Werben fürs Radfahren

Die „Critical-Mass-Bewegung“ ist nun auch in Bad Urach aktiv. Sie sieht das Fahrrad als gleichberechtigtes Fortbewegungsmittel im Verkehr.

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Rad-Aktivisten waren kürzlich im Rahmen einer „Critical-Mass-Sondertour“ in Bad Urach unterwegs. Anfangs schien das ganze Vorhaben noch ungewiss, denn um einen geschlossenen Verband zu bilden, braucht es mehr als 15 Radfahrer. Diese genießen dann besondere Rechte: Dazu gehört beispielsweise das Nebeneinanderfahren innerhalb des Korsos, das geschlossene Überqueren einer Kreuzung und auch den Schutz durch die Polizei. Die ungünstige Wetterprognose hat dann aber doch nicht alle Aktivisten abgehalten. Mit 20 Radfahrern konnte die geführte Tour beim Startpunkt am Parkplatz Haltestelle Wasserfall der Ermstalbahn pünktlich beginnen.

Für die Bad Uracher Bürger war es offensichtlich ein ungewöhnliches Bild: Ein von der Polizei begleiteter Fahrradkorso. Selbst die Hektik des Einkaufens ließ einen Moment des verwunderten Staunens zu, um den Zug in gelben und orangen Schutzwesten zu verfolgen.

Großes Interesse und viele positiven Reaktionen begleiteten den Verband auf seiner einstündigen Tour durch die Haupt- und Nebenstraßen der Kurstadt: Manchmal gab es nur ein „Hallo“, oder ein freundliches Zuwinken, aber auch überraschende Zurufe wie „tolle Sache“ oder sogar ein „Super“ hörten die Radler hier und da, als sich der Verband durch das Elsachcenter bewegte.

Der eigentliche Zweck der Aktion wurde besonders gut erfüllt: Dass der Radverkehr innerhalb des motorisierten Verkehrs wenigstens einmal die Critical Mass (die kritische Masse) erreicht, bei der er als gleichberechtigt wahrgenommen wird. Darauf haben auch die Autofahrer in Bad Urach mit Verständnis und Freundlichkeit reagiert. Und mit Geduld. Diese wurde in der Stuttgarter Straße, und hier besonders am so genannten „Ochsenbuckel“, auf die Probe gestellt. Doch eben diese Situationen sind es, die von der Bewegung gewünscht sind. Schließlich ist Critical Mass eine Art friedlicher Protest, „die Gegenbewegung zur alltäglichen Blechlawine in unserer Stadt“, heißt es aus ihren Reihen. 1992 in San Francisco geboren, erfasste sie innerhalb weniger Jahre den ganzen Globus und feiert weltweit das Fahrrad. Europas größter Verband fährt mit 5000 Teilnehmern in Hamburg. In unzähligen Städten Deutschlands treffen sich Radbegeisterte meist am letzten Freitag im Monat, um eine Stunde im langsamen Tempo die Gemeinschaft der Gruppe zu erleben, Kontakte zu knüpfen und nach der lockeren Rundfahrt noch einen gemütlichen Ausklang zu erleben. Dieses Gesamtbild ist es, was die Bewegung so beliebt macht.

So auch seit zwei Jahren in Reutlingen. Radfreunde auch aus dem Ermstal unterstützen die dortige Bewegung von Anfang an. Daher war schon lange die Idee geboren worden, die Critical Mass nach Bad Urach zu holen. Denn auch hier ist die Situation für den Radverkehr, insbesondere für den Alltagsverkehr, alles andere als ideal. Radfahrer, die in der Stadt unterwegs sind, machen stellenweise Komfort- und Sicherheitsmängel aus. Von fachkundiger Seite werde den Aktivisten mindestens punktuell einen Handlungsbedarf attestiert, heißt es aus den Reihen der Radfahrer.

Als einmalige Aktion war die Bad Uracher Tour unter dem Motto „Fahr mit – Ritzel statt Rußpartikel“ vorgesehen. Doch kaum standen die Ritzel still, vernahm man begeisterte Gegenstimmen: „Gelungener Start der Critical-Mass Bad Urach.“ Nun, für eine monatliche Tour wird es wohl nicht reichen, doch einmalig wird die Aktion nach diesen guten Erfahrungen in der Kurstadt vermutlich nicht bleiben. Denn das Potenzial und auch die Notwendigkeit für eine jährlich stattfindende Tour ist allemal vorhanden, heißt es aus den Reihen der Organisatoren.

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