Und demnächst auf den Bühnen der Welt

Großartige junge Stimmen wecken beim Musikherbst Urach Bewunderung und Applaus: Die Teilnehmer von Helen Donaths Meisterkurs für Gesang beweisen Können und Fortschritt im Abschlusskonzert.

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Eine besondere Attraktion ist immer wieder die Matinee, die den Meisterkurs beschließt. Dieses Jahr betreute Helen Donath sieben junge Sänger(innen), manche am Beginn einer Opernkarriere. Teils sind sie weit angereist; nicht nur aus Deutschland, auch aus Chile, China, Dänemark und Japan.

"Auf starken Fittichen" lautete das Motto aus Haydns "Schöpfung" - gestärkt und getragen vom Selbstvertrauen ins eigene Können und ihre Stimme, das Helen Donath ihren Zöglingen vermittelt, auch wenn ein Rest Lampenfieber bleibt.

Nicht nur der Adler aus der "Schöpfung", sondern auch die Stimmen schwangen sich empor in strahlende Höhen. Zunächst Keiko Enomoto mit dieser Sopran-Arie - ihre tadellos reine Gestaltung entsprach wunderbar der Atmosphäre des Oratoriums.

Den Löwenanteil machte dieses Mal jedoch die Oper aus. Gleich acht Arien umrahmten ein Operetten-Walzerlied und drei Kunstlieder von Schubert, Mendelssohn und Sibelius. Letztere forderten die Sänger in ganz anderer Weise: Hier gelten andere Gesetze, hier kommt es (auch im Klavierpart) auf detailreich nuanciertes Gestalten an.

Beeindruckend, wie Mette-Maria Øyen in warmem Mezzo Sibelius Lied von dem Mädchen interpretierte, das - wohl von der Mutter befragt - am Ende mit der schlimmen Wahrheit herausrückt. Auch ohne Schwedisch zu können, verstand man jedes Wort, jede Regung. Ansonsten war großes Bühnengefühl angesagt, die stark ausgebildeten Stimmen tragen Klang und Emotion sicher über viel weitere Distanzen als im Prof.-Dr.-Willi-Dettinger-Saal. Hinzu kam durchweg die persönliche Ausstrahlung: Paula Rohde mit ihrem leichten Sopran gab eine quirlige Despina, Johannes Schwarz einen wunderbar schauspielernden Leporello (der Don Giovannis Liebschaften der "Madamina" aus dem Musiktage-Faltblatt vorsang), der Bariton Chang Hui Tan gleich zwei Grafen, dabei einen bedrohlich wütenden Almaviva.

Als Fels in der Brandung erwies sich Salomon Zulic del Canto, der sein kraftvolles Timbre zwar noch nicht wirklich walzermäßig schwingend, doch breit strömend mit "Dunkelrote Rosen" (Millöcker) und - sehr suggestiv - mit "Mein Sehnen, mein Wähnen" (Korngold) zur Geltung brachte.

Weitere Glanzpunkte boten Mette-Maria Øyen als Carmen-Gegenspielerin Micaela auf dem Weg zu Don José (besonders schwierig: auf französisch) und Aisha Tümmler, zum einen mit der quasi perfekt durchgestalteten Arie der Frau Fluth aus Nicolais "Lustigen Weibern von Windsor" und - zum Schluss - einer fulminanten Darstellung der Norina aus Donizettis "Don Pasquale". Da passte einfach alles, getragen von nuancierter Schlagkraft und dramatischer Bühnenpräsenz. Was da noch fehlte, war ein Orchester als Gegenpart.

Korrepetitor Henning Lucius lieferte nicht nur die gewohnt kompetente Klavier-Assistenz, sondern auch die Ensemble-Zugabe. Den Teilnehmern gelingt mit seiner Unterstützung immer wieder eine witzige Schluss-Pointe, dieses Mal mit dem Titel "Da Me Ni Po Tu La Be" - Helen Donaths spezieller Routine-Übung. Die Künstlerin verabschiedete sich herzlich dankend von Zuhörern und Zöglingen. Wer weiß, wo man die jungen Leute wiedersieht? Vielleicht auf den Bühnen der Welt, vielleicht in Bad Urach?

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