Schritte gegen die große Flut

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Gegen Unwetter-Szenarien wie die im vergangenen Juli will Dettingen in Zukunft besser gewappnet sein: Hart getroffen hatte es auch die Schillerschule. Die unteren Geschosse wurden komplett überflutet, wie hier die Aufräumarbeiten zeigen.  Foto: 

Mit voller Wucht peitschte der  Regen in der Gewitternacht des 26. Juli auf Dettingen herunter. Die Folgen sind  bekannt. Vollgelaufene Keller, überflutete Hallen, zerstörte Schulräume und Vereinslokale. Die Schäden an privaten und kommunalen Gebäuden gehen in die Millionen und  beschäftigen Bürger und Gemeindeverwaltung bis heute.

Diskutiert wird seit der Unwetternacht viel in Dettingen. Darüber, wie sich die Bürger besser vor den Fluten schützen können beispielsweise. Ob weitere Vorsichtsmaßnahmen nötig sind, und ob die Verdohlung beim Talgraben grundsätzlich zu klein geraten ist, um das herabstürzende Wasser aufzufangen. Das Areal zwischen dem Freizeitzentrum Neuwiesen und der Buchhalde hatte es so ja heftig erwischt, dass die Feuerwehrmänner nachts meterhoch im Wasser standen. Um es mit Dettingens Ortsbaumeister Farag Khodari zu sagen: „Dieses Hochwasser ist mit den Unwetterkatastrophen von Braunsbach und Künzelsau vergleichbar.“

Der Grund, weswegen Gemeinderat und Verwaltung seit längeren darüber nachdenken, wie sie die Bürger besser vor Hochwasser und Überschwemmungen schützen, oder zumindest die Informationslage verbessern können. Gleich vorab: Hundertprozentigen Schutz gegen Unwetterkatastrophen wie die jüngste wird es nicht geben, stellt Dettingens Bürgermeister Michael Hillert klar: „Wenn es pro Quadratmeter 120 Liter Regen ins Tal spült, kann das kein Abwassersystem der Welt schlucken.“

Dennoch arbeitet Dettingen in den kommenden Monaten verschärft an einem so genannten Starkregen-Risiko-Management. Geplant ist ein für den Ort maßgeschneidertes Konzept. Eine Richtschur,  die besonders den durch Oberflächenwasser verursachten Gefahren (siehe Juli-Unwetter) Rechnung trägt. Zwar existieren bereits Hochwasserkarten für die Erms, doch der Fluss selbst ist in Dettingen weniger problematisch. Dort hadert man eher mit dem ansteigenden Grundwasser.

Aber zurück zum geplanten Konzept, das Ortsbauamtschef  Farag Khodari jetzt im Gemeinderat vorstellte.  Die Pläne basieren auf  dem Leitfaden für das kommunale Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg, den das Land im Sommer veröffentlicht hatte. Damit gibt die  grün-schwarze Regierung den Kommunen ein einheitliches Verfahren an die Hand, um vom Starkregen ausgehende Risiken zu analysieren und so kommunale Starkregenkarten erstellen zu können.

Auf dieser Grundlage können  Gemeinden Maßnahmen erarbeiten, die mögliche Schäden im Ernstfall vermeiden. Oder zumindest spürbar verringern.

Genau das hat Dettingen jetzt vor. Das Ortsbauamt stehe bereits im Kontakt mit verschiedenen Ingenieurbüros, die sich auf Hochwasserschutz- und  Starkregenkonzepte spezialisiert haben, so Khodari weiter. Übersetzt heißt das: Spezielle Hochwasserkarten und Computersimulationen sollen zeigen, wie sich die Wasserstände in Dettingen unter bestimmten Szenarien entwickeln.

Davon abhängig entscheiden Rat und Verwaltung dann, wo noch präventiv gebaut werden muss, um den Fluten Einhalt zu gebieten. Aber nicht nur auf kommunale Bauten und Areale zielt der Leitfaden ab. Auch Privatleute sollen Handlungsempfehlungen für den Notfall erhalten, betont Hauptamtsleiter Ralf Barth.

Erstrebenswert für die Kommunen: Das Land fördert die individuellen Starkregen-Pläne mit beachtlichen Zuschüssen. Rechnen können die Dettinger laut Khodari mit bis zu 70 Prozent der Kosten, und die liegen immerhin zwischen 100 000 und  200 000 Euro. Vorausgesetzt, die Gemeinde wird ins entsprechende Förderprogramm aufgenommen.

Dettingen habe seine Hausaufgaben aber gemacht und bereits einen Handlungsplan erarbeitet (dazu gehört die Nachbereitung des Unwetters und ein Einsatzplan für den Ernstfall). Nun stünden die Chanchen gut, wie erste Gespräche Khodaris  mit Regierungspräsidium und Landratsamt ergeben haben.

„Wir sind vorne mit dabei, wenn wir in den nächsten Tagen unseren Antrag stellen“, so der Baufachmann. Stehen könnte die Starkregenkarte dann bereits bis Ende des Jahres.

Hochwasserschutz-Bauten auf privatem Gelände sind Privatsache. Die Gemeinde Dettingen bezuschusst nun aber das Vorhaben eines Eigentümers im Stormweg 1, weil es sich dort um einen Sonderfall handle, so Bürgermeister Hillert. Trotz eines kommunalen Schachtes ist das Haus bereits zweimal überflutet worden. Gebaut wird nun eine Hochwassermauer.

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