Jung gebliebener Jubilar

Der Tradition verpflichtet, aber Neuem gegenüber offen: 125 Jahre nach der Gründung hatte der Gesangverein Hengen zum Jubiläumskonzert eingeladen, der Chor zeigte die ganze Bandbreite seines Könnens.

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Gemeinsam zu singen, stärkt die Gemeinschaft und den Zusammenhalt im Chor und im Dorf: Das war vor 125 Jahren so und ist bis heute so geblieben. So war denn auch die Wittlinger Festhalle zum Jubiläumskonzert bestens gefüllt. Dass der Geburtstag in Wittlingen gefeiert werden musste, weil in Hengen die geeigneten Räume fehlen, hatte Sängerchef und Ortsvorsteher Gerhard Stooß mit Blick auf Bürgermeister Elmar Rebmann zu Beginn des Abends bedauernd angemerkt. Die Freude über das Jubiläum ließen sich die rund 30 Sänger allerdings nicht nehmen: Unter Leitung von Bernd Kächele erklang das Lied „An die Freude“ ebenso wie „Viel’ Freuden mit sich bringt“.

Der Chor zeigt sich der musikalischen Tradition des Volkslieds verpflichtet, macht inzwischen aber auch vor Songs aus der Jetzt-Zeit oder der jüngeren Vergangenheit nicht halt: Wolle Kriwaneks „Reggae di uf“ gehört inzwischen ebenso zum Repertoire wie Klaus Lages Gassenhauer „1000 und eine Nacht“ oder der Abba-Klassiker „Mamma Mia“, der auf Deutsch gesungen wurde.

Diesen frischen Wind hat Bernd Kächele in den Chor gebracht, seit 2007 dirigiert er den Gesangverein. Jeder der bisherigen Chorleiter, so der Vereinsvorsitzender Stooß, habe Akzente gesetzt und einen eigenen Stil besessen. Gleich drei davon konnte er unter den Festgästen begrüßen: Kächeles Vorgängerin Katharina Droemer hatte die Aufgabe im Jahr 2000 von Willy Mühlhauser übernommen, und von 1970 bis 1991 hatte Manfred Mahler den Chor geleitet. Er führte 1973 ein, was heute selbstverständlich ist: Aus dem reinen Männergesangverein wurde ein gemischter Chor. Den hatte es 1929, wie Gerhard Stooß beim Rückblick ausführte, schon einmal gegeben. Unter anderem wegen mangelndem Interesse der Frauen habe man in Hengen die Neuerung nach gerade einmal zwei Jahren wieder aufgegeben. Damals habe der Verein vor dem Aus gestanden, zumal sich kein passender Dirigent fand.

Die Krise war bald vorbei, auch die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg sei reibungslos und vor allem erfolgreich verlaufen: Die Mitgliederzahl stiegen ständig. „Es handelte sich meist um aktive Sänger, von solchen Zahlen kann man heute nur noch träumen“, bedauerte der Vorsitzende. Vor 25 Jahren gehörten noch mehr als 40 Frauen und Männer dem Chor an, heute seien es gerade einmal 30: „Wir brauchen dringend neue Sänger, um weiter singfähig zu bleiben.“ Doch auch die passiven Mitglieder würden die Gemeinschaft stärken und sich aktiv im Vereinsleben einbringen: Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Siegfried Wörz und Herbert Mahler geehrt.

Im Lauf der Jahre seit der Gründung des Gesangvereins 1889 – er gehört damit zu einem der ältesten in Bad Urach – hat sich bis heute eines nicht geändert: „Ohne ihn würde im Vereinsleben der Stadt und vor allem in Hengen etwas fehlen“, unterstrich Bürgermeister Elmar Rebmann, die Verwurzelung im Ort sei vorbildlich. Damals wie heute schaffe man durch gemeinsames Singen Freude und Freunde: „Es entwickelt sich ein Gemeinschafsgefühl.“ Das wurde bei einem spontanen Geschenk eines Hengeners deutlich, das auch Gerhard Stooß überraschte: Im Nachlass seines Vaters hatte er zahlreiche Liederbücher gefunden, unter anderem eines aus dem Gründungsjahr. Damals waren nur die Notenlinien vorgegeben, Noten und Text mussten die Sänger selbst eintragen.

Wer heute singt, hat es in dieser Hinsicht leichter, ohne gewissenhaftes Proben geht es aber nicht. Dass die Übungsstunden erfolgreich verlaufen waren, stellte der Chor am Samstag eindrucksvoll unter Beweis, mehrere Zugaben wurden gefordert. Unter anderem intonierten Sänger und Publikum „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Begleitet wurde der Chor dabei von Jochen Scheytt am Piano und Armin Ulbrich am Cajon. Die Jubiläumsfeierlichkeiten gingen am Sonntag mit einem Freundschaftssingen weiter, an dem sich sieben befreundete Chöre beteiligten.

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