Bang-your-Head: Allenfalls durchwachsen
Balingen. Das Bang-your-Head- Festival in Balingen, seit Jahren eine feste Institution in der HardnHeavy Landschaft Deutschlands, wartete wieder mit einigen Neuerungen und vielem allzu Bekannten auf.
So traten zum ersten Mal Bands an zwei unterschiedlichen Locations zur gleichen Zeit auf. Ermöglicht wurde dies durch die Messehalle, welche im vorigen Jahr auf dem Messegelände in Balingen erbaut worden war. Die sechs Bands, die zusätzlich spielten, ließ sich der Veranstalter gut bezahlen, wie an merklich erhöhten Ticketpreisen zu spüren war.
Das Festival war in diesem Jahr dem kürzlich verstorbenen Sänger Ronnie James Dio (Black Sabbath, Rainbow, Dio) gewidmet. Was zunächst nach gut gemeinter, aber ansonsten belangloser PR klang, wurde von den 28 Bands überaus ernst genommen. Fast jede Gruppe spielte eine Coverversion eines Liedes, an welchem Dio während seiner langen Karriere mitgewirkt hatte, was bei manchen etwas anstrengend, bei anderen aber sehr interessant und würdig klang.
Los ging es am Freitag bei fast schon zu schönem Wetter mit Bands wie Grand Magus, Sabaton, Loudness, ehe mit Anvil die erste Band kam, die erst vor kurzem durch den prämierten Dokufilm "The story of Anvil" Aufsehen auch über die Szene hinaus erregt hatte. Wie in dem Film von Sascha Gervasi kommen die Mannen auch live sehr symphatisch rüber - was leider das Fehlen guter Songs nicht kompensierte.
Die schwedische Band Hammerfall, die den Hauptact am Freitag gaben, spielte ihr Set routiniert herunter, wusste auch zu unterhalten, ließ sich jedoch aus unbekannten Gründen als eine der ganz wenigen Bands nicht dazu herab, einen Dio-Song zu covern, sondern nutzte die Zeit, um mit merkwürdigen Ansagen für Augenrollen zu sorgen.
Der Samstag bot mit Regen und eher frischen Temperaturen Gegensätzliches - auf der Bühne blieb es konstant durchwachsen. Wo Bullet am Nachmittag mit ihrem an AC/DC angelehnten Rock neue Fans hinzugewinnen konnte, vergraulte Warrel Dane, der Sänger von Nevermore, eben jene durch eine gelangweilte Performance und eine unterirdische Gesangsleistung.
Besser beieinander waren die Co-Headliner Queensryche, die ihre unverständliche Setlist durch eine tolle Leistung und ein sensationelles Cover von Black Sabbaths "Neo Knights" ausglichen. Auch wenn durchaus von einem tollen Auftritt gesprochen werden kann, muss einfach die Frage in den Raum gestellt werden, ob die Prog-Metaler nach 2008 schon wieder in Balingen sein mussten. Diese Frage lässt sich auf nahezu alle Bands ausweiten, die ihren Auftritt an den Abenden hatten. So traten Hammerfall heuer zum fünften Mal in Balingen auf, Twisted Sister zum vierten Mal. Und obwohl letztgenannte Band seit über 20 Jahren kein richtiges Album mehr veröffentlicht hat, durften sie auch in diesem Jahr wieder für den großen Abschluss sorgen. Hier wäre Potenzial für einen legendären Auftritt da gewesen - hätten sie nicht die Show schon so oft gespielt.
Unter dem Strich lässt sich daher sagen, dass das Bang-Your-Head sowohl vom Wetter als auch von den Bands her eher durchwachsen war. Es bleibt zu hoffen, dass sich Horst Franz als Veranstalter die geringe Besucherzahl und die eher verhaltenen Reaktionen in den einschlägigen Foren zu Herzen nimmt und im kommenden Jahr stärker auf Bands setzt, die in den letzten Dekaden irgendwas relevantes aufgenommen haben, und nicht zwangsweise schon zum Festivalinventar gehören. Andernfalls könnte noch jemand auf den Gedanken kommen, Heavy Metal sei konservativ.
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Autor: PHILIPP FRENZ | 30.07.2010
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Beim Bang-your-Head-Festival in Balingen traten in diesem Jahr mehr Musiker auf - unter ihnen auch Doro Pesch. Foto: Philipp Frenz
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