Im zweiten Anlauf durchstarten

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Die Theatergruppe am Uracher Gymnasium ist bei den Proben bereits voll in ihrem Element. Im November folgen die Aufführungstermine, dann wird der Lichthof des Gymnasiums zum „Auerhaus“. Foto: Kirsten Oechsner  Foto: 

Der Schock saß tief, als der Verlag eine Woche vor der geplanten Aufführung im Juli die Premiere von Martina Auers Bühnenversion des Bestsellers „Auerhaus“ von Bov Bjerg untersagte: Das Ensemble der GEG-Theater-AG befand sich mitten in der heißen Probephase, die jungen Akteure hatten bereits entsprechend viel Zeit investiert.

Für Regisseurin Martina Auer und Co-Regisseur Dirk Albrecht kam die Absage nach diversen Kontakten mit Verlag und Autor überraschend, zunächst sollte in Berlin eine Uraufführung über die Bühne gehen und dann seien erst die Uracher „dran“. Für die Theater-AG war’s der zweite Rückschlag, bereits ein Jahr zuvor mussten die Aufführungen von „Die Räuber“ kurzfristig komplett abgesagt werden – die Hauptdarstellerin war erkrankt, der Frust war groß: „Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb nur wenige weitergemacht haben“, mutmaßt die Regisseurin. „Auerhaus“ durfte immerhin zwei Mal in einem nicht-öffentlichen Rahmen unter Lehrern und Mitschülern aufgeführt werden.

Und nun startet die Theater-AG wieder durch, muss sich aufs Neue finden und motivieren: Dieser Tage liefen die Proben an. Noch etwas holprig mit einigen Texthängern und die Abläufe laufen noch nicht ganz rund, doch die Lust am Spiel hat die sieben Akteure erneut gepackt: Im „Auerhaus“ herrscht wieder Leben, die jungen Laienschauspieler tasten sich erneut an ihre Rollen heran. Doch das fällt ihnen leicht, denn sie können eintauchen in ihre Lebenswelt: „Eigentlich spielen sie sich selbst und dürfen schwätzen wie sie wollen von Hochdeutsch bis Schwäbisch “, beschreibt Martina Auer ihren Ansatz. Immerhin ist der Autor bei Göppingen aufgewachsen und schreibt vom Erwachsenwerden im Schwäbischen.

Eben diese Authentizität hat Martina Auer gereizt, den Roman zu einem Bühnenstück umzuarbeiten: „Es handelt sich um einen Stoff aus dem Alltag der Jugendlichen, sie bekommen sofort einen Zugang.“ 336 Seiten dick ist das gebundene Buch, die Hörspielfassung geht viereinhalb Stunden: „Es galt raus zu filtern, welchen der vielen Handlungsstränge wir erzählen wollen.“ Entschieden hat sie sich für das Projekt „Rike retten“, dem ihrer Ansicht nach eigentlichen Herz des Romans: Sechs Jugendliche ziehen in einem Haus zusammen, um gemeinsam einen weiteren Selbstmordversuch ihrer Freundin zu verhindern.

Die Ursachen ihrer Lebensmüdigkeit sind tiefgründig, Rike habe laut Martina Auer ihre innerste Seele verloren: Im „Auerhaus“ verbringe sie zwar die tollste Zeit ihres Lebens, doch das gut gemeinte Freundschafts-Projekt sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Trotzdem erwartet den Zuschauer kein trist-trauriges Stück: „Es gibt viele heitere Momente.“ Es wird getanzt wie Alexis Sorbas, die Jugendlichen diskutieren und kabbeln sich, müssen sich zusammenreißen und leben das WG-Leben intensiv.

Martina Auer war beim Lesen von „Auerhaus“ sofort begeistert vom Roman und den Möglichkeiten, den Stoff auf die Bühne zu bringen. Der Titel sei Zufall, aber passend: „Es ist ein ‚Auerstück‘ geworden“, unterstreicht Dirk Albrecht. Und es wird die letzte Inszenierung seiner Kollegin sein, Martina Auer möchte sich mehr auf eigene Projekte konzentrieren. Ein Nachfolger steht auch schon fest: Dr. Mathias Eicks wird künftig die Theater-AG leiten.

Premiere von „Auerhaus“ ist am Montag, 7. November, im Lichthof des Graf-Eberhard-Gymnasiums. Weitere Aufführungen sind am Dienstag, 8., Donnerstag, 10. und Freitag, 11. November, jeweils um 19.30 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es bei der Buchhandlung am Markt und telefonisch im GEG-Sekretariat unter ☎ (0 71 25) 14 40 10.

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