Lena Gorelik liest in der Stadtbücherei aus ihrem neuen Buch

Fast hätte Mischa den Namen Schlomo Adolf Grinblum erhalten. Warum der Bub beinahe so geheißen hätte, ist Thema eines Romans von Lena Gorelik.

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Lena Gorelik stellte ihr neues Buch vor. Foto: Rena Weiss

Als die Gäste den Saal in der Stadtbücherei betraten, war dieser wenig geschmückt. Nur ein Tisch mit zwei Blumen und zwei Stühlen auf einer Bühne. Nichts sollte ablenken, nichts musste ablenken, denn die Schriftstellerin Lena Gorelik und ihr Werk standen für sich.

Das Publikum ganz unterschiedlich, Jung und Alt, saß gebannt auf seinen Plätzen und wartete auf den Beginn der Lesung. Lena Gorelik wurde 1981 in St. Petersburg geboren und kam im Alter von elf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Dort lernte sie die deutsche Sprache kennen und lieben, unter anderem auch mit Pippi-Langstrumpf-Geschichten, wie Silke Schönherr, die Leiterin der Stadtbücherei, erklärte. Geschichten erfinden und schreiben, liebte Gorelik allerdings schon früher.

Sie selbst sagt von sich, dass sie nie bewusst die Entscheidung getroffen habe Schriftstellerin zu sein. "Es ist ganz schlimm, Schriftstellerin zu sein", wie sie dem lachenden Publikum erklärte. Schriftsteller haben nie frei, denn "der Kopf arbeitet immer".

Sie selbst habe bereits geschrieben, als sie anfing zu lesen und selbst davor habe sie Geschichten erfunden. Das ging sogar so weit, dass sie zum Schulpsychologen musste, weil sie, wenn sie zu spät kam, Geschichten von Alienentführungen oder ähnlichem erzählte. Das jahrelange Üben zahlte sich für die mittlerweile in München lebende im Jahr 2004 endlich aus. Ihr erster Roman "Meine weißen Nächte" wurde veröffentlicht. Ein Buch über eine in Russland geborene Frau, die in Deutschland versucht, ihren Freund, Ex-Freund und ihre russische Familie unter einen Hut zu bringen. Mit viel Witz und dabei immer wieder mitschwingender Melancholie erzählt Gorelik die Geschichte ihrer Protagonistin. In Bad Urach war Gorelik aber, um über ihren neuesten Roman zu sprechen und dem Publikum eine Kostprobe zu geben.

Die Lesung fand als Teil einer Fachtagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg statt. Die Tagung trug den Titel "Antisemitismus heute". Dazu passte das neue Buch von Lena Gorelik thematisch. Der Roman trägt einen langen Titel: "Lieber Mischa der du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest, es tut mir so leid, dass ich dir das nicht ersparen konnte: Du bist ein Jude". Dieser ungewöhnliche Titel ermöglicht dem Leser schon einen Einblick in den Ton des Buches. Wie im Titel blitzt auch im Buch neben der Selbstironie und dem Witz immer wieder der Kern des Werkes hervor: Das Leben als Jude in Deutschland.

Gorelik selbst sagt über ihren Roman: "Ich hatte die Ernsthaftigkeit über. Für mich hat Judentum sehr viel mit Humor zu tun, deswegen war das der einzig mögliche Ton, in dem ich das Buch schreiben konnte."

Längst ist jüdische Identität nicht mehr nur an den Holocaust gekoppelt, heißt es auf ihrer Internetseite. "Lieber Mischa" ist eine Art Brief an den Sohn einer jüdischen Mutter.

In diesem Brief beschreibt sie Situationen des Alltagsantisemitismus und bespricht gängige Klischees über das Judentum und die Juden. Immer wieder treibt sie ihre Beschreibungen auf die Spitze und reißt mit ihrer Ironie Grenzen auf oder hält damit so manchem Leser einen Spiegel vor.

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