Weichspüler verboten

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Von wegen weichgespültes „Last Christmas“ oder traditionelle Weisen: Beim Weihnachtsoratorium geht's musikalisch in ganz andere Richtungen – Thrash Metal, Indie und urbane Pop Hymnen waren angesagt.

KIRSTEN OECHSNER

Die eine Band hat noch nicht viele Gigs zu vermelden, die andere spielt seit 1999 zusammen, die nächste gilt als regionale Größe in der Metal-Szene und die Jungs von „Antiheld“ sind seit wenigen Tagen prämiert: Wenn der Rock-Days- Verein und das Forum 22 zum Weihnachtsoratorium laden, kommen die Bands gerne nach Bad Urach. Die Stimmung ist gut, die Location ungewöhnlich: Das sonst eher ruhige Kino-Café verwandelt sich einen Abend lang in einen Live-Club, in dem die Beats hämmern und sich keiner beschwert – Nachbarn gibt's keine.

Fürs Forum 22 und die Mitglieder des Rock Days Vereins bedeutet dies einen großen logistischen Aufwand für einen Abend: Bühnenelemente aus der Festhalle werden in den eigentlichen Loungebereich eingepasst – dafür haben die Weihnachtsoratorium-Macher im Lauf der Jahre ein eigenes System ausgetüftelt: „Wir haben dafür sogar eine Holzkonstruktion gebaut“, erklärt Thomas Hummel.

Der begleitet das inzwischen zwölfte Weihnachtsoratorium schon seit vielen Jahren, knüpfte für das Forum 22 Kontakte zu den Bands. Seit vier Jahren ist der Rock-Days-Verein nun mit in die Organisation dieser Veranstaltung eingestiegen, dessen Vorsitzender Hummel ist: „Wir kümmern uns um die Bands und die Technik“, berichtet er. Der Kooperationspartner Forum 22 stellt die Location und übernimmt die Bewirtung: Finanziell bleibt bei beiden Veranstaltern nicht viel übrig, auch wenn ihnen die Bands in Bezug auf die Gage entgegenkommen. Denn der Eintritt wird mit fünf Euro bewusst niedrig gehalten: Es sollen ja möglichst viele Zuschauer kommen, rund 120 waren es am Samstag.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Rock Days und Forum 22 machen Werbung in eigener Sache. Und gerade für junge und motivierte Bands gibt es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten in der Region – beim Weihnachtsoratorium wird ihnen eine Plattform geboten. Die Rock-Days-Veranstalter selbst können mal live bei Bands reinhören, die sich dafür beworben haben oder die noch ganz am Anfang stehen wie die Jungs von Audio „Payday“. Die Musiker aus Dettingen und Metzingen haben sich in dieser Formation erst vor kurzem zusammengefunden, live vor Publikum haben sie noch nicht oft gespielt – auch weil’s kaum noch Konzerte gibt. „Es existieren inzwischen aber auch immer weniger Bands, es gibt kaum noch Nachwuchs“, weiß Maximilian Meng. „Vor ein paar Jahren gab es einen regelrechten Boom an Bandgründungen, das hat aber nachgelassen“, unterstreicht Thomas Hummel.

„Payday“ jedenfalls rockt das Forum 22, heizt die Stimmung als Opener kräftig ein. Bei „Bambus Orion“ geht's gerade so weiter, die Band aus Reutlingen gilt als alter Hase in der regionalen Szene: Bereits 1999 geründet, stand die Band zunächst für Coverrock. Seit etwa vier Jahren spielt und singt die Band eigene Lieder: Als Indie und Alternative Rock'n'Roll bezeichnet Frontfrau und Sängerin Claudia Ruff den Stil, gemeinsam mit Drummerin Christine Bach sorgt sie für Frauenpower in dem Quartett.

Seit vielen Jahren eine feste Größe bei den Rock Days und dem Weihnachtsoratorium ist „Fatality“, die Musiker aus Bad Urach stehen für Thrash Metal. Als urbane Pop- Hymnen bezeichnet die Gruppe „Antiheld“ ihre Songs, dafür ist das Quartett aus Stuttgart erst vergangene Woche mit dem landesweiten Bandförderpreis „Play Live“ ausgezeichnet worden. Zum Gewinn gehört unter anderem ein Auftritt beim Southside Festival im Sommer: „Das ist eine sehr aufstrebende Band, und die wird richtig gut“, meint Thomas Hummel und freut sich. „Wir hatten sie schon gebucht, als sie noch bezahlbar war.“

Weitgehend festgezurrt ist inzwischen auch das Programm für die 16. Rock Days, die am 24. Und 25. April stattfinden: „Wir haben wieder eine richtig große Band mit dabei“, verspricht Hummel. Doch auf wen sich das Publikum freuen kann, soll zunächst noch eine Überraschung bleiben – Thomas Hummel spricht aber von einem „Knaller“.

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