen wichtigen Teil dazu bei, dass der Verpflichtung, CO2 einzusparen, nachgekommen werden kann, so Skudelny weiter.

Das nächste heikle Thema, das Skudelny ansprach, war die Solarenergie: "Mittlerweile kommt etwa die Hälfte der Solarmodule aus China", erklärt Skudelny. Von Zuschüssen, die der Solarzellenbenutzer vom Staat bekommt, bleibe folglich nur die Hälfte in Deutschland bei den hiesigen Handwerkern. Die Solarenergie solle tragfähiger für den Verbraucher werden, führt Skudelny weiter aus. Was letztlich bedeutet, dass Zuschüsse für Solaranlagen gesenkt werden sollen, denn, so Skudelny, es solle der Hartz-IV-Empfänger nicht für die Solarzellen seines Nachbarn bezahlen. Dazu sei eine Änderung in der Gesetzgebung notwendig, die Raum für Entwicklung schaffe. "Im Moment haben wir ein technikfreies Gesetz", sagt Skudelny. "Es ist genau festgesetzt was, wo, wie und in welchem Umfang gefördert werden soll." Neue Entwicklungen, die in diesem Gesetz noch keine Berücksichtigung finden, werden ergo nicht gefördert und seien daher für die Deutschen uninteressant. "Wir müssen ein technikoffenes Gesetz machen", so die Folgerung der FDP-Politikerin. Tatsächlich werde, so Skudelny, die Umwelt in keinem anderen Land so gut geschützt wie in Deutschland. Einer der wichtigsten und geeignetsten Bereiche, um Energie einzusparen, seien Gewerbe und Dienstleistung sowie private Haushalte. "Ein Bewusstsein können wir von Staatswegen nicht erzwingen", erklärt Skudelny. "Zwang kann nicht der Weg sein, da müssen Anreize geschaffen werden." Lokale Arbeitskreise, wie etwa der Metzinger Arbeitskreis Klima und Energie, der sich unabhängig von Parteiinteressen engagiert, würden immer wichtiger, schaffen ein "Bewusstsein, das von unten kommt".

Schließlich wurde die Rekommunalisierung der Stromnetze unter die Lupe genommen, die für die Gemeinden nicht unwirtschaftlich sein müsse, im Gegenteil. Dennoch müsse man genau hinschauen und auf versteckte Geldfresser und Kosten achten.

Um diese schwergewichtigen Themen etwas aufzulockern, hatte Schadenberger flüssige Köstlichkeiten namens "Sylvaner Blaue Mauer" oder ganz schlicht einen trockenen Lemberger auf Lager. Dazu eine Menge Infos zur Metzinger Weinbautradition, dem Museum und der Arbeit der Weinbauern.


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Autor: NADINE WILMANNS | 05.03.2011

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