Viel Herz für alte Birnensorten

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Die Birne hat es schwer. Viel schwerer als der Apfel, der immer wieder auftaucht im Portfolio der regionalen Produkte. Apfelcidre, Apfelsaft, Apfelchips – buchstäblich eine runde Sache. Dagegen spielten Birnen bei der Vermarktung typischer Streuobstprodukte im Südwesten bislang keine allzu große Rolle, sagt der Dettinger Brenner und Jungunternehmer Manuel Straßer. „Dabei wachsen die alten Birnensorten gerade im Ermstal seit mehr als hundert Jahren an hochstämmigen Bäumen.“

Diese alten Birnbaumstände sind ein wichtiger Teil der heimischen Kulturlandschaft, die Manuel Straßer gerne erhalten möchte. Und der Einsatz des Dettingers wird nun mit einer besonderen Auszeichnung belohnt: Gemeinsam mit drei seiner Zunftkollegen zählt der Brenner zu den Gewinnern des Landwirtschaftspreises für unternehmerische Innovationen in Baden-Württemberg.

Träger des Preises sind die drei berufständischen Landjugendverbände, die Landfrauenverbände und die beiden Bauernverbände. Straßer und seine Kollegen zählen zu den drei Preisträgern im Land, verliehen wird die Auszeichnung am Mittwoch in Achern.

Imponiert hat der Jury ein Produkt der so genannten „Birnoh-Gilde“, einem Verbund von baden-württembergischen Mostern und Brennern, der auch Manuel Straßer angehört. Die Experten produzieren quer durch das Ländle einen Birnen-Aperitif, und zwar immer nach dem selben Verfahren: Die Rede ist vom „Birnoh“, einem fruchtigen Gaumnenkitzler. Für den Apero aus heimischen Landen werden die Birnen gemaischt, vergoren und dann zu einem zu einem Ur-Destillat gebrannt. Im zweiten Jahr werden die Birnen gekeltert und mit naturreinem Saft vermischt. Seine Reife erlangt das Getränk schließlich durch die Lagerung im Eichenfass.

„Stars“ des leicht likörähnlichen Getränks: Die Schweizer Wasserbirne, der Gelbmöstler und die oberöstereicher Weinbirne, allesamt alte Sorten, die im Ermstal seit langem wachsen. Ernten die Verbraucher davon wieder mehr, trägt das nicht nur zum Bestand der Landschaft  bei – auch der Preis für Streuobstbirnen steigt wieder. „So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region“, freut sich Manuel Straßer. Denn der fruchtig-flüssige Appetitmacher komme beim Verbraucher äußerst gut an: „Im vergangenen Jahr waren wir schon vor Weihnachten ausverkauft – fürs kommende Jahr erzeugen wir wohl die dreifache Menge.“

Glücklich ist der junge Dettinger aber auch  über den Innovationspreis der Landwirtschaftsverbände. „Das ist eine super Sache“, sagt Manuel Straßer, der sich in seiner Arbeit ein Stück weit bestätigt sieht. Der 30-Jährige ist nicht nur staatlich geprüfter Brenner, sondern auch Betriebswirt und bereits Chef seines kleinen Unternehmens. Vor wenigen Jahren hatte Manuel Straßer, die Brennerei übernommen, die sein Vater Otto zuvor Jahrzehnte lang erfolgreich geführt hatte.

Die Kriterien Der  Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovationen wird seit 1997 vergeben, zunächst in Südbaden, seit 2000 in ganz Baden-Württemberg. Finanziell gefördert wird er von der ZG Raiffeisen und dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband e.V. Um die mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung können sich innovative Projekte aus den drei Kategorien „Landwirtschaft“, „Unternehmenskooperationen sowie „Initiativen und Gemeinden“ bewerben. Bewertungskriterien sind  Originalität der Innovation und Potenzial für andere Projekte,  Marktfähigkeit, Marketingkonzept, Betriebsführung und  Bedeutung für die Region.

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