Heimatmuseum plant Ausstellung zur Geschichte der Firma G.M. Eisenlohr

Mit der Spinnerei und Weberei Eisenlohr kam der Wohlstand nach Dettingen. Eine besondere Ausstellung, die die Firmengeschichte und ihren Einfluss auf den Ort beleuchtet, ist im Heimatmuseum geplant.

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Albrecht Arnold und der Arbeitskreis Museum und Brauchtum planen eine Ausstellung zur Firma G.M. Eisenlohr. Foto: Thomas Kiehl

Noch ist Albrecht Arnold dabei, zu sammeln, zu sichten, zu strukturieren. Er ist einer der beiden Hauptverantwortlichen des Arbeitskreises Museum und Brauchtum und hat zusammen mit seinen Mitstreitern große Pläne: An Palmsonntag wird im Heimatmuseum eine Ausstellung zur Geschichte der Firma Eisenlohr in Dettingen eröffnet. Eine historische Herausforderung, der sich Arnold und sein Team stellen wollen. Denn Eisenlohr prägte die Ortsgeschichte wie kein anderen Unternehmen. Mit Fug und Recht lässt sich sogar behaupten, dass ohne die Ansiedlung der einstigen Reutlinger Firma G.M. Eisenlohr im Jahr 1865 Dettingen heute nicht so wohlhabend wäre. Eisenlohr baute die Weberei I, eine mechanische Baumwollweberei, in der Fabrikstraße und fertigte dort hochwertige Stoffe aus Baumwolle, Wolle und Leinen. Schon 1868 erfolgt die erste Erweiterung, 1880 kam eine Spinnerei hinzu, 1907 wurde das zweite Werk oberhalb des Bahnhofs gebaut. "Es gab zeitweise in Dettingen keine einzige Familie, aus der heraus nicht mindestens eine Person bei Eisenlohr beschäftigt war", sagt Arnold.

Die Bedeutung Eisenlohrs kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn an der Entwicklung ab 1865 lässt sich erkennen, wie aus einem komplett verarmten Dorf eine florierende Gemeinde wurde. Wohlstand und ein starkes Bevölkerungswachstum begleiteten die Eisenlohrsche Epoche. Dass Eisenlohr sich ausgerechnet Dettingen ausgesucht hat, um sein Imperium aufzubauen, hatte einen einzigen Grund: die Wasserkraft der Erms. Sie war bis 1902 die bestimmende Energiekraft Dettingens. Eisenlohrs soziales Handeln gegenüber seinen Arbeitern war für die damalige Zeit fortschrittlich. Er gründete nicht nur ein Erholungsheim, die Königshöhe, sondern auch eine Stiftung, die für niedrige Zinsen Geld an die Arbeiter verlieh. "Eisenlohr hatte ein starkes Interesse, die Leute so lange wie möglich an seine Firma zu binden", sagt Arnold. Schließlich waren es Fachkräfte, deren Zufriedenheit die Qualität der Ware sicherstellte. Der Tod der Textilbranche kam auf Raten. 1992 stellte auch Eisenlohr die Produktion ein, obwohl in Dettingen die modernste Weberei Europas stand. "Der Abbruch der Weberei II einige Jahre später war für viele Dettinger ein emotionales Problem", sagt Arnold. "Eisenlohr war nicht einfach eine Firma. Eisenlohr war eine Familie." Dabei ging Eisenlohr mit Konkurrenten nicht gerade zimperlich um. Jahrzehntelang verhinderten die Firmenchefs durch massiven Druck gegenüber der Verwaltung die Ansiedlung anderer Industriebetriebe in Dettingen, wie entsprechenden Zitaten des ehemaligen Bürgermeisters Wilhelm Spring im Heimatbuch (Seite 87) zu entnehmen ist.

Zahlreiche Exponate, Fotos und Dokumente hat Arnold bereits gesammelt. Doch er hofft weiterhin auf Zeitgenossen, die in ihren Kellern oder auf ihren Dachböden noch Erinnerungen an die Firma haben. "Was uns fehlt ist ein Film von der Sprengung des Kamins in den 90er Jahren. Und wir suchen noch dringend Filmaufnahmen von Firmenausflügen." Auf drei Etagen im Heimatmuseum soll die Ausstellung aufgebaut werden. Arnold und sein Team muss dabei der Spagat gelingen, zum einen die Firmengeschichte in einen historischen Zusammenhang zu bringen und die Hintergründe der damaligen Zeit zu beleuchten. Zum anderen soll es eine interessante Ausstellung für jedermann werden.

"Es bedarf viel Feinarbeit." Und des nötigen historischen Knowhow. Denn immer wieder begegnen Arnold Kuriositäten. So zum Beispiel eine Postkarte mit der Weberei, die zwei Kamine aufweist. "Dabei wissen wir, dass das Werk zu keiner Zeit zwei Kamine hatte, sondern immer nur einen. Das geht auch eindeutig aus alten Bauplänen hervor." Ob da jemand ein Foto retuschiert hat? Und wenn ja, aus welchem Grund? Die Aufnahme mit den zwei Kaminen bleibt jedenfalls ein Rätsel.

An Palmsonntag, 24. März, wird die Ausstellung im Heimatmuseum eröffnet. Bis dahin gibt es für den Arbeitskreis noch jede Menge Arbeit.

Info: Das Heimatmuseum sucht noch Exponate als Leihgaben. Bitte melden bei Albrecht Arnold, Telefon: 79 58 oder Peter Meier, Telefon: 7 23 53.

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