Hat es sich in der Promillesteige ausgeschlichen?

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    Gibt es auf der Strecke bald eine Schranke? Foto: 
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    Der Schleichweg von der Promillesteige nach Dettingen soll gestopft werden. Wie die Abkürzung abgeriegelt wird, steht allerdings noch nicht fest. Foto: 
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Alle auffindbaren Definitionen von „schleichen“ haben zwei Begriffe gemein: leise und langsam. Das störende an Schleichverkehr ist aber, dass er sich gerade an diese beiden Eigenschaften nicht hält. Deswegen wenden sich schon seit geraumer Zeit Anwohner der Dettinger Kühsteiggasse an ihre Gemeindeverwaltung, mit der Aufforderung, doch etwas gegen jenen Schleichverkehr zu unternehmen, der von der sogenannten Promillesteige von Hülben kommend über einen landwirtschaftlichen Weg und die Kühsteiggasse hangabwärts in den Ort einfällt. „Zu viel, zu schnell, zu laut und vor allem verbotenerweise“, wie die Anwohner bemängeln.

Ein bisschen provokant

Tatsächlich ist der Gemeinde das Problem bekannt und ebenfalls ein Dorn im Auge, weswegen sich jetzt der Verwaltungsausschuss mit dem Thema beschäftigt hat. „Kühsteiggasse: Prüfung einer Anbringung einer Verkehrsschranke“ heißt es formell in den Unterlagen. „Etwas provokant“, sagt Bürgermeister Michael Hillert, „wir möchten mit dem Vorschlag einer Schranke eher eine kreative Diskussion anregen.“

Bevor diese losbrach, brachte Ordnungsamtsleiterin Anke Martini die Ausschussmitglieder auf den aktuellen Stand der Voruntersuchungen. Schon zwei Mal, im Mai und Juni dieses Jahres, habe eine Verkehrszählung im Bereich des landwirtschaftlichen Weges stattgefunden. Dabei sei der Maximalwert von 240 Fahrzeugen am Tag ermittelt worden, die ortseinwärts fuhren, zusätzlich nutzten bis zu 76 Autofahrer den Abschnitt in die Gegenrichtung. Vor allem in den Morgen- und Abendstunden wurde eine Häufung des Schleichverkehrs registriert.

Zu schnell unterwegs

Messungen im Bereich der Kühsteiggasse hätten zudem ergeben, dass die Geschwindigkeiten teilweise deutlich über den erlaubten 30 Kilometern pro Stunde lagen. Polizeikontrollen hätten punktuell stattgefunden und auch Verwarnungen für die Autofahrer zur Folge gehabt. Wegen der Seltenheit dieser Kontrollen sei das auf Dauer aber nicht wirklich abschreckend, wie Anke Martini ausführte. Außerdem hätte die Hälfte der Verwarnten Einspruch eingelegt, weil sie angeblich Anlieger gewesen seien. Dies in jedem Einzelfall zu widerlegen, bedeutet freilich einen enorm hohen Verwaltungsaufwand.

Der Vorschlag der Verwaltung laute daher, eine Schranke zu errichten, die den Verkehr auf null reduziere. Auch landwirtschaft­licher Verkehr könne den Abschnitt dann allerdings nicht mehr passieren. Auch die bislang gestattete Durchfahrt zum Reisigplatz sei dann nicht mehr möglich und müsse über die Hülbener Straße erfolgen.

Wolfgang Budweg (CDU) findet die Idee der Schranke gar nicht schlecht, würde sie vom Personal des Reisigplatzes aber immer während dessen Öffnungszeiten öffnen und anschließend schließen lassen. Sein Fraktionskollege Clemens Rapp kann einer Schranke dagegen nichts abgewinnen. „Dann müssten alle Traktoren über die Hülbener Straße fahren, in der auch schon zu viel Verkehr ist“, warf er ein. Er sei vielmehr dafür, den Bordstein an der Abbiegung von Hülben kommend zu erhöhen, um die Zufahrt zum Schleichweg zu erschweren. Dies wiederum stieß wegen der erhöhten Unfallgefahr bei seinen Ratskollegen auf wenig Unterstützung.

Verbot aufheben

Elke Göhner (UL) würde die Sache pragmatisch angehen. Man könnte die Verbotsschilder abmontieren und die Straße für den Durchgangsverkehr öffnen, dann habe man auch keinen verbo­tenen Schleichverkehr mehr, schlug sie vor. Dagegen wehrte sich Bürgermeister Hillert mit Blick auf den jüngsten Umbau der Kühsteiggasse. „Wir haben zum Beispiel auf Höhe des Kindergartens die Fußgängerampel entfernt, weil die Kühsteiggasse eine Wohnstraße und keine Durchfahrtsstraße sein soll. Das würde allen unseren bisherigen Verkehrs­planungen widersprechen.“ Auch Rolf Hägele (FWV) kann einer Freigabe nichts abgewinnen.

Archibald Fritz (UL) brachte schließlich einen Vorschlag in die Runde ein, der bis dato auf den größten Konsens stieß: eine temporäre Vollsperrung zu den Stoßzeiten des Berufsverkehrs, zunächst aber nur durch eine weitere Beschilderung. Angedacht wäre da etwa die Zeit von 6 bis 8 Uhr oder gar nachts. Sollten die Schilder nichts bringen, könne man immer noch über bauliche Veränderungen nachdenken, so der Tenor.

„Wir werden nicht sofort eine Entscheidung treffen, sondern haben eine gute Ideensammlung angelegt. Die Straße wird massiv missbraucht, dagegen müssen wir etwas unternehmen“, resümierte Hillert. Was das genau sein wird, entscheidet sich erst nach einer weiteren Diskussionsrunde.

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