So gesehen · Ist der Tisch noch frei?: 0150 statt 0815

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Können Tische frauenfeindlich sein? Nein? Glauben Sie nicht? Na, dann fragen Sie mal bei St. Johanns Gemeinderätin Ingrid Eissler-Bimek nach. Ihr freilich nicht ganz bierernst gemeinter Hinweis am Mittwochabend, war einer von zahlreichen, die der Rat im Bauch des Würtinger Rathauses diskutierte.

Zu abendlicher Stund' begaben sich die Mandatsträger zum Ortstermin in den schmucken Gewölbekeller und taten das, wofür sie bekannt, manches mal vielleicht sogar berüchtigt sind, wofür sie aber freilich auch gewählt wurden: Sie diskutierten. Und das mit Ausdauer, mit Hingabe, detailverliebt, immer aber auch praxisorientiert. Nein, dass sich die St. Johanner Räte ihre Entscheidungen leicht machen würden, das kann man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen. Seien es Details von Bebauungsplänen, die Vor- oder Nachteile bestimmter Traktorengattungen oder eben die Beschaffenheit von Tischen, die künftig in die Würtinger Gemeindehalle einziehen sollen. Immer gilt gleichsam die Maxime: Hektik ist der Feind der Präzision.

Da standen sie nun also dicht gedrängt im Würtinger Keller. Der Platz war nicht zuletzt deswegen so knapp, weil sich neben den Räten sechs Tische im Raum befanden, die Bürgermeister Eberhard Wolf dort zuvor aufbauen ließ. Oberflächenbeschichtungen wurden ausführlich besprochen, der Klappmechanismus der Tischbeine wurde sorgfältig begutachtet, die Gewichte taxiert und die Stapelfähigkeit der Möbel mit vollem Körpereinsatz geprüft. Zur Sprache kamen zahlreiche Aspekte, die ein von der Welt der Tische bislang Unbeleckter so nicht auf dem Zettel haben konnte.

So auf den Tisch kam denn auch das Diskriminierungspotential, das einer ausgestellten Modellvariante offenbar besonders zu eigen ist - jedenfalls wenn man eine Frau ist und sich gerne mal im Rock zeigt. Im Gestänge der Tischbeine sah Ingrid Eissler-Bimek dahingehend erhebliches Konfliktpotential. Ihr Hinweis kam jedoch zu einem Zeitpunkt, da sich vor allem die männlichen Räte bereits heiß geredet hatten. Sie stellte mit ihrem lakonischen Einwurf lediglich sicher, dass auch wirklich jeder mögliche Aspekt abgewogen ist.

Die Wahl fiel bei Angeboten zwischen rund 15 400 und 22 600 Euro letztlich auf das Modell 0150, Palettenausführung, Oberfläche weiß "Resopal 1". Preis für 66 Stück, samt sechs Transportwagen knapp 17 000 Euro. Der Beschluss des Rats fiel übrigens bei einer Gegenstimme. Sie kam von Florian Bauer, nicht von Ingrid Eissler-Bimek.

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