Ferkel aus der Vogelperspektive

„Wer will schon euren Saustall sehen?“ Diese Frage musste sich die Familie Wörz immer wieder anhören. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Ihr gläserner Schweinestall ist der Renner im Biosphärengebiet.

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Vor vier Jahren hatten Reinhard und Andrea Wörz die Idee, ihren Schweinestall für Besucher zu öffnen. Nicht ohne Grund. „95 Prozent der Leute haben ein falsches Bild von der Landwirtschaft“, weiß Schweinezüchter Wörz. Beinahe wäre das Projekt gescheitert. Aus seuchenhygienischen Gründen ist es nämlich verboten, die Stalltüren für Groß und Klein zu öffnen. Kein Wunder, dass für manchen Verbraucher der Eindruck entsteht, die Landwirte hätten etwas zu verbergen.

Kein Grund für die Wörz’ zu resignieren. Sie bauten in vier Metern Höhe im Schweinestall einen Steg, zogen links und rechts bis zur Decke Wände ein, die alle paar Meter ein Fenster haben. Gleich am Anfang hat man sogar die Möglichkeit, durch eine Scheibe im Boden säugende Ferkel aus der Vogelperspektive zu beobachten. Ein paar Meter weiter sind dann trächtige Muttersauen sowie Eber und Mastschweine zu sehen.

Dieser sogenannte Außenklimastall ist etwas Besonderes. „Wir hatten den ersten seiner Art im Landkreis Reutlingen“, berichten die Landwirte stolz. „Die großzügigen Buchten mit Stroheinstreu entspricht einer besonders tiergerechten Gruppenhaltung“, fügen sie hinzu. Laut der Wörzens ist der gläserne Besuchersteg über einen Schweinestall einmalig in Süddeutschland. Kein Wunder, dass wöchentlich mehrere Busse und angemeldete Gruppen den Linsenberghof in Hengen ansteuern. Für Einzelpersonen und Familien ist der Erlebnisstall jeden ersten Sonntag um 13 Uhr sowie am 15 Uhr geöffnet.

„Damit noch mehr Wertschöpfung im eigenen Haus bleibt“, hat das Ehepaar dieses Jahr ein neues Gebäude für die Direktvermarktung und das Catering von Spanferkel gebaut.

Bis aufs Schlachten, das erledigt ein Metzger in Feldstetten, machen die Hengener Schweinezüchter alles selbst. Sie braten die Spanferkel in einem der sechs neuen Steinbacköfen, bringen sie in Warmhaltebehältern zu den Kunden oder bieten sie im Albferkelstüble auf dem Linsenberghof an. Die Hausherrin bereitet zudem die Salate, die Spätzle, das Kartoffelgratin und frisches Bauernbrot zu.

„Es wird immer wichtiger, die Nähe zum Verbraucher zu suchen“, sagt Reinhard Wörz. Deshalb beteiligt sich sein Betrieb auch an der Aktion „Gläserne Produktion im Landkreis Reutlingen“.

Am Sonntag, 6. Juli, laden die Wörzens zum Hoffest ein. An diesem Tag können die Besucher nicht nur den Schweinestall, sondern auch das neue Gebäude, den Hofladen, den Ferkelaufzuchtstall und den Streichelzoo in Augenschein nehmen. Natürlich wird an diesem Tag, wie sollte es auch anders sein, knuspriges Spanferkel serviert.

Los geht es um 10 Uhr mit einem von Pfarrer Jörg Sauter zelebrierten Gottesdienst. Dem schließt sich um 11 Uhr die offizielle Eröffnung mit Grußworten an. Außer Spanferkel gibt es noch andere Spezialitäten vom Grill, die die örtlichen Vereine servieren. Kaffee und Kuchen stehen am Nachmittag auf der Speisekarte.

Bei der „Gläsernen Produktion“ handelt es sich um eine Aktion des Landwirtschaftsministeriums. Zahlreiche Landwirte in ganz Baden-Württemberg öffnen ihre Hoftore, um zu zeigen, wie und wo sie ihre Lebensmittel erzeugen.

Neben den herkömmlichen Vertriebswegen von landwirtschaftlichen Produkten gewinnt die Direktvermarktung immer mehr an Bedeutung. Dieses Jahr gibt es im Landkreis Reutlingen Veranstaltungen auf dem Linsenberghof mit gläsernem Schweinestall in Hengen (6. Juli), beim Milchviehbetrieb Werner in Strohweiler (20. Juli), bei der Schäferei Fauser in Pfronstetten (6. und 7. September), beim Kartoffelfest im Gestütshof St. Johann (10. September) sowie bei Kartoffelbauer Wörz in Oberstetten (12. Oktober).

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