Märchenschloss zu verkaufen

Schloss Uhenfels steht im kommenden Jahr erneut zum Verkauf. Die Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen, nun soll ein Exposee potentielle Käufer ansprechen.

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  • Einen außergewöhnlichen 270 Grad Rundumblick auf die Landschaft gibt es vom Dach des Schlosses. 1/4
    Einen außergewöhnlichen 270 Grad Rundumblick auf die Landschaft gibt es vom Dach des Schlosses. Foto: 
  • Wie aus einem Märchen: Schloss Uhenfels präsentiert sich frisch restauriert.  Fotos: Thomas Kiehl 2/4
    Wie aus einem Märchen: Schloss Uhenfels präsentiert sich frisch restauriert. Fotos: Thomas Kiehl Foto: 
  • Ein Blick ins Innere lohnt sich, nicht allein wegen der wiederentdeckten Renaissancetüren. 3/4
    Ein Blick ins Innere lohnt sich, nicht allein wegen der wiederentdeckten Renaissancetüren. Foto: 
  • Eine einzigartige Sicht auf das Hofgut und die Parkanlage haben die potentielle Käufer. 4/4
    Eine einzigartige Sicht auf das Hofgut und die Parkanlage haben die potentielle Käufer. Foto: 
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Ein bisschen erinnert die Lage und das Schloss Uhenfels an eine der Disney-Märchenverfilmungen, wenn auch im Kleinformat. Nach sieben Jahren ist das Bauwerk nun fertig saniert, und soll wieder zum Verkauf stehen. Vier Jahre und unzählige Arbeitsstunden stecken in der Restaurierung des Schlosses und der Parkanlage. Etwas verwunschen sah das Schlössle im neuromantischen Stil wohl zu Beginn der Bauarbeiten aus. 2009 kaufte Willi Balz das Anwesen, und beauftragte Matthias Ballhaus mit der Sanierung. Auf Grund einer Insolvenz ersteigerte die Schweizer Firma Hocka Immo AG 2015 das Anwesen und setzte die Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten fort, die  2012 geendet hatten.

Hochstand im Herrenzimmer

Viele Teile des Mauerwerks waren einsturzgefährdet, wie Ballhaus erklärt. Mit gekonntem Blick zeigt der Architekt auf die Stellen der Außenmauer die erneuert wurden. Der Anblick des Schlosses von der Terrasse aus ist sehenswert, kaum zu glauben, dass er beinahe Geschichte wäre. „Balz hat das bewirkt, er hat sich der Sache angenommen“, sagt Matthias Ballhaus. Der Rundgang durch das kleine Märchenschloss beginnt der Architekt ganz oben, und damit meint er nicht das Obergeschoss, sondern das Dach. Mit zwei Handgriffen und tatkräftiger Hilfe platziert Ballhaus die kleine Treppe unter dem Dachfenster, klettert hinauf, öffnet es und macht einen Schritt nach außen. Der 270 Grad Rundumblick ermöglicht eine einmalige Sicht auf die Region. Ein Hingucker ist auch der grüne Turm des Schlosses, der vor sieben Jahren ebenfalls einsturzgefährdet war. Die Räume im Dachgeschoss sind in weiß gehalten, wobei auch hier mit einem Unikat aufgewartet wurde. Im hinteren Teil hat man die Chance das Innenleben eines Turmes zu sehen. Durch die Verglasung kann man nach oben blicken. Der Boden und Teile des verarbeiteten Holzes sehen aus, als wären sie aus dem 19. Jahrhundert, aber das trifft nicht auf alle zu. „Der Boden wurde von uns verlegt“, so Matthias Ballhaus. Geheim bleibt jedoch, wie man genau diese Optik geschaffen hat.

Im zweiten Obergeschoss befinden sich ein Ankleidezimmer sowie Bad und Wohnbereich. Das Schlafzimmer, vormals als Herrenzimmer bezeichnet, verfügt über ein großes Fenster mit Blick auf die Parkanlage. Als das Schloss in Besitz des Stuttgarter Bankiers Blankenfeld war, nutzte dieser eben jenes Fenster als Hochstand. „Es war deutlich kleiner“, merkt Matthias Ballhaus an. Blankenfeld sei Jäger gewesen, ergänzt der Architekt die Geschichte. Durch die Restauration bekam das Schloss wieder die original Fenstergröße und verfügt zudem über eine Anekdote mehr. Eine Etage weiter unten finden sich noch Renaissancetüren, die durch eine Farbschicht verdeckt waren. „Vieles im ersten Obergeschoss wurde übermalt“, erklärt Ballhaus. In den 1950er Jahren stand zudem die Farbe weiß hoch im Kurs, was vor Beginn der Sanierung deutlich zu sehen war. Zwar sind die Wände immer noch in der Farbe gehalten, aber die Türen und Decken sind wieder in ihrem Originalzustand zu sehen. Wobei die Scharniere und Türschlösser nachgebaut wurden. Die Decke in der ersten Etage stammt nach Aussage des Architekten aus einem Kloster und ist rund 100 Jahre älter, als das Schloss.

