Kleines Museum in der Kirchstraße widmet sich der Schuhgeschichte

Von außen ist dem Geschäft in der Bad Uracher Kirchstraße 5 nicht anzusehen, welch historischen Schatz es in seinem Inneren hütet: Ein Museum gewährt Einblicke in die alte Welt der Schuhmacher.

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  • Ein Überbleibsel aus Großvaters Tagen, ein genagelter Stiefel. 1/3
    Ein Überbleibsel aus Großvaters Tagen, ein genagelter Stiefel.
  • "Eugen und seine Freunde" haben für Uli Beck an einem Schuhmuseum gearbeitet. 2/3
    "Eugen und seine Freunde" haben für Uli Beck an einem Schuhmuseum gearbeitet.
  • Mit Hilfe der Maschine wird die Sandale gesäumt. Fotos: Thomas Kiehl 3/3
    Mit Hilfe der Maschine wird die Sandale gesäumt. Fotos: Thomas Kiehl
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14 Tage lang hat die Mannschaft um Eugen Riedl und Bernhard Weiblen schon ordentlich zugelangt. Nun zeigt ihr Werk ansehnliche und wohlgesetzte Formen. Tätig wurde das gut zehn Köpfe zählende Team auf Anregung von Uli Beck, den Urachern besser bekannt als Schuh Beck. In der Stadt wiederum wird den Mitgliedern des Teams (bis auf eine gelernte Malerin alles Männer) gerne das Attribut schaffig zuerkannt, was sie in den Augen von Uli Beck zum idealen Adressaten seiner Idee werden ließ. Er plane, berichtete er seinem Freund Eugen Riedl, ein Schuhmuseum in der Kirchstraße einzurichten und brauche dafür eine Mannschaft, die die dafür notwendige Arbeit übernimmt.

"Eugen und seine Freunde", wie sich die Museumsbauer selbst nennen, fackelten nicht lange und sagten zu. Bis zum 28. Februar wollen sie ihr Werk vollenden, dann öffnet auch das Becksche Schuhgeschäft in der Uracher Innenstadt wieder. Die Exponate fürs Museum sind jedenfalls schon da, Schuhe, Maschinen, Aktenordner, Lederreste und Sohlen. Gegenstände, die Einblicke geben in die Welt kleiner Handwerksbetriebe und Ladengeschäfte bevor sie von der Dynamik des globalen Wettbewerbs eingeholt wurden. 90 000 Paar Schuhe pro Tag, erzählt Uli Beck, produzieren derzeit allein die Arbeiter einer einzigen vietnamesischen Fabrik. Wer mit diesem Wissen einen alten, zig-mal neu mit Nägeln beschlagenen Stiefel betrachtet, ahnt, welch kolossalen Wandel Schuhbranche und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen haben. Die Generation der Kriegs- und Nachkriegszeit wird sich jedenfalls noch gut an jene abgetretenen Schuh-Ungetüme erinnern, die für gewöhnlich von den älteren an die jüngeren Geschwister weitergereicht wurden. Jene kargen Jahre endeten allmählich mit der Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre. Entsprechend den steigenden Einkünften wandelte sich die Schuhmode, die Damenwelt verlangte nach eleganteren Modellen, gleichzeitig gewann die Freizeitmode an Bedeutung: Im Museum künden Schuhe für Skifahrer und Wanderer von der sich verändernden Lebenswirklichkeit der Deutschen.

Gelernt hat Uli Beck sein Handwerk von der Pike auf bei einem echten Meister seines Fachs, dem damaligen Obermeister der Schumacherinnung, dem Stuttgarter Gottlob Eisenmann. "Seinerzeit", sagt Uli Beck, "haben unsere Kunden viele Fragen zur Lederqualität oder zur Verarbeitung gestellt." Schließlich stellte der Kauf eines Paars Schuhe in jenen Jahren eine bedeutende Investition dar, von der der Kunde möglichst lange etwas haben wollte. Heute, sagt Uli Beck, geht es den Kunden vor allem um Design und modisches Erscheinungsbild der Schuhe.

Welchen Weg das neue Schuhmuseum nimmt, steht augenblicklich noch nicht ganz fest. Sicher ist, Kunden, die ins Bad Uracher Schuhgeschäft kommen, können auf Wunsch auch einen Gang durch die Schau unternehmen, die Exponate sind beschriftet. Das Team aus "Eugens Freunden" überlegt derweil, Jahrgängen oder Kurgästen Angebote zum Museumsbesuch zu unterbreiten. Außerdem könnte es für die Besucher künftig kleine Film- oder Diavorführungen geben, die sie über Schuhherstellung in Fabriken und in kleinen Handwerksbetrieben informieren.

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