Nicht nur Kur, auch Kultur

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Musiktage-Macher und Ehrengäste bei der Eröffnung in der Bad Uracher Festhalle: Festivalchef Florian Prey, Philosoph Wilhelm Schmid, Bürgermeister Elamr Rebmann, Regierungspräsident Klaus Tappeser und Kulturreferent Thomas Braun.  Foto: 

Soll einer sagen, Kammermusik funktioniere nur nach dem althergebrachten Muster. Das Münchner „Orange String Quartet“  belehrt uns da eines Besseren. Bei den vier Musikern klingen die Streichertöne mal verdächtig nach Heurigen, dann verspielt nach Jazz und schließlich rockig nach dem Soundtrack einer bekannten Autowerbung (Eric Clapton steht Pate). Kurz das Konzert zur Eröffnung der Herbstlichen Musiktage  Bad Urach machte richtig Laune. Oder, um das mit Regierungspräsident Klaus Tappeser zu sagen, der das Festival erstmals ins seiner jetzigen Funktion eröffnete: „Das war nicht E-Musik, sondern S-Musik, also Spaß-Musik.“

Der ehemalige Rottenburger Oberbürgermeister hielt überhaupt viel Lob für das „ausgesprochen qualitätsvolle“ Bad Uracher Klassik-Festival bereit. Einmal pro Jahr gebe es einen festen Termin im Kulturkalender des Landes Baden-Württemberg, so der CDU-Politiker. „Und der liegt nicht in Stuttgart oder Mannheim, der liegt in Bad Urach.“  Dort, in der „Hauptstadt des Biosphärengebietes“ biete man Gästen und Einheimischen „nicht nur Kur, sondern auch Kultur“.  Letztere nicht nur in den Metropolen zu fördern, sondern auch in der Provinz, sieht der Regierungspräsident als wichtige Aufgabe des Landes. Denn mit Blick auf Kultur und Natur: „Vieles, was unser Land auszeichnet, findet sich in Bad Urach wieder.“

Bezogen auf die Herbstlichen Musiktage, machte das vor gut 37 Jahren vor allem der verstorbene Kammersänger Hermann Prey möglich. Prey, damals „der Bariton schlechthin“ (Tappeser), hatte das Festival bekanntlich mit dem langjährigen Bad Uracher Bürgermeister Fridhardt Pascher und einigen Klassik-Enthusiasten aus der Stadt gegründet. Eine Freundschaft war’s damals – womit wir beim Thema des Festivals wären. Das heißt dieses Jahr „Freundschaft und Liebe“. Und Florian Prey, der als künstlerische Leiter das Erbe seines Vaters verwaltet und neue Akzente setzt, bietet bis Samstag, 7. Oktober, insgesamt zwölf Konzerte auf. Darunter auch eine Uraufführung rund um Rossinis  „Petite Messe Solenelle“ mit neuen Klängen der Bad Uracher Komponistin Mari Vihmand (Samstag, 18 Uhr Amanduskirche).

Wenn eine Lokalmatadorin beim Festival zum Zuge kommt, freut das vor allem Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann. Auch das sieht der Rathauschef als Element der Freundschaft, die bei der Klassikwoche überhaupt immer eine wichtige Rolle gespielt habe. „Reine Personalityshows hat es bei uns selten gegeben. Hier sind viele Freundschaften gewachsen.“ Das Motto der Musiktage werde beim Festival seit Jahren gelebt, so Rebmann, der mit Blick auf Geldgeber aus Kreis, Land und Firmen auch die Rolle der Sponsoren  unterstrich.

Verzichten muss die Stadt in den kommenden Jahren allerdings auf ihren bislang wichtigsten Unterstützer: Die Volksbank Ermstal-Alb steigt nach 37 Jahren zumindest als Hauptsponsor der Herbstlichen Musiktage aus.

Freundschaftlich verbunden bleiben die Banker der Konzertwoche weiterhin, so Rebmann. Die Gäste des  Eröffnungsabends sind das auch: Nach einem launigen Vortrag des Philosophen Wilhelm Schmid zum „Glück der Freundschaft“  gab’s in der voll besetzten Festhalle noch gute Gespräche bei Metzinger Wein und Uracher Schinkenhörnle.

Noch bis zum Samstag, 7. Oktober, dauern die Herbstlichen Musiktage. Alles weitere zu  Programm  und Eröffnung lesen Sie auf unserer Kulturseite.

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