Obstbäume für die Kulturlandschaft

Gütlesbesitzer aufgemerkt: Damit die landschaftsprägenden Streuobstwiesen nicht von der Bildfläche verschwinden, schafft die Stadt Bad Urach finanzielle Anreize für all die, die einen Baum pflanzen wollen.

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So ein Hochstamm der Apfelsorte „Gerlinde“ ziert jede Obstbaumwiese dieser Region, ebenso wie andere heimische Obstbäume. Und wenn Ende April die ersten Kirschen blühen und ganze Täler mit ihrer weißen Pracht sowie dem Duft nach Frühling erfreuen, zieht es nicht nur Bienen in die Natur. Aber von allein bleiben die Streuobstwiesen nicht so, wie sie sind. Sie zu pflegen ist mit Aufwand verbunden, mit Arbeit, die sich finanziell kaum lohnt. Die unangenehme Folge: Diese für die typische Kulturlandschaft so wichtigen Obstbaumwiesen bleiben oft sich selbst überlassen. Niemand schneidet die Bäume zurück, niemand erntet sie, niemand mäht die Wiesen. Aus Streuobstland wird ein gefundenes Fressen für den vorrückenden Wald. Der Untere Galgenberg in Bad Urach (wo die Grünschnittsammelstelle ist) ist seit einigen Jahren ein Beispiel dafür, wie eine beinahe schon verlorene Fläche wieder zurückgeholt werden kann. Mit Plenum-Mitteln (37 000 Euro) haben die Stadt Bad Urach sowie der hiesige Obst- und Gartenbauverein (OGV) alte Kirschbäume entfernt, neue gepflanzt, 25 Walnussbäume eingesetzt und mit Haselnusssträuchern weitere nussige Akzente gesetzt. Noch tragen die Nüsse keine Früchte, wie Stadtgärtner Walter Kugele berichtet, einige Jahre wird man noch warten müssen. Ideen für die Vermarktung gibt es bereits: Wellness-Öl, passend zu einer Kurstadt mit eigenem Thermalbad. Lediglich ein Ölmüller, der sich auf Nüsse versteht, müsse noch gefunden werden, sagt Walter Kugele, der gestern das neueste Streuobsterhaltungskonzept der Stadt vorgestellt hat. Die fördert den Einstieg in den Streuobstbau, indem sie den Kauf von Hochstämmen mit 50 Prozent des Listenpreises subventioniert. Dann kostet ein Baum statt 30 nur noch 15 Euro. Der Gemeinderat hat dazu 2000 Euro bewilligt. Wer also einen Baum für sein Gütle kaufen möchte, kann bis zum Donnerstag, 5. April, bei der Stadt einen (oder mehrere) bestellen. Vordrucke sind im Rathaus und in den Verwaltungsstellen der Stadtteile erhältlich. Abgeholt werden die Bäume am Samstag, 13. April im Lehr- und Schaugarten des Obst- und Gartenbauvereins in der städtischen Obstanlage am Unteren Galgenberg. Auch dieses Grundstück ist ein Kind der Plenum-Förderung und wäre ohne die ehrenamtliche Arbeit einiger OGV-Mitglieder nicht zu stemmen.

Stadt und OGV geht es mit dieser Initiative in erster Linie darum, Streuobstwiesen allgemein und alte Sorten im besonderen zu erhalten. Eine Prämisse ist freilich, dass es sich bei den Bäumen um solche handelt, die auch einen Ertrag abwerfen. Reine Mostobstsorten werden nicht angeboten, Tafelobst steht im Vordergrund, wie Günther Wurster vom OGV präzisiert. Übrigens helfen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins jenen Neueinsteigern, die sich womöglich mit so einem kleinen Bäumchen überfordert fühlen. Auf Wunsch besorgen sie den richtigen Baumschnitt. Wenn am Abholtermin, dem Samstag, 13. April, das Wetter mitspielt, bieten Stadt und OGV weitere Aktionen rund um den Obstbau am Unteren Galgenberg an. Wer kein Wiesengrundstück besitzt, kann sich auch für den eigenen Garten eindecken. Wiese oder Garten, das ist einerlei, wichtig ist nur, dass sie jeweils auf Uracher Gemarkung liegen. Die Hochbäume sind bei der Auslieferung etwa eineinhalb Meter hoch und erreichen eine Höhe zwischen vier und fünf Meter.

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