Lust in der Klostermühle

"Lust und Leichtigkeit" heißt die Ausstellung, die noch bis Ende Oktober im Uracher Stadtmuseum zu sehen ist. Doch es gibt dort seit Montagabend weit mehr zu sehen als Lustiges und Leichtes.

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Kulturreferent Thomas Braun und die Künstlerin, Ellen Eckel. Foto: Norbert Leister

"Lebensfreude" lautet der Titel eines der Bilder von Ellen Eckel. Wer sich das Werk anschaut, wird verstehen, warum die im preußischen Königsberg geborene Künstlerin es so genannt hat. Dabei sind die Kunstwerke - die drei im Bad Uracher Stadtmuseum ausgestellten Fotografien müssen dabei ausgenommen werde - keine gegenständlichen Werke. Zeichnungen, mit Bleistift und mit Tusche, aber auch mit anderen Techniken, hat Eckel da produziert. Und viele von ihnen zeigen eben die erwähnte Lebensfreude, sie scheinen voller Leichtigkeit und Lust zu sein - so wie die Ausstellung auch betitelt wurde. Und das, obwohl doch keinerlei reale Gegenstände, Personen oder sonstige natürliche Abbildungen zu erkennen sind.

"Sommer auf dem Land" heißen gleich drei Werke, "Dorffest" drei weitere. Auch sie protzen geradezu vor Leben und Lebenslust. Dabei wirkt es so, als ob die Künstlerin - die seit rund 40 Jahren in Oberndorf am Neckar wohnt, aber immer wieder auch längere Zeiten im Ausland verbrachte - einfach nur mit unterschiedlichen Formen und Farben spielt. Erstaunlich sind dabei die Stimmungen, die sie mit ihren Zeichnungen und Tuschezeichnungen darstellt. Ein Bild sieht so aus, als ob sich gerade ein Orchester formiert. Andere Figuren, die aber als solche gar nicht zu erkennen sind, tanzen einen fröhlichen Reigen. Wie Ellen Eckel auf die Formen, die Anordnung und die Farben kam? "Sie kommen und sind dann einfach da", sagte Ellen Eckel am Montagabend geradezu geheimnisvoll während der Ausstellungseröffnung.

Bad Urachs Kulturamtsleiter Thomas Braun hat die Ausstellung eröffnet. Er verwies darauf, dass die Künstlerin auf Grund eines folgenreichen Hundebisses (und dem damit verbundenen Ausfall ihrer "Schaffenshand") keine aktuellen Werke ausstellen könne. Somit präsentiere Eckel in Bad Urach einen Querschnitt ihrer Werke zwischen den Jahren 1997 und 2010. Sie verwende laut Braun dabei "eng umrissene, räumlich sehr bestimmte Körper", aus denen sie "einzigartige heitere Figuren" forme. Eine andere Bilderserie stellt sich jedoch ganz anders dar: "Mehrere Raumdimensionen hintereinander" würden laut Braun dort abgebildet, "immer an der Schwelle zur Gegenständlichkeit". Aber: Jeder Betrachter kann natürlich jede Menge in die Werke hinein interpretieren, gleichzeitig könnten sie nach den Worten des Kulturamtsleiters aber auch Stillleben darstellen.

Oder auch nicht - alles Weitere bleibt der Fantasie der Betrachter überlassen. Zwei andere Bilderserien entfernen sich hingegen weit von der Leichtigkeit und Fröhlichkeit der vorherigen Werke: Bedrohlich, abschreckend präsentieren sich die Bilder, "sie haben etwas von sich Weisendes", so Braun. Man könnte an Stacheldraht denken. "Ich weiß, dass sich Ellen Eckel mit Gentechnik, mit Entartung beschäftigt hat - und ich bin mir sicher, dass die Bilder in diesem Zusammenhang zu sehen sind." Schlussendlich sind im Bad Uracher Stadtmuseum im dritten Stockwerk noch drei Makro-Fotografien von Rosenblüten zu sehen, die den eigentümlichen Titel tragen: "Mit Rosen und Füßen". Die Erklärung: Zunächst würden Männer ihren Herzdamen Rosen schenken, später treten die Herren ihre Damen mit Füßen.

Thomas Braun erläuterte am Rande der Vernissage zudem, warum das Museum in der Klostermühle momentan so leergefegt aussehe: Eine neue Konzeption für das gesamte Haus werde gerade entworfen.

Einzig Sonderausstellungen - die bis zu fünf Mal im Jahr dort gezeigt würden - seien nun darin zu begutachten. Ab 2016 soll aber das neue Konzept stehen und umgesetzt sein. "Wir werden uns dann im Stadtmuseum vermehrt um die Geschichte der Stadt kümmern."

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