Job-Kraftwerk fürs Ermstal

Im Uniplast-Areal steht nach dem Auszug des Unternehmens der erste Mieter bereit: Der Kreis richtet dort ein Jobcenter für Asylbewerber ein.

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An der Zukunft des ehemaligen Industriegeländes der Firma Uniplast in der Dettinger Fabrikstraße wird seit Jahren gefeilt. Noch ehe nun der neue Eigentümer des Areals dort seinen Plan von einem modernen Wohnpark verwirklicht, prescht der Landkreis mit einem Projekt voran: Noch diesen Sommer, vermutlich im Juli, will sich die Behörde in den vorderen Gebäuden einmieten, um dort Raum für das „Job- und Integrationsprogramm im Landkreis Reutlingen“ (JIP) zu schaffen. Das bestätigte gestern Hanna Brenzel, die beim Landkreis die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt koordiniert.

Ins Leben gerufen hat das JIP-Modell das „Bündnis für Arbeit“. Die Idee im Landkreis: An drei Standorten, in Dettingen, Münsingen und Reutlingen, sollen jeweils drei Integrationszentren für Zuwanderer eingerichtet werden. Sie dienen als zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge, Haupt- und Ehrenamtliche, aber auch für örtliche Betriebe.

In der Praxis sieht das so aus: Der Landkreis will in Dettingen einen Projekt-Koordinator und zwei Assistenten beschäftigen (Zuschüsse zur Finanzierung der Stellen sind laut Hanna Brenzel beantragt), die über Sozialarbeiter und die Arbeitskreise Asyl Kontakt zu den Flüchtlingen aufbauen.

Im Miteinander mit Firmen sollen in einem ersten Schritt vor allem Praktikumsplätze und berufsorientierte Hospitanzen vermittelt werden, erklärt Hanna Brenzel weiter. So hoffen die Initiatoren Brücken zu Arbeitswelt und Gesellschaft zu bauen. Und nicht nur nebenbei gewöhnen sich die Zuwanderer wieder an einem strukturierten Tag mit Terminen und festen Zeiten. „Das ist ein wichtiger Aspekt“, urteilt die Fachfrau.

Nur im Ermstal startet das JIP-Projekt zudem mit einem besonderen Angebot durch, das Bewerber und Firmen zueinander bringen soll: Unter dem Titel „Job-Kraftwerk“ richtet der Landkreis ein spezielles Online-Portal für Flüchtlinge und Unternehmen ein.

Auf der von zwei Jungunternehmern aus der Region entwickelten Web-Site können die Zuwanderer Lebenslauf und Fertigkeiten in arabischer Sprache einpflegen. Das Programm übersetzt dann ins Deutsche – die Personalverantwortlichen der Firmen haben so gleich das Profil der Zuwanderer parat.

Dieser Modus hilft, die Qualifikationen der Asylbewerber möglichst detailliert zu erfassen. „Jeder hat die Chance, seine Fähigkeiten und Neigungen anzugeben, und es gehen möglichst wenig Informationen verloren“, sagt Hanna Brenzel.

Da das „Job-Kraftwerk“ als Testlauf angelegt ist, wird das Online-Portal zunächst nur regional eingeschränkt (eben in den Ermsgemeinden) angeboten.

Apropos Ermstal: In Dettingen werden für Ende Mai 86 weitere Asylbewerber erwartet – so jedenfalls lautete vor einigen Monaten die Ansage aus dem Landratsamt. Ob es bei dieser Zahl bleibt, sei im Zuge der allgemein sinkenden Flüchtlingszahlen derzeit schwer abzusehen, sagte ein Sprecher der Kreisbehörde gestern auf Anfrage unser Zeitung. Fakt ist, dass die verbleibenden Asylbewerber „sukzessive in die Kreisgemeinden verteilt werden“. Eine Prognose über die weitere Entwicklung der Zuwandererpolitik sei derzeit schwer anzusehen, so der Pressesprecher weiter.

Gerüstet ist Dettingen bereits. Wie berichtet, baut der Landkreis dort eine weitere Flüchtlingsunterkunft, die ebenfalls Ende Mai fertig sein soll. Dennoch: Um mehr Planungsicherheit zu erhalten, hat Hauptamtsleiter Ralf Barth in Sachen aktuelle Flüchtlingszahlen nun eine Anfrage an das Landratsamt gestartet. Auch die Sprachkurse in den beiden Dettinger Schulen („die sind maximal belegt“) wollen vorbereitet sein.

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