Haberlandt und sein Werk

Auf vier Stockwerke erstreckt sich die Haberlandt-Ausstellung in der Klostermühle. Am Montag sind zahlreiche Besucher zur Vernissage gekommen, um einem Mann dieser Stadt zu gedenken.

|
Karlheinz Haberlandt (links), ein Neffe des Künstlers, führt in das Werk ein. Foto: Patricia Kozjek

"Der Künstler und Wahl-Uracher Richard Haberlandt (1890-1963) ist ein wichtiger Mann für diese Stadt. Er hat seine Spuren hinterlassen." Mit diesen Worten begrüßte Kulturreferatsleiter Thomas Braun die zahlreichen Gäste, angereist von nah wie fern, zur Haberlandt-Werkschau "Das Götterkind - die Kunst" am Montagabend im historischen Stadtmuseum der Klostermühle.

Gleich auf vier Etagen können rund 150 seiner imposanten wie vielfältigen Kunstwerke, entstanden von 1907 an bis zum Tod, bestaunt und studiert werden. "Das ist gerade mal ein Fünftel aller auftreibbaren Bilder von Haberlandt. Über zwölf Sammler haben zu dieser Ausstellung beigetragen", erklärt Kurator und Kunsthistoriker Dr. Bernhard Stumpfhaus. Dabei war Haberlandt schon mal Thema im Stadtmuseum, wie Braun zu Beginn betonte. 2004 wurden jedoch nur rund 40 seiner Werke gezeigt. Schon im März habe ein harter Kern damit begonnen, die Ausstellung vorzubereiten, verrät Stumpfhaus.

Der in Graz geborene und studierte Zeichen- und Kunstlehrer, "ein Sonderling, der Kunst treibte und sonst nichts", kam 1935 das erste Mal nach Urach, bevor er sich zwei Jahre später, schwer kriegstraumatisiert, ganz in der Kurstadt niederließ, um von und für seine Kunst zu leben. "In der Ausstellung findet man beide Seiten Haberlandts", stellt der Kunsthistoriker fest. Sowohl Portraits seiner Schüler, in humoriger Art und Weise vom Künstler festgehalten, als auch die schweren, düsteren und leidenden Stunden des Richard Haberlandts. Zahlreiche beeindruckende Selbstinszenierungen, markant und ausdrucksstark, bis hin zu Portrait-Fotografien und Skizzenbücher, die der "ewig Malende" an der Front dabei hatte, finden sich derzeit in der Klostermühle. "Beide Seiten sind Haberlandt", weiß der Kurator. "Im Schützengraben, in Urach, auch während seiner diversen Klinikaufenthalte verewigte der Künstler in zahllosen Serien seine direkte Umgebung, seine Mitmenschen und vor allem sich selbst. Er war ein Familienmensch durch und durch und ein Mensch der Wiederholung", resümiert Stumpfhaus. "Er brauchte die Kunst, um sich seiner Realität zu versichern und sein Trauma zu bewältigen." Letzteres gelang ihm nicht. So sei der Vollblutkünstler seinerzeit schon ein Mensch der neuen Medien gewesen, sagt Stumpfhaus. Und: "Seine Bilder sind Zeugnis eines tagebuchartigen sich Äußerns. Wir möchten nicht nur Bilder zeigen, sondern auch den Künstler und sein Leben vorstellen." Van Gogh sei zu Urachs Zeiten sein Leitstern schlechthin gewesen.

Haberlandt hatte sechs Geschwister aus zwei Ehen seines Vaters und zahlreiche Nichten und Neffen. "Viele sind zwar in die Jahre gekommen, leben aber teilweise noch", sagt Professor Karlheinz Haberlandt. Einer davon ist er selbst. Ob Kunst oder Krempel? Karlheinz Haberlandt aus Heilbronn wollte es schon genau wissen, nachdem er Originale seines Onkels aus Nachlässen, teils "für wenig Geld und sogar kostenfrei" auf dem Markt erhielt, wie er sagt.

Mit der großartigen Arbeit des Kurators habe er viele Antworten erhalten. Ein Mehr an Würdigung des Künstlers stünde der Stadt Bad Urach gut, glaubt er. Schließlich habe der Künstler letztere auch im Testament bedacht. Verkehrt wäre sicherlich auch nicht, über eine Klimaanlage im Museum nachzudenken, wie viele Besucher am Abend leicht verärgert feststellen. "Zumal Klimaanlagen auch Kunstwerken zusprechen", erinnert Stumpfhaus. Die Schau ist noch bis 31. Oktober während der bekannten Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gemeinsam zur Top-Wanderregion

18 Kommunen aus zwei Landkreisen haben gestern in Beuren eine neue Zusammenarbeit besiegelt, um Top-Wanderregion zu werden. weiter lesen