Überraschung im Untergrund

Wer baut, ist nie vor Überraschungen sicher, und diese Überraschungen gehen meistens ins Geld. Das musste auch der Gemeinderat Neckartenzlingen in seiner Sitzung am Dienstag erfahren.

|
Zwölf Gewerke vergab der Rat jetzt für den Kindergarten U3. Und einiges an Geld für die Beseitigung unvorhergesehener Altlasten. Foto: Thomas Kiehl

Auch wenn Bürgermeister Krüger im Vorfeld mit Zeitzeugen gesprochen hat - was genau sich im Untergrund hinter dem Feuerwehrhaus befindet, wusste niemand so genau. Hier, wo momentan die Kindertagesstätte U3 gebaut wird, standen früher Gebäude der Melchiorspinnerei, die irgendwann einmal abgerissen worden sind. Wann was wo stand, konnte nicht eruiert werden, und genaues Kartenmaterial oder Lageskizzen wurden nicht gefunden. Auch die erforderlichen Probebohrungen samt Gutachten brachten im Vorfeld nichts zu Tage.

Jetzt aber wurde der Bauherr, die Gemeinde Neckartenzlingen, samt dem Gemeinderat von der Erkenntnis überrascht, dass bei den Aushubarbeiten für das Untergeschoss belastetes Aushubmaterial aus früheren Verfüllungen gefunden wurde. Wie Architekt Volker Pfeiffer aus Nürtingen auch mit Fotos belegen konnte, hatte hier einmal eine Halle gestanden - es wurde eine komplette Bodenplatte mit Stampfasphaltplattenbelag gefunden, dazu Streifen- und Stützfundamente und jede Menge Stahlstreben. Der Architekt und die Fachleute vor Ort gehen davon aus, dass die Halle damals abgerissen und das Loch einfach mit Bauschutt, bestehend aus verschiedensten Materialien, aufgefüllt worden war. Dazu kommt noch, dass selbst ein kleines Gartenhäuschen auf dem Gelände einen riesigen Betonsockel hatte.

Die relativ aufwendige Entfernung der Bodenplatte und das Ausbaggern dieser Altlasten verursacht natürlich Kosten, mit denen vorher niemand gerechnet hatte. Mit etwas über 30 000 Euro schlagen die Altlasten zu Buche, dazu kommt noch die separate Entsorgung des Boden- und Bauschuttgemisches mit ebenfalls rund 30 000 Euro. Notwendig geworden ist diese separate Entsorgung der rund 600 Kubikmeter Erde, weil der Aushub - der natürlich auf Schadstoffe überprüft worden ist - nicht auf die Erddeponie gebracht werden darf. Der Abtransport des Bodens soll in den Osterferien stattfinden.

Bereits im Januar hatte sich der Rat mit der Baugrundverbesserung beim Neubau der Kindertagesstätte beschäftigt. Damals wurde bekannt, dass die geplanten Rüttelstopfsäulen nicht zum Einsatz kommen können, man entschied sich damals für eine Betonplombengründung. Diese ist inzwischen zu 90 Prozent mit gutem Erfolg von der Firma Brodbeck aufgebracht worden, wie Architekt Pfeiffer berichtete, so dass auch die genauen Kosten errechnet werden können. Sie liegen brutto bei knapp 88 000 Euro.

Diese zusätzlichen Kosten wurden von den Räten natürlich hinterfragt, sie interessierte, "wie man eine ganze Bodenplatte übersehen kann?" (Tri Tsolakidis, Neckartenzlinger Bürger). Jürgen Schöllhammer (FBL) wollte wissen, welche Gebäude sich vorher an dieser Stelle befunden hatte und musste sich von Volker Pfeiffer sagen lassen, dass auch auf dem Altlastenkataster nichts vermerkt ist, man aber an die Verpflichtungen aus dem Bebauungsplan und dem entsprechenden Baufenster aus dem Jahr 1991 gebunden ist.

Dass diese Sünden der Vergangenheit die Verwaltung gerade jetzt einholen, wo sowieso fast kein Geld mehr da ist, das ist Pech. Bürgermeister Herbert Krüger stellte dazu fest, dass solche Vorkommnisse dank des Bodenschutzgesetzes aus dem Jahr 1999 nun nicht mehr vorkommen, man aber glücklicherweise auch keine gefährlichen Stoffe gefunden habe.

Wie gewonnen, so zerronnen: Vor der Diskussion über das Erdreich bei der neuen Kindertagesstätte hatte der Gemeinderat insgesamt zwölf Gewerke vergeben, bei denen bei der Ausschreibung ein gutes Ergebnis erzielt worden war. "Obwohl die Preise im vergangenen Jahr explodiert sind, haben wir einen guten Ausschreibungszeitraum erwischt und dank sehr präziser Vorgaben haben wir gute Ergebnisse", berichtete Architekt Volker Pfeiffer. Vergeben wurden insgesamt zwölf Gewerke: Trockenbauarbeiten; Dachabdichtung und Dachbegrünung; Fenster und Verglasung; Flaschner und Klempner; Estrich; Bodenbelag; Fliesen- und Plattenarbeiten; Maler- und Lackierarbeiten; Schreinerarbeiten; Gerüstbau; Schlosserarbeiten sowie Sonnenschutz. Die Vergabehöhe liegt bei rund 450 000 Euro, die Kostenberechnung lag einiges darüber, nämlich bei etwa 530 000 Euro.

Mit dem damit eingesparten Betrag bei den Gewerken von rund 80 000 Euro kann ein Teil der Mehrkosten für die Tiefergründung und die Altlasten gedeckt werden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gesucht: Ideen und Investoren

Die Stadt will das Areal rund um den Ulrichsturm neu gestalten. Am Montag startet deswegen ein Architekten- und Investorenwettbewerb. weiter lesen