Mit Jodel-Terzett und Tirolerhut

Fast wie damals bei Schuberts Freunden: Es wurde ein langer Abend mit Musik und Speis und Trank. Als Gastgeber und Mitsänger agierte Florian Prey, künstlerischer Leiter der Herbstlichen Musiktage Bad Urach.

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Mit Tirolerhut: Florian Prey.  Foto: 

Diese "Schubertiade" kam dem Original ziemlich nahe. Abgesehen davon, dass zu Franz Schuberts späterer Zeit, als die geselligen Abendunterhaltungen mit seiner Musik aufkamen, das unreife Frühwerk natürlich im Schrank blieb. Erst die wissenschaftliche Edition holte die mehr oder weniger gelungenen Komponierversuche des hochbegabten Teenagers ans Licht der Öffentlichkeit. Selten sind sie live zu hören wie nun in der Bad Uracher Festhalle, allerdings vor relativ wenig Publikum.

Florian Prey und seine entdeckungsfreudigen Mitstreiter widmeten sich den für den privaten Bereich komponierten Vokal- und Instrumentalstücken mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen. Sie nahmen sie ernst als "erwachsene" Musik. Als Glücksfall erwies sich die Beteiligung des Diogenes Quartetts, das in seine Streichquartett-Gesamteinspielung auch das Frühwerk aufgenommen hat. Daraus (aus D 89, D 18 und D 74) verwendeten die vier Musiker Einzelstücke und Sätze als Streicher-Zwischenmusiken. Mit wachem Gespür für Ausdruck, Tempo und Stil öffneten sie das Ohr für den frühen Schubert und seine musikalische Reife.

Abwechselnd traten in den zwei ersten Teilen des Abends die Sänger Florian Prey, Verena Krause und Johannes Klüser mit je drei, vier Liedern nach vorn, sicher begleitet von Tomá Spurný am Flügel. Da war zu hören, woran sich der frühe Schaffensrausch entzündete: Gedichte von Goethe, Schiller, Matthisson und Hölty, vertont teils als opernhafte Szene, teils in schlichter Form mit dramatischen Einbrüchen, darunter quasi als Nachtrag zu Beethoven die "Adelaide" und der Geniestreich "Gretchen am Spinnrade".

Später auch eins der ersten Lieder: "Des Mädchens Klage" (D 6), geschrieben mit 14, groß angelegt, stilistisch gemischt und sängerisch anspruchsvoll - da wurde der Sängerin viel abverlangt! Florian Prey und die schon mehrfach in Bad Urach aufgetretene Sopranistin Verena Krause als erfahrene Schubert-Interpreten zeichneten die Lieder gekonnt nach. Der Tenor Johannes Klüser schien indisponiert, stimmliche Schwächen kompensierte er durch deutliche Text-Aussprache.

Der dritte Teil des Abends enthielt eine Folge von vier Werken, die Schubert allesamt an einem Tag, dem 26. Mai 1815 niedergeschrieben hat: gleich zwei "Mailieder", "Der Morgenstern", das von den Befreiungskriegen inspirierte "Jägerlied" und "Lützows wilde Jagd", nur die anzügliche "Liebeständelei" fehlte. Hier durften auch ein paar von den damals in Wiener Privathäusern sehr beliebten mehrstimmigen Gesängen nicht fehlen - ein gewisses Risiko für die Solo-Sänger auf der Bühne, denen es verständlicherweise schwer fiel, spontan vom Solisten- auf den Ensemble-Modus umzustellen; vermutlich war die Probenzeit knapp bemessen. Dass Verena Krause im Terzett den Tenorpart übernahm, unterstrich die Werkstatt-Atmosphäre.

Dafür gelang der "Hochzeitsbraten" um so saftiger, der zum Abschluss von allen Beteiligten serviert wurde. Zwar kein Jugendwerk, jedoch ein Beispiel für die komische Ader, die der Komponist der "Winterreise" wohl doch besaß. Wie sonst wäre Schuberts finales fideles Jodel-Terzett zu erklären, das Krause, Klüser und Prey gut gelaunt - mitsamt Tirolerhut und falschem Plüsch-Hasen - zum Besten gaben? Auch das Publikum amüsierte sich bestens und beschloss die Kammermusiknacht mit viel Applaus, gefolgt von zwei Zugaben, zuletzt dem "Punschlied" nach Schiller.

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