Hochzeit unter Palmen

Schlösser, Burgen und Gärten des Landes luden zum diesjährigen Schlosserlebnistag unter dem Titel "Schloss in Weiß". Ein passendes Motto für das Residenzschloss Urach, das mit einer reichen Hochzeitsvergangenheit aufwartet.

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Spannende Anekdoten gab's beim Schlosserlebnistag.  Foto: 

Zum gemeinsamen Feiertag der Schlösser und Klöster, Burgen und historischen Gärten, gestalten alle Gastgeber ihr Programm ganz eigenständig und individuell. Das diesjährige Motto "Schloss in Weiß" wurde an jedem Ort anders aufgegriffen. "Uns kam natürlich sofort das Thema Hochzeit in den Sinn", erklärte Historikerin Stefanie Leisentritt die Idee zu ihren speziellen Themenführungen. Neben der "Uracher Hochzeit", die mittlerweile schon ein fester Begriff geworden ist, spielte das Thema Heiraten im Schloss von Anfang an eine große Rolle. "Hochzeit unter Palmen - in weiß?" Diese Frage klärten die sympathischen Schlossführerinnen am Sonntag bei einem einstündigen Rundgang durch Dürnitz, Palmensaal und Goldenen Saal. Dass wir das Uracher Residenzschloss heute bewundern können, ist einzig einer Hochzeit zu verdanken. Der Hochzeit zwischen Eberhard dem III. und seiner reichen Braut Antonia Visconti aus Mailand. Denn die stattlichen 70 000 Gulden Mitgift machten erst den Bau des Schlosses möglich. Die Besucher der interessanten Führung konnten sich das öffentliche Brautlager bildhaft vorstellen, das damals als symbolischer Ehevollzug unter den Augen zahlreicher Adliger im beschaulichen Urach stattfand. "Das Thema Hochzeit ist überhaupt sehr plastisch", freute sich Stefanie Leisentritt über das Motto, mit dem sich viele Besucher bestens identifizieren können und entweder an ihren eigenen großen Tag zurückdenken oder noch Pläne schmieden.

So werden die wunderschönen Räumlichkeiten des Uracher Schlosses natürlich auch heute noch gerne für Hochzeiten genutzt. Allein in diesem Jahr feiern 18 Paare den schönsten Tag in der "Dürnitz". Die Dürnitz ist ein in mittelalterlichen Burg- und Schlossanlagen üblicher Speise- und Aufenthaltsraum im Erdgeschoss, der für das Gesinde gedacht war. Anlässlich der großen "Uracher Hochzeit" von Eberhard im Bart mit der eleganten Barbara Gonzata, wurde ein aufwendiges und repräsentatives Kreuzrippengewölbe eingebaut, um einen weiteren Festsaal zu haben. Nicht die Einzige Umbaumaßnahme, die Eberhard vornehmen ließ, um seine zahlreichen Gäste zu beeindrucken. Auch Wandmalereien wurden im so genannten Palmensaal angebracht, die zeigten von welch edler Herkunft er war. Die Palme spielte für Eberhard als Symbol für Fruchtbarkeit eine große Rolle und ist noch überall im Schloss zu sehen. So können Liebespaare sogar in Urach "unter Palmen heiraten".

Heutzutage selbstverständlich in Weiß. Zu Zeiten Eberhards und seiner Barbara gab es allerdings noch keine typische Brautmode. Jedes schicke Kleid kam in Frage. Eigens für den Schlössertag wurde in Urach ein Raum mit verschiedenen Brautmoden eingerichtet. Eine spannende Zeitreise durch die verschiedenen Modestile. Wer sich schon immer gewundert hatte, warum die Oma auf dem Hochzeitsfoto ein schwarzes Kleid trug - bekam am Sonntag endlich die Antwort. "Früher haben die Frauen einfach ihr bestes Kleid angezogen. Das war in der Regel ihr Sonntagsstaat - und das war eben schwarz", erklärte Stefanie Leisentritt die düstere Kleiderwahl der Bräute. Die Farbe Weiß wurde zunächst bei Adelshochzeiten modern, die es sich leisten konnten, ein Kleid speziell für diesen Anlass zu haben. Im "gemeinen Volk" leisteten sich die Bräute tatsächlich erst ab den 50er Jahren ihren Traum in weiß. Einen Traum in Gold gab es dann noch zum krönenden Abschluss der Führung im oberen Stockwerk des Schlosses zu bewundern - den prunkvollen Goldenen Saal.

Auch dieser Renaissancesaal verdankt seine heutige glanzvolle Ausstattung einer Hochzeit. Herzog Johann Friedrich ließ den Saal anlässlich seiner Hochzeit mit Barbara Sophie von Brandenburg im üppigen Stil der Spätrenaissance neu gestalten. Sogar die Initialen des Paares sind an verschiedenen Stellen im Saal zu sehen.

Der Schlosserlebnistag in Urach stand also ganz im Zeichen der Hochzeitsfeste. Auch wenn sich der große Ansturm Schlossbesucher vermutlich eher auch auf die großen Schlösser konzentrierte, waren die Uracher mit dem vorhandenen Interesse doch zufrieden. Mit ganz viel Begeisterung und Leidenschaft führte Stefanie Leisentritt die Besuchergruppen durch ihr Schloss und erzählte zahlreiche spannende Anekdoten. "Wir fühlen uns dem Schloss verbunden", freute sich Leisentritt über ihre Arbeit in dem alten Gemäuer. Glücklicherweise erfreut sich das Uracher Residenzschloss nicht nur am Schlosserlebnistag großer Beliebtheit, sondern befindet sich "in einer Aufschwungphase". Besonders beliebt sind die Rundgänge mit den Damen im Kostüm. Die Spuren glanzvoller Zeiten kommen eben nie aus der Mode und sind immer eine Entdeckung wert.

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