Noch geht es ohne Kredit

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Diese Binsenweisheit bewahrheitete sich während der ersten Haushaltsberatung des St. Johanner Gemeinderats. Die Kommune muss kräftig in die Rücklagen greifen.

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Für die Kinderbetreuung muss die Gemeinde dieses Jahr einiges aufwenden. Foto: Simon Wagner

Licht fiel im Jahr 2011 in Form sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen auf die Gemeinde. Die damaligen Einkünfte werfen jedoch lange Schatten. Die Steuereinnahmen von einst, sind die Grundlage für die Berechnung der Steuerkraft-summe von heute. 2013 liegt sie auf dem zweithöchsten Niveau, das die Gemeinde je erlebte. Die unschöne Begleiterscheinung: Im Gleichschritt mit der kommunalen Steuerkraft steigen auch die Abgaben an das Land und an den Kreis. Gleichzeitig sieht sich Kämmerer Holger Kuhn einem regelrechten "Einbruch" bei der Gewerbesteuer gegenüber. Kalkulierte er im Jahr 2012 noch mit einer Million Euro, geht er für 2013 nurmehr von 800 000 Euro aus.

Rückläufige Einnahmen, stagnierende Zuweisungen und steigende Ausgaben bildeten den Hintergrund, vor dem nun die Haushaltseckdaten des laufenden Jahres vorgestellt wurden. Bürgermeister Eberhard Wolfs Bestandsaufnahme: "Wir haben 2013 sehr zu kämpfen, um einen ausgeglichenen Haushalt einzubringen." Im Gegensatz zu anderen Kommunen im Land könne für St. Johann ein allgemein positiver Trend nicht festgestellt werden. Für ihn steht fest: "Wir können uns nicht groß über Wünschenswertes unterhalten, sondern müssen schauen, dass wir unsere Aufgaben angemessen erfüllen." Er warnte: "Wenn sich die Finanzausstattung der Gemeinde nicht grundsätzlich ändert, werden wir nicht umhin kommen, strukturelle Veränderungen vorzunehmen und Kosten nachhaltig zu reduzieren."

Steigende Kosten für Strom und Energie, die Unterhaltung der gemeindeeigenen Infrastruktur, aber insbesondere auch steigende Personalkosten führen dazu, dass das dennoch erwirtschaftete, geringe Steuerplus schnell aufgezehrt wird. Hinzu kommt die weiter sinkenden Einwohnerzahl. Im Vergleich zu 2012 leben 5080 Bürger und damit 60 Einwohner weniger in der Gemeinde. Das bedeutet Mindereinnahmen aus Zuweisungen von rund 60 000 Euro, bei gleichbleibenden Fixkosten. Um dennoch notwendige Investitionen zu schultern, ist eine deutliche Entnahme aus den Rücklagen über 929 000 Euro vorgesehen. Am Ende des Jahres wären noch rund 400 000 Euro im Gemeindesäckel. Für den Neubau des Feuerwehrhauses in Würtingen sind 2013 immerhin 600 000 Euro eingeplant, der Ausbau der Kleinkindbetreuung schlägt mit 275 000 Euro zu Buche. Insgesamt laufen im Vermögenshaushalt Ein- und Ausgaben von rund 2,3 Millionen Euro auf. Hier eingerechnet ist auch die positive Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt über 66 800 Euro (Vorjahr gut 208 000 Euro). Dieser schließt, nach jetzigem Stand, mit einem Volumen von rund 8,6 Millionen Euro. Der Gesamthaushalt ist somit auf rund 10,9 Millionen Euro beziffert. Er liegt damit unter dem Ansatz des Vorjahres (knapp 11,32 Millionen Euro).

Immerhin: Der Gemeindehaushalt kommt ohne neue Kreditaufnahme aus. Anders die Eigenbetriebe. Sie schließen beide ohne Gewinn. Die Wasserversorgung beansprucht 2013 dabei 350 000 Euro zusätzliches Kapital, die Abwasserbeseitigung gar 1,8 Millionen Euro. Die Darlehen erhöhen die Gesamtschulden der Gemeinde auf 6,9 Millionen Euro (Vorjahr 5,1 Millionen Euro): 1340 Euro pro Kopf.

Die vorgelegten Zahlenwerke nahmen die Räte diskussionslos zur Kenntnis. In separaten Gesprächen mit den Ortsvorstehern will Bürgermeister Wolf nun die kommende Beratung zu einzelnen Mittelanmeldungen im Gremium vorbereiten.

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