Im Erdgeschoss befand sich die historische Küche, heute ist es eher ein Wohnbereich mit einer neuen Küche. Der Boden besteht teilweise aus den original Fließen, teilweise musste man auf andersfarbige zurückgreifen. Ein kleiner Fleck in der ehemaligen Küche zeigt die schwarz-weiß Färbung an, die aber nicht mehr zu finden war, wie der Architekt mitteilt. Der alte Stubenofen ist aus Ulm und funktionsfähig, ebenso die alte Heizung.

Das 250 Kilogramm schwere Objekt wurde von vier Männern ins Schloss getragen, erzählt Matthias Ballhaus. Beheizt wird das zur Wohnung umfunktionierte Schloss Uhenfels durch eine Wandheizung. Ein immer noch funktionierender Speiseaufzug verbindet alle Etagen miteinander. Das Stuttgarter Fabrikat funktioniert per Handbetrieb und verfügt zudem über eine Klingel sowie ein Sprachrohr.

Etwa 32 Firmen arbeiteten an der Sanierung des Schlosses, darunter auch Wolfgang Bloos von Kreislauf Historische Baustoffe. Er war mit seiner Firma für den historischen Teil der Sanierung zuständig, wie Ballhaus erklärt.

Unter der Aufsicht der Denkmalpflege Baden-Württemberg wurden alle Arbeiten erledigt. „Es wirkt, als wäre es schon immer so gewesen“, sagt Ballhaus und erntet Zustimmung von Iris Fromm-Kaupp, vom  Referat für Denkmalpflege. Von Beginn an ist sie an der Sanierung beteiligt. Iris Kaupp bezeichnet die Arbeit als „besonderen Glücksfall“, da viele der historischen Details überliefert sind, und sie so denkmalfachlich umgesetzt werden konnten. „Das Ergebnis ist sehr gelungen“, betont Iris Kaupp, nun hofft sie, dass der neue Eigentümer die Arbeit zu schätzen weiß. Einige der Restaurierungsarbeiten sind durch das Denkmalprogramm gefördert worden.

Für 6,5 Millionen Euro soll das Schloss Anfang kommenden Jahres verkauft werden, und das nicht schnell, sondern gut, wie Ballhaus sagt. Die Arbeiten sind abgeschlossen, nun soll ein  Exposé erstellt werden, das die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten aufzeigt. Schloss Uhenfels hat da so einiges zu bieten, ob medizinisch, technisch oder zum Brainstorming. Die Landschaft, die einmalige Lage und der Charme des schwäbischen Schlössle sollten dabei beachtet werden, meint Matthias Ballhaus. „Ich hoffe, dass es einen nachhaltigen Besitzer findet“, so der Architekt weiter.

Uhenfels wurde als Weiler zum ersten Mal 1376 erwähnt, etwa 250 Jahre danach als Hofgut. Das im 19. Jahrhundert entstandene neuromantische Schloss, liegt hoch über Seeburg und wartet mit geschichtlichen Details auf. Christian Philipp von Hayn zu Dambach kaufte 1837 mit seiner Frau Sophie von Hayn, geborene von König, Freiin von Warhausen den Uhenfels. 1841 ließen sie das Herrenhaus bauen, 1863 wird es zum Rittergut ernannt. Hofmarschall Ernst Wilhelm Friedrich von Hayn erbaute 1872 Schloss Uhenfels. Die Planung des Gebäudes stammte von Karl Ferdinand von Hayn, dem Bruder des verstorbenen Christian Philipp von Hayn. Elf Jahre später wurden die Arbeiten vollendet. Der Stil gehört der neuromantischen Architektur  an. Nachdem die Brüder von Hayn verstorben waren, fand das Schloss mit der Bankiersfamilie Warburg einen neuen Besitzer.

Georg Warburg kaufte 1899 das gesamte Anwesen. Obwohl er aus einer Bankiersfamilie kam, lag ihm diese Branche nicht. Er heiratete Lucie Kaulla, eine musisch begabte Adlige. Gemeinsam bauten sie das Hofgut Uhenfels aus. In Seeburg war die Familie gut angesehen. Nach seinem Tod bedachte Georg Warburg die Ortschaft mit zwei Stiftungen. Sein Sohn Siegmund machte eine Banklehre und arbeitete im In- und Ausland. 1934, auf Grund des NS-Regimes und Hitlers Aufstieg, zog er von Deutschland nach Großbritannien. Die Familie wurde in der NS-Zeit zwangsenteignet, der Besitz ging an die Gemeinde Trailfingen.

Die Rückgabe des Anwesens erfolgte in den 1950er Jahren, nachdem Siegmund Warburg 1948 die Herausgabe des Schlosses forderte. Den späteren Verkauf wickelte der Stuttgarter Bankier Blankenfeld ab, der drei Hektar und das Schloss für sich einbehielt. 2009 kaufte es Willi Balz, und begann mit der aufwendigen Restaurierung. 2014 ging das Gelände an die Hocka Immo AG, einer schweizer Firma. Die Sanierung wurde 2016 vollendet.

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