Keine Garantie aufs Paradies

|

Im Jahr 2015 hat Bad Urach auf dem städtischen Friedhof ein Gräberfeld für Muslime angelegt. So wie die bunt bepflanzten Gräber jetzt ausgerichtet sind, blicken die Toten, den Kopf leicht nach rechts geneigt, Richtung Mekka. Der Besuch am Grab, das Gespräch mit anderen Angehörigen, gehört auch in der christlichen Kultur und gerade auf dem Land zum Daheimsein. „Es ist der Wunsch vor allem der jüngeren Muslime“, erklärte Pfarrer Wilhelm Keller interessierten Teilnehmern der Interkulturellen Woche, „die Angehörigen besuchen die Gräber täglich. Es war uns wichtig, dass die Bestattung nach den Vorschriften der Muslime hier möglich wird“.

Der Friedhofsbesuch mit Imam Abuzer Yücekaya von der Türkisch-Islamischen Gemeinde, übersetzt von Özdem Diler, war etwas Besonderes. Yücekaya erklärte den Ablauf der Trauerfeier, beginnend mit der rituellen Waschung durch die Angehörigen in der Aussegnungshalle. Im Raum nebenan haben die Angehörigen und Trauergäste die Möglichkeit, sich vor dem Totengebet Hände und Füße zu waschen.

Drei Mal wird gefragt

Das Gebet selbst findet auf der oberen Plattform vor der Aussegnungshalle statt. Dort gibt es einen Punkt, von dem aus der Verstorbene Richtung Mekka blicken kann. Zu den Rechten der Lebenden gehört, dass sie der Beerdigung beiwohnen dürfen. Der Imam fragt die Anwesenden während des Totengebets dreimal, ob sie dem Verstorbenen verzeihen können. Zu den selbstverständlichen Pflichten der nächsten Angehörigen gehört, dass sie das Grab selbst zuschütten.

Trauer, übersetzt Özdem Diler, ist unter Gläubigen eine Sache der Gemeinschaft: „Unser Glaube sagt, dass man die nächsten Angehörigen nicht alleine lassen darf. Nicht zu Lebzeiten und nicht im Tod“, so Imam Abuzer Yücekaya, „die Trauernden werden angemessene drei Tage lang von ihren Angehörigen verköstigt und von allen täglichen Arbeiten entlastet“. „Wir glauben fest daran, dass man im Namen des Verstorbenen Gutes tun kann, erläutert Imam Yücekaya. Die eigenen Angelegenheiten indes sollte jeder für sich zu Lebzeiten geklärt haben. Auch für Muslime ist das Leben auf dieser Erde eine Prüfung vor Gott: Der Mensch hat die Chance zu beweisen, dass er gläubig, rücksichtsvoll und rechtschaffen ist. Der Tod ist nur der Übergang ins ewige Leben. „Rechts und links des Toten werden Engel sitzen und ihn nach seinem Namen, seinem Glauben, seinem Propheten und seinem Gott befragen. Einen Anspruch aufs Paradies gibt es nicht. Wir hoffen nur darauf“, beschreibt der Imam. Das „Jüngste Gericht“ hält auch die Bestrafung in der Hölle bereit. ane

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gnadenfrist für HNO-Abteilung

Das Stuttgarter Sozialministerium hat die Betriebsgenehmigung für die HNO-Abteilung bis Ende 2018 verlängert. weiter lesen