Sie geht Hündchen lynchen

Mordphantasien im Walzertakt? Kein Problem für Sarah Hakenberg. Mit liebreizendem Lächeln und süß klingenden Liedern killt sie lustvoll Hamster und Hunde: Tiefschwarzes Musikkabarett in Dettingen.

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Sarah Hakenberg, hier parodiert sie die Zunft der Songwriter, begeisterte ihr Publikum in Dettingen.  Foto: 

Böse. Die Frau ist einfach böse. Schneidet ihren Protagonisten die Arme ab, ertränkt Hamster in der Toilette und geht freundlich strahlend "Hündchen lynchen in München".

Ganz schön diabolisch, der Humor der Sarah Hakenberg. Dabei sieht die junge Frau aus, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Ein zierliches Persönchen im schwarzen Glocken-Mini steht auf der Bühne der Dettinger Kabarett-Tage im Zillenhart-Saal. Charmant lächelnd hält Sarah Hakenberg, von der Kritik bereits vielfach als neuer Stern am Kleinkunst-Himmel gefeiert, verschiedene Versionen des "Struwwelpeter" ins Publikum. Der Kinderbuch-Klassiker von Heinrich Hoffman aus dem Jahr 1845 liefert den Stoff, aus dem ihre tiefschwarzen Parodien sind: "Struwwelpeter reloaded" heißt das Programm der Künstlerin - eine Satire auf die pädagogische Neuzeit, inspiriert von Sarah Hakenbergs familiären Umfeld. Denn in ihrer Verwandtschaft sei der Beruf des Lehrers und Erziehers bestens vertreten, bekennt die gebürtige Kölnerin nach ihrem Auftritt in Dettingen.

Klar also, dass die Kabarettistin vertraut ist mit den "legalen Drogen" der Kindheit zwischen Smartphone und Fast-Food-Tempel: "Wer stimuliert sich heute noch mit Speed und Kokain? Für Kinder und Erwachsene gibt es jetzt doch Ritalin", textet Sarah Hakenberg in ihrer rabenschwarzen Hymne von der "Ritalin-Aline", dem Gegenwarts-Pendant zu Hoffmanns Zappelphilipp. Oder der Suppenkasper: Der ist bei Hakenberg der "dralle Kalle", der auf dem Spielplatz in der Röhrenrutsche steckenbleibt. Schuld ist das siebte "Happy-Meal" (das Kindermenü einer bekannten Burger-Bräterei), folgert die Kabarettistin, während sie dem Flügel in bester Liedermacher-Manier melodiöse Klänge entlockt.

Ja, die Hakenberg kann einiges: Singen, famos Klavier spielen und wunderbare Endreime basteln. Ihre Jungens-Clique geht im Freibad "kecke Schnecken necken", muss dann aber leider einsehen: "Euer Leben hängt am Fädchen, ärgert Ihr zu sehr die Mädchen".

Schon fast makaber die Nummer namens "Mandy, guck aufs Handy": Beim Update des "Hans-guck-in-die-Luft" säbelt der Schneider "schnipp-schnapp" nicht nur den Daumen, sondern gleich den ganzen Arm der Smartphone-Enthusiastin Mandy ab:. "So kriegst du passend, wenn auch erblassend, zur Handyapp ein Handicap", stabreimt die Sängerin.

Scharfzüngig und ironisch bewegt sich Sarah Hakenberg durchaus in der Tradition von Chansonniers wie Georg Kreisler - und zwar nicht nur, weil sie dessen Melodien zitiert: Im Dreivierteltakt geht's zum "Hündchen lynchen in München" frei nach "Tauben vergiften im Park". Selten hat Schabernack so viel Spaß gemacht.

Manchmal bleibt einem ob der Hakenbergschen Ironie aber auch das Lachen im Halse stecken. Etwa, wenn sie, einen Marsch anstimmend, zum Kinderfest der NPD lädt ("mit Sprit intus klappt auch der Hitler-Gruß"), wo am Ende das Auto einer türkischen Familie in Flammen aufgeht.

Im Finale bekommt dann der Schlager mitsamt dem "Musikantenstadl" sein Fett weg. Hansi Hinterseers Fingerschnalzer, Helene Fischers "Dance-Moves" - die Hakenberg hat es drauf. Auch textlich: "Droht dir alles zu entgleisen, höre Florian Silbereisen. Wird die Alte auch nicht frischer, tröstet dich Helene Fischer": XXL-Beifall im Saal.

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