Landespolizeiorchester begeistert

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Eine überzeugendes Konzert spielten die Musiker des Landespolizeiorchesters in Bad Urachs Festhalle.  Foto: 

Der gute Ton der Polizei: So nennen sich die rund 30 hauptberuflichen Musiker des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg. Vor rund 230 Zuhörern in der Bad Uracher Festhalle konnte das Orchester diesen Anspruch vollständig erfüllen. Einziger Wermutstropfen: Nach nur einer Zugabe war das zweistündige Programm beendet, die Beleuchtung hellte sich auf und beendete alle Hoffnungen auf ein weiteres Stück des Orchesters.

Das hatte zuvor unter der Leitung des frisch gebackenen Musikprofessors Stefan Richard Halder auf ganzer Linie überzeugt. Und das nicht nur musikalisch: Dirigent Halder setzte mehrmals seinen ganzen Körper ein, um sein Ensemble zu dirigieren, er tänzelte, lachte und kniete da auch schon einmal auf der Bühne. Während der Zugabe dirigierte Halder gleich noch das klatschende Publikum durch einen zünftigen Marsch. Der 40-jährige Dirigent ist ein Meister seiner Zunft – bereits mit 19 Jahren leitete Halder sein erstes Blasmusikorchester.

Mal dramatisch, mal feinsinnig

Den Auftakt machte das Orchester mit eher klassischen Stücken, der Symphonic Overture Op. 80 von James Barnes, das dieser zum 50-kährigen Bestehen der amerikanischen Luftwaffe komponiert hatte. Es folgte das opulent, dreiteilige Stück „La Fiesta Mexicana“ von Owen Reed, welches die Besucher nach der launigen Ansage von Moderator und Musiker Heribert Herbrich „am besten mit geschlossenen Augen“ genießen sollten. Lebenslustige und fast schon chorale Elemente wechselten sich in der Folge ab, Tempo und Lautstärke steigerten sich immer wieder dramatisch, um dann fließend in feinsinnigere, ruhigere Melodien überzugehen. Jeweils verbunden mit dem sorgsam aufeinander abgestimmten Spiel des Landespolizeiorchesters.

Mit dem 1892 von Genaro Codina komponierten Stück „Zacatecas“, der „zweiten Nationalhyme Mexikos“, so Herbrich, endete der erste Teil des Konzertes.

Deutlich modernere Aspekte der Blasmusik spielten die Polizeimusiker, denen der Rechnungshof Baden-Württemberg 2013 vergeblich den Kampf ansagte und die Auflösung des Orchesters forderte, im zweiten Durchgang: „Viva Musica“ von Alfred Reed ließ die Musik hochleben, ehe Arturo Marquez Stück „Danzon No. 2“ die Solisten am Klavier, Obie, Picolloflöte, Sopransaxofon und Trompete zur Geltung kommen ließ. Es folgte eine musikalische Verbeugung vor Roger Cicero und Frank Sinatra, die natürlich mit „New York, New York“ abschloss.

Zum fulminanten Abschluss entführten die Musiker ihre 230 Gäste in die Welt des Musicals: Melodien aus „Mary Poppins“ luden ein in eine Welt voller Magie und Phantasie. „Sich ein großes Herz zu bewahren“, sei dabei die Botschaft der Musik, erklärte Moderator Herbrich – und konnte sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ein herzlicher Gruß geht dabei an die Herren Erdogan, Putin und Trump.“

Deutlich näher liegt da die Hilfe, welche die Bürgerstiftung Bad Urach mit den Einnahmen des Benefizkonzertes leisten kann. Im vergangenen Jahr hat die 2006 gegründete Bürgerstiftung drei Projekte mit insgesamt 7180 Euro unterstützt – eine so hohe Summe hat die Stiftung noch nie ausgeschüttet. Damit wurde etwa die Integrationsarbeit beim FV Bad Urach und die Gründung einer Kinderfeuerwehr unterstützt.

„Unsere Veranstaltungen, wie dieses Benefizkonzert, sind sehr wichtig für unsere Finanzierung“, erklärte Stiftungsvorstand Bernd Wacker. Vor allem in der anhaltenden Nullzinsphase sei die Stiftung auf solche Einnahmen angewiesen. Da traf es sich gut, dass der zweite Vorstand Eckart Schweizer den Kontakt zum Landespolizeiorchester herstellte – die Musiker traten umsonst auf. Das Orchester unterstützt regelmäßig soziale Projekte und kommt insgesamt auf rund 120 Auftritte im Jahr.

Die Förderung von gemeinnützigen Projekten in Bad Urach hat sich die Bürgerstiftugn auf die Fahne geschrieben. Insgesamt wurden so seit 2008 mehr als 38 000 Euro ausgeschüttet. Noch bis Ende Mai können sich Vereine, Gruppen und auch Einzelpersonen für eine Projektförderung durch die Bürgerstiftung in diesem Jahr bewerben. Gefördert werden ausschließlich Projekte mit lokalem Bezug. Im Spätsommer entscheidet dann der Stiftungsrat über die Vergabe der Mittel. Ein wichtiges Standbein zur Finanzierung sind die Benefizkonzerte. „Wir sind stolz, das Landespolizeiorchester zu uns geholt zu haben“, erklärte Stiftungsvorstand Bernd Wacker. Der FV Bad Urach bewirtete – und besserte damit ebenfalls seine Kasse auf.

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