Michael Donth (CDU): Immer mittendrin

Kanzler-Bonus und ein sicherer Wahlkreis: Eigentlich könnte sich Michael Donth entspannt zurücklehnen. Doch er ist auf Wahlkampftour. Mehr als 80 Termine in vier Wochen markieren seinen Weg nach Berlin.

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    Michael Donth beim Versuch, eine junge Mutter zu überzeugen. Foto: Peter Kiedaisch
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Als Michael Donth Ende Juli in Zaininger Tracht beim Schäferlauf mitmarschierte, war er einer von vielen. Mittendrin im Geschehen wie im echten Leben, dessen Facetten er als Bürgermeiser der ländlich geprägten Gemeinde Römerstein kennt, in dessen Teilort Zainingen der 46-Jährige mit seiner Frau und drei Kindern wohnt. Daran soll sich auch nichts ändern, sollte er in den Bundestag gewählt werden, woran kaum ein politischer Beobachter zweifelt. Zu sicher war der Wahlkreis Reutlingen für die CDU bislang, weswegen Spötter sagen, die wirklich wichtige Wahl habe Donth bereits im vergangenen Jahr gewonnen: die innerparteiliche Nominierungswahl. Damals unterlag Gegenkandidat Florian Weller. Der Rest sei jetzt ohnehin Makulatur.

Darauf wird sich Donth nicht verlassen. Dazu ist er Politprofi genug, wobei er gar nicht zur mehr oder minder gut beleumundeten Kaste der Berufspolitker gehört. Er ist studierter Diplom-Volkswirt und seit 1999 Bürgermeister der 4000-Einwohner-Gemeinde Römerstein. Mittendrin im Geschehen kennt er die Sorgen und Nöte der Einwohner, wie er sagt: "Landwirtschaft muss mir keiner erklären", um nur ein Beispiel zu nennen. Dass der CDU-Kandidat zum konservativen Lager zählt, streitet er nicht ab. Für ihn entscheidet sich diese Wahl in der Frage, welchem Lager die Wähler ihr Vertrauen schenken: "Wollen sie eine bürgerliche Regierung oder eine rot/grün/rote?"

Er steht für die Bürgerlichen, was sich auch in der Familienpolitik widerspiegelt. Das Ehegattensplitting etwa. Die SPD möchte es, wie es in deren Jargon heißt, "abschmelzen". Das dürfe aber nicht aufgegeben werden, sagt Donth. "Ist ja paradox. Da setzen sich SPD und Grüne erst dafür ein, dass Schwule und Lesben in den Genuss dieser Steuersubvention für Verheiratete kommen, danach wollen sie es ganz abschaffen." Auch für Familien mit Kindern, was einem Frontalangriff auf die Mittelschicht gleichkommt und die bislang unentschlossenen Wähler geradezu in eben jenes bürgerliche Lager treiben könnte. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum Michael Donth dem Wahlsonntag gelassen entgegensieht.

Andererseits gibt es die aus homogenen Schichten bestehende Gesellschaft nicht mehr. "In Baden-Württemberg sind 60 Prozent der Frauen berufstätig, vor zehn Jahren war es noch die Hälfte", erkennt Donth, und er weiß, auch Konservative müssen flexibel sein: "Wir müssen auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren. Alles andere wäre Stehenbleiben." Der Wandel wirbelt Familien durcheinander. Mütter, die mitverdienen, so gut sie es vermögen oder wollen, sind die Regel. Donth setzt in dieser Frage auf das Wollen. Insofern sieht er die CDU auf dem richtigen Weg. Sie verspricht jenen Eltern ein Betreuungsgeld, die ihr Kind zu Hause versorgen. Verpflichtende Ganztagsschulen für alle oder Ganztagsbetreuung in Kitas lehnt er ab: "Wir müssen diese Angebote schaffen", sagt er, "aber manche Eltern brauchen das nicht. Solche, die sagen: Das sind unsere Kinder, um die kümmern wir uns selbst. Wir vertrauen den Eltern." Zumal Kinderkrippen den Staat und die Kommunen "einen Haufen Geld kosten."

Mehr als 80 Termine in vier Wochen kann Michael Donth bis zum Wahlsonntag vorweisen. Das macht nicht den Eindruck, als unterschätze er seine Widersacher im Wahlkreis. Sogar die Pendler am Bahnsteig hat er frühmorgens abgepasst, um den zur Arbeit Eilenden ein Tütchen Espressopulver und ein Brötchen mit auf den Weg zu geben. Wahlkampf der kurzen Statements, das schult die Rhetorik, mithin ein Fach, das Donth ohnehin beherrscht. Nur selten verliert er in den Gesprächen mit den Bahnreisenden seine gute Laune, meist begleitet ihn ein freundliches Lächeln. Es wirkt nie aufgesetzt. So war Donth schon immer, schon als er in jungen Jahren Bürgermeister wurde und mühelos die kommunalpolitischen Bühnen (auch als Fraktionsvorsitzender im Kreisrat) prägte.

Vor der Vermögensabgabe warnt er. Die planen die anderen, die aus dem anderen Lager. Wenn ihm jemand sagt, davon nicht betroffen zu sein, widerspricht Donth. Doch. Seine Arithmetik: Wenn die eingeführt wird, werden weniger Arbeitsplätze neu geschaffen oder bestehende gefährdet: "Dann betriffts einen wieder." Auch er ist für einen Mindestlohn, aber bitte nicht von der Politik verordnet. Das müsse Sache der Tarifpartner sein. Oder, fragt er höhnisch, "trauen sich das die Gewerkschaften nicht zu?" Er möchte faire Löhne, aber ohne Zwang. Wo es freilich von alleine nicht geht, müsse dann doch der Gesetzgeber eingreifen. Der Wahlkampf jedenfalls bereitet ihm Spaß. Weil er viel in die Betriebe kommt, weil er viel mitnimmt, viel lernt.

Zur Person vom 6. September 2013
